"Bleiben als Bank in der Nähe"

Herbert Eder (links), Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Chamer Land, und der zuständige Regionaldirektor für den Bereich Rötz, Thomas Saßl, erläuterten die Hintergründe zur bevorstehenden Schließung der Filiale in Thanstein. Bild: Mardanow
Lokales
Thanstein
12.05.2015
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"Wir verlassen die Kunden nicht, sondern betreuen sie nur von einem anderen Ort aus." Das betont Herbert Eder, Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Chamer Land, wenn er die Schließung der Filiale Thanstein erklärt. Im Gespräch stellt er dar, welche Rolle die Europäische Zentralbank dabei spielt.

In der Samstagsausgabe hatte der NT exklusiv berichtet, dass die Tage der Geschäftsstelle Thanstein ab 1. Juni gezählt sind. Dann schließt die Raiffeisenbank Chamer Land die einzige ihrer aktuell 24 Niederlassungen, die sich im Landkreis Schwandorf befindet. Das Aus kommt auch für weitere vier Filialen im Kreis Cham.

Gewinn geht zurück

Die Bank reagiert mit diesem Schritt auf veränderte Rahmenbedingungen - "eine Genossenschaftsbank ist ein lebendiger Organismus, der immer wieder angepasst werden muss", verdeutlichen Vorstandssprecher Herbert Eder und Regionaldirektor Thomas Saßl, als sie am Montag bei einem Pressegespräch in der Geschäftsstelle Rötz über die Entwicklung informieren. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass 2014 zwar Kundeneinlagen und Kreditvolumen deutlich stiegen, gleichzeitig aber der Gewinn zurückging.

Als Ursache nennen die Bank-Vertreter die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank in Verbindung mit einem Anleihenaufkaufprogramm, wodurch die Märkte regelrecht mit Geld überschwemmt würden. In diesem Umfeld ließe sich für Banken kaum mehr Geld verdienen. Der Ertrag für Kundeneinlagen gehe gegen Null, Eigenanlagen könnten nur noch mit deutlich geringerer Verzinsung neu angelegt werden, und im Kreditgeschäft reduzierten sich die Margen.

Gleichzeitig werde immer stärker regulierend ins Bankgeschäft eingegriffen. "Allein für heuer sind 177 Gesetze, Erlasse oder Verordnungen geplant, die den Bankensektor betreffen", verdeutlicht Vorstandssprecher Eder, der manche der aufsichtsrechtlichen Anforderungen für "komplett überzogen" hält. Damit würden zunehmend personelle und technische Ressourcen gebunden. Auch mit verändertem Kundenverhalten muss sich die Raiffeisenbank Chamer Land auseinandersetzen. Immer häufiger werden Bankgeschäfte online erledigt, kleinere Zweigstellen - wie eben auch Thanstein - deutlich schwächer frequentiert.

Vor diesem Hintergrund nennt Eder den letztendlichen Beschluss zur Schließung "eine Entscheidung, die nicht leicht fällt, aber notwendig ist". Bereits in der Vergangenheit seien die Öffnungszeiten in jenen Filialen, die Ende Mai geschlossen werden, bereits deutlich eingeschränkt gewesen. Regionaldirektor Thomas Saßl versichert aber, dass der persönliche Kontakt weiterhin bestehen bleibe. Die Kunden aus Thanstein werden künftig über die Geschäftsstelle Rötz betreut, "wir können hier das komplette Beratungsangebot bieten". Auch Mitarbeiterin Michaela Kärtner, die bisher schon halbtags die Filiale Thanstein betreut, hat hier ihren Arbeitsplatz. Kunden, die nicht mobil sind, sollen über den Außendienst einmal im Monat von zu Hause ihre Bankgeschäfte erledigen können. Die räumliche Nähe werde nicht aufgeben, ergänzt Herbert Eder.

Interesse am Filialgebäude

Laut Saßl hätten die Kunden in Thanstein "nach der ersten Enttäuschung, die Gründe für die Schließung eingesehen". Teilweise sei dieser Schritt ohnehin schon befürchtet worden. Für die Nachnutzung des Bankgebäudes gebe es bereits zwei, drei konkretere Interessenten - "aber wir stehen hier nicht unter Zugzwang". Herbert Eder schwebt eine "gute Verwendung vor, die ins Ortsbild passt und das Angebot vor Ort ergänzt". (Im Blickpunkt)
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