Der Durststrecke gewachsen

Lokales
Thanstein
23.09.2015
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Fette Beute hat der Moorfrosch im Kulzer Moos heuer wohl eher nicht gemacht: Der Wasserstand ist dort nach dem trockenen Sommer extrem niedrig. Doch Moorbewohner sind auch Überlebenskünstler.

Abgesagt wegen Trockenheit: Das meldete der Tourismusverein Neunburg und strich eine für Mitte August geplante Führung durch das Kulzer und Prackendorfer Moos. Doch so dramatisch wie diese Meldung vermuten lässt, ist die Lage dort keineswegs, meint Markus Kurz, Gebietsbetreuer für den Naturpark Oberpfälzer Wald, der erst kürzlich mit einer Gruppe im Moorgebiet unterwegs war.

"Klar merkt man, dass es auch im Moorgebiet heuer trockener ist, gerade in den braunen Torfbereichen ist das deutlich zu sehen", berichtet Kurz. Dort wo der Torfstich demonstriert wird, sei der Wasserstand um etwa einen halben Meter zurückgegangen, Gräben sind oberflächlich abgetrocknet, und auch am Dammweg zeigt sich, dass das Wasser noch immer auf dem Rückzug ist.

Ständig anders

Aber das Moor sei ohnehin immer in einem Zustand ständiger Veränderung. "Man sieht dort nicht alles zu jeder Jahreszeit", gibt der Gebietsbetreuer zu bedenken und erinnert an den Jahrhundert-Sommer 2003, den die Moorbewohner, darunter immerhin etwa 100 Rote-Liste-Arten, auch schon ganz gut weggesteckt haben.

"Es gibt immer wieder Phasen, wo die Pfützen eingetrocknet sind", weiß der Fachmann. Torfmoose könnten sehr wohl eine gewisse Zeit ohne Regen aushalten, sie seien solche Schwankungen gewöhnt. "Bei sechs Monaten könnte es schon mal kritisch werden", überlegt er, "aber es hat ja zwischenzeitlich sogar ein paar Schauer gegeben".

Und ein kleiner Regenguss reiche oft für die Oberflächen. Was darunter liegt, war durch die Frühjahrsniederschläge noch weitgehend wassergesättigt. "So ein naturnahes Ökosystem, das vor zehn- bis zwölftausend Jahren entstanden ist, kann ganz schön was wegstecken", ist Kurz überzeugt und zieht Parallelen zu den weitaus anfälligeren Ökosystemen, die der Mensch geschaffen hat.

So ist ein Moorfrosch eigentlich nur zur Laichzeit aufs Wasser angewiesen. "Auch jetzt wird er sicher noch einen feuchten Bereich finden", beruhigt Kurz und fügt hinzu: " Der ein oder andere hat vielleicht mit Trockenheitsstress zu kämpfen, aber die Population ist dadurch nicht gefährdet." Dazu müsste das Moor schon auf Dauer entwässert werden.

Nicht verhungert

Ähnlich sieht es auch in der Pflanzenwelt aus, wo das Moor beispielsweise mit seltenen Arten wie dem fleischfressenden Sonnentau besticht. "Der Sonnentau ist noch da", gibt Kurz nach einem Rundgang Anfang September Entwarnung. Zwar könne manches Exemplar an exponierter Stelle absterben, die Gesamtheit aber sei nicht gefährdet. Ein Rundgang lohnt also auch bei niedrigem Wasserstand. "So ein Moor ist immer interessant", wirbt der Gebietsbetreuer. "Die Absage einer Führung war wohl weniger der Trockenheit als der Hitze geschuldet."
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