Brigadegeneral Norbert Wagner berichtet über mehrwöchige Reise
Langer Weg zu Frieden in Nahost

Mit einem Präsent bedankten sich stellvertretender SRK-Vorsitzender Karl-Heinz Trägler (links) und Bürgermeister Walter Schauer (rechts) beim Ehepaar Wagner. Bild: dl
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Thanstein
08.08.2016
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Vom permanenten Kriegszustand in Israel bis zur Lage von Millionen Flüchtlingen in Jordanien: General Norbert Wagner hatte auf seiner Nahost-Reise viel erlebt. Die Thansteiner Reservisten wurden aus erster Hand informiert.

Einen Kameradschafts-Infoabend veranstaltete die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Thanstein für Mitglieder und Interessenten. Dabei berichtete Brigadegeneral Norbert Wagner von seiner Nahost-Reise und beantwortete zahlreiche Fragen zum aktuellen Stand der Bundeswehr.

"Schlimmer und komplexer"


Über 30 Personen kamen ins Vereinsheim, um die Ausführungen des Kommandeurs des Ausbildungszentrums Munster zu hören. In kameradschaftlicher Runde berichtete Wagner von seiner mehrwöchigen Nahost-Reise, bei der eine Delegation aus verschiedenen Ressorts des Bundesministeriums die Türkei, Israel, Jordanien und Ägypten besucht hatte. Insgesamt sei die Lage im Nahen-Osten komplexer und schlimmer als vermutet. Zu Beginn erfolgte ein Briefing in Berlin, dabei überraschte die unterschiedliche Einschätzung der Lage in den jeweiligen Ministerien.

In der Türkei erhielt die Delegation Informationen aus den einzelnen Ministerien. Beachtliche Bildungsunterschiede herrschten dort, vor allem die Analphabeten könnten dabei Wahlen beeinflussen. General Wagner verdeutlichte, dass mehrere Staaten die Vormachtstellung im Nahen Osten erreichen wollen. Im Zentrum der verschiedenen Konfliktfelder stehe der ungelöste Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Vor allem habe ihn der permanente Kriegszustand beeindruckt, der in Israel herrsche. Norbert Wagner erzählte vom Tunnelbau, deren Aufklärung und den Gefechten im Gazastreifen.

Ein unabhängiger, demokratischer und lebensfähiger palästinensischer Staat, der Seite an Seite mit Israel lebt, sei vermutlich nur durch lange Verhandlungen zu erreichen, war seine Ansicht. Langfristiges Ziel sei eine umfassende israelisch-arabische Friedenslösung, die auch andere Konfliktfelder im Nahen Osten einbezieht. Aufschlussreich waren die Informationen über die zwei Millionen Flüchtlinge, die in Jordanien leben. Die meisten würden dort in den untersten Schichten "am Leben erhalten". Einen relativ guten Lebensstandard besäßen jene Flüchtlinge im "Luxuscamp" der Vereinten Nationen (UN), das in der Wüste besucht wurde. Ausgestattet mit Schulen, Krankenhäusern und Einkaufsshops gehe es den Flüchtlingen teilweise besser als der einheimischen Bevölkerung. Mit wenig Geld könne dort viel erreicht werden und die Geflohenen seien in der Nähe ihrer Heimat, in die sie zurück wollen.

Informationen koppeln


Zusammenfassend stellte General Wagner fest, dass das Lagebild Deutschlands nicht das gleiche wie in den Botschaften der besuchten Länder sei. Er hoffte, dass zukünftig die Ministerien ihre Informationen besser koppeln und mit einer gemeinsamen Sprache sprechen.

In der Diskussion waren der Putschversuch in der Türkei, Rüstungsbeschaffungen und Waffenlieferung sowie der Einsatz der Bundeswehr im Inneren zur Terrorabwehr weitere Themen. Es sollten wieder die ursprünglichen Aufgaben der Bundeswehr in den Vorrang rücken, trotz der "vielen Baustellen", die auf dem Militär lasten, so Wagner. Bürgermeister Walter Schauer dankte für die ausführlichen Informationen. Der stellvertretende SRK-Vorsitzende Karl-Heinz Trägler freute sich, einen so hochrangigen Offizier als Mitglied in den eigenen Reihen zu haben.
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