Landwirte wettern gegen Preisverfall
Selbst den Rahm abschöpfen

Der BBV-Ortsvorstand von Kulz setzt sich zusammen aus (von links) Bernhard Kramer (Beisitzer), Michael Weigl (Ortsobmann), Alfred Bauer (stellvertretender Kreisobmann), Johann Kramer (stellvertretender Obmann), Alfons Krämer und Michael Brand (beide Beisitzer). Bilder: frd (3)
Vermischtes
Thanstein
07.11.2016
7
0
 
Den BBV-Ortsvorstand von Thanstein bilden künftig Michael Kloner (vorne links) und sein Stellvertreter Josef Reitinger (rechts). Im Hintergrund von links Erhard Ferstl (Beisitzer), BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann und Franz Mühlbauer (Beisitzer).

Ständig neue Gesetze: Das macht Landwirten oft mehr zu schaffen als Unkraut oder Hagel. Der Bayerische Bauernverband (BBV) will da Sprachrohr sein, doch nicht überall finden sich Obmänner, um vor Ort als Mittler zu fungieren.

-Kulz. Als Eigentümer oder Pächter von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben oder Grundstücken müssen sich die Landwirte immer wieder mit neuen Regelungen und Vorschriften befassen. Für die drei Ortsverbände Kulz, Bach/Dieterskirchen/Prackendorf und Thanstein hatte deshalb der BBV in den "Krämerhof" in Kulz zu einer Informationsveranstaltung mit Wahl der Ortsvorstände eingeladen.

Der stellvertretende Kreis-Obmann Alfred Bauer wies darauf hin, dass es für jeden Landwirt enorm wichtig ist, sich vor der Hofübergabe oder einer Vererbung kundig zu machen. Es gehe darum, Nachteile und "Nachwehen" finanzieller Art zu vermeiden. Das vergangene Jahr sei für die Landwirte vor allem wegen der Preisgestaltung bei Milch, Fleisch und Getreide ein nicht gerade wirtschaftlich sehr ertragreiches Jahr gewesen. Nun bestehe die Hoffnung, dass alles ein wenig besser wird: Im Vorjahr war der Butterpreis für 250 Gramm mit teilweise 79 Cent im Keller, jetzt werde dafür bis zu 1,40 Euro verlangt. Beim Milcherzeuger kämen dabei aber lediglich ein bis zwei Cent mehr an. Dieser "Rahmabschöpfung" durch Handel und Gewerbe müsse begegnet werden. Jedem landwirtschaftlichen Betrieb habe der erreichte Bundeszuschuss zur Betriebsgenossenschafts-Abgabe gut getan, was auch ein Verdienst des BBV sei. Dennoch müsse weiterhin versucht werden, die Politik ins Boot der Landwirtschaft zu holen, damit die Zukunft der Landwirte nicht gefährdet sei.

Keine Planungssicherheit


BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann stellte fest, dass sich die Landwirte immer wieder fragen müssen, "wo in Zukunft ihr Betrieb bleibt". Die Medien würden nicht immer objektiv über die Belange der Landwirtschaft informieren, die Politik stelle sich zu wenig vor die "ordnungsgemäße Landwirtschaft", und die Landwirte müssten um Kostendeckung ringen. Dazu komme die Unsicherheit bei künftigen Rahmenbedingungen durch immer neue Gesetzesregelungen. Wittmann beklagte angesichts internationaler Wirtschafts- und Preis-Krisen eine seit Jahren anhaltende "Sondersituation", in es keinerlei Planungssicherheit mehr gebe.

Forderungen des BBV würden nur schleppend oder gar nicht bearbeitet, klagte Wittmann und verwies auf ein Programm zur Existenzsicherung für bäuerliche Familienbetriebe, eine Beitragsentlastung bei der Sozialversicherung, ein gefordertes steuerliches Entlastungspaket, Kompensation für Nachteile durch das Russland-Embargo, wirksame Initiativen zur Absatzförderung und viele weitere Anträge.

Auf Fachleute vertrauen


Wittmann ging außerdem auf die Ausbildung der Landwirte ein und thematisierte Faktoren wie Heirat, Hofübergabe, Betriebserweiterung, Unfall, Krankheit, Ruhestand und den Einsatz von Arbeitskräften. Er empfahl, sich in diesen Bereichen rechtzeitig von Fachleuten des BBV beraten zu lassen. Falsch ausgefüllte Anträge oder Formulare könnten verheerende finanzielle Wirkungen haben.

Seine weiteren Themen waren das Kommunalabgabe-Recht, das Straßenverkehrsrecht im Bezug auf landwirtschaftliche Fahrzeuge, das Grundstücksverkehrsgesetz und Änderungen bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Auch hier könne der BBV helfen, Nachteile zu vermeiden. Schon deshalb seien die Landwirte beim BBV gut aufgehoben. Trotz dieses Plädoyers konnte allerdings für den Bereich Bach/Dieterskirchen/Prackendorf kein Ortsvorstand gebildet werden (siehe Info-Kasten).

NeuwahlenIn den BBV-Ortsvorständen Kulz, Bach/Dieterskirchen/Prackendorf und Thanstein stand die Wahl der Obmänner für die kommenden fünf Jahre an. Ihr Job ist es, den Kontakt zwischen den Landwirten und dem BBV-Kreisverband zu halten und Informationen weiterzugeben. Da sich beim BBV-Ortsverband Bach/Dieterskirchen/Prackendorf kein BBV-Mitglied zur Wahl zur Verfügung stellte, musste diese Wahl entfallen. Beim Ortsverband Kulz bleibt Michael Weigl weiterhin Ortsobmann, er wird von Johann Kramer vertreten. Die Beisitzer sind Alfons Krämer, Bernhard Kramer und Michael Brand. Ortsobmann beim Ortsverband Thanstein ist für die nächsten fünf Jahre Michael Kloner, der von Josef Reitinger vertreten wird. Besitzer sind Erhard Ferstl und Franz Mühlbauer. (frd)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.