Martin Eichner schildert Erfahrungen mit Drill und Disziplin in Mali
Eine Frage der Motivation

Sein Einsatz in Mali führte Oberstabsfeldwebel Martin Eichner auch in unwegsames Gelände. Details enthüllte er bei einem Vortrag vor den Thansteiner Reservisten. Bild: dl
Vermischtes
Thanstein
04.11.2016
66
0
 
"So mancher Dienstgrad verzweifelte an der Konzentration und dem fehlenden Willen der Teilnehmer." Zitat: Oberstabsfeldwebel Martin Eichner

Drill und Disziplin sind gar nicht so einfach zu exportieren. Diese Erfahrung hat ein Soldat des Pfreimder Panzerbataillons 104 in Mali gemacht. Bei der Thansteiner Soldaten- und Reservistenkameradschaft plauderte er aus dem Nähkästchen.

Einen Informationsabend dazu veranstaltete die Soldaten- und Reservistenkameradschaft für Mitglieder und Interessierte. In zwangloser Runde berichtete Oberstabsfeldwebel Martin Eichner von seinen aufschlussreichen Erlebnissen in der Republik Mali in Afrika. Vorsitzender Ulrich Knoch stellte den Berufssoldaten aus Schwarzenfeld vor, der im Panzerbataillon 104 Kompaniefeldwebel ist.

Über 20 Personen lauschten im Vereinsheim gespannt den Ausführungen des in Pfreimd stationierten Soldaten. Eichner war bereits in Afghanistan, im Kosovo und Bosnien im Einsatz. Mali sollte der letzte Auslandseinsatz für ihn sein. Von Mai 2015 bis Januar 2016 war es sein Job, die European Training Mission in Mali (EUTM Mali) in Koulikoro zu unterstützen. Diese Bezirkshauptstadt befindet sich rund 60 Kilometer nördlich von Bamako. 27 Nationen mit 800 EU-Soldaten sowie 20 UN-Beobachter waren im malischen Camp untergebracht, berichtete Eichner.

Schwere Krise


Das Land befindet sich seit 2012 in einer schweren Krise. Im Februar 2013 mandatierte der Deutsche Bundestag erstmals die Entsendung deutscher Soldaten zur Unterstützung der EUTM. "Ziel ist es, dort die malischen Streitkräfte auszubilden, bis diese wieder eigenständig für Stabilität in ihrem Land sorgen können", informierte Eichner. Mittlerweile wurde das Mandat bis Mai 2017 mit einer Absenkung der Obergrenze auf 300 Soldaten und der Ausweitung des Missionsgebietes in den Norden bis zum Nigerbogen, einschließlich der Ortschaften Gao und Timbuktu, verlängert. Die Regierungsform ist eine Präsidialdemokratie nach französischem Vorbild, da es eine ehemalige französische Kolonie war.

Kampf mit Klima


Nach der Vorausbildung in Hammelburg landete der Soldat nach sechs Stunden Flug im 4800 Kilometer entfernten Einsatzgebiet. Neben der Ausbildung der malischen Armee hatte das Kontingent unter Eigensicherung die Versorgung und den Transport von Personal zum Flughafen sicher zu stellen. Dabei machte den Soldaten auch das Klima zu schaffen: Im Süden ist es überwiegend feucht-heiß, in der Wüste und im Norden ist es dagegen trocken - falls nicht Regenzeit ist.

Mit vielen Bildern vermittelte Eichner vor allem einen Eindruck von der Kultur des Landes und vom Lagerleben der Soldaten. Die auszubildenden Soldaten waren im malischen Camp mit Holz-Gewehren ausgerüstet und lebten "einen variablen Tagesablauf, der die ernste Absicht der Ausbildung erschwerte".

Zum Verzweifeln


Ausgestattet mit bester Ausrüstung hatten es die Ausbilder schwer, den wenig motivierten Einheimischen die militärisch notwendigen Grundbegriffe beizubringen. "So mancher Dienstgrad verzweifelte an der Konzentration und dem fehlenden Willen der Teilnehmer", meinte Eichner.

Seine Bilanz: Er freue sich, dass alle Soldaten wieder gesund nach Hause gekommen sind, bedauere aber, dass die gut gemachte Arbeit an den Umständen, der Lebenseinstellung und Mentalität mehrfach scheiterte. Bürgermeister Walter Schauer dankte für die aufschlussreichen Einblicke in eine ganz andere Welt.

So mancher Dienstgrad verzweifelte an der Konzentration und dem fehlenden Willen der Teilnehmer.Oberstabsfeldwebel Martin Eichner
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.