Viel „Bauland“ im Ortskern

Die Zuhörer beim vierten Themenabend folgten den Rednern aufmerksam. Bild: mnt
Vermischtes
Thanstein
28.10.2016
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Der Vitalitätscheck und der denkmalpflegerische Erhebungsbogen standen im Mittelpunkt des Themenabends zur Dorferneuerung in Thanstein. Positive und negative Aspekte wurden vorgestellt und diskutiert sowie Optionen zur "Idealvorstellung Eigenheim" aufgezeigt.

Bürgermeister Walter Schauer eröffnete den vierten Themenabend zur Dorferneuerung der Gemeinde Thanstein im Café Wintergarten. Diesmal stand die Vorstellung des Vitalitätscheck 2.0, sowie des denkmalpflegerischen Erhebungsbogens im Mittelpunkt. Beide Maßnahmen wurden zu Beginn der Dorferneuerung beauftragt, um die Ist-Situation des Gemeindegebiets darzustellen. Die Kosten werden größtenteils durch das Amt für Ländliche Entwicklung gefördert.

Lücken analysieren


Baurat Martin Stahr vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz erläuterte die Bedeutung dieser beiden Untersuchungen und erklärte: "Man darf neben allen baulichen Maßnahmen den Aspekt Mensch nicht aus den Augen verlieren." Mit Dr. Sabine Hafner (Vitalitätscheck 2.0) und Robert Giersch (Erhebungsbogen) hatten sich die beiden Hauptverantwortlichen bereit erklärt, ihre Ergebnisse vorzustellen. Hafner erläuterte zunächst die Hintergründe ihrer Arbeit und verwies auf den zunehmenden demografischen Wandel und einer Veränderung der Sozialstruktur, vor allem im ländlichen Gebiet.

"Auch die Wirtschaftsstruktur ist heutzutage eine ganz andere. Das beste Beispiel hierfür ist der starke Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe", so die Diplom-Geographin. Die Methodik ihrer Untersuchungen untergliederte die Prüfung der Daseinsvorsorge, Innenentwicklungspotentiale wie Baulücken oder Leerstände offenzulegen und vorhandene Siedlungsstrukturen zu analysieren.

Große Hofstellen


Nach und nach kamen diesbezüglich die Ergebnisse für die Ortsteile Thanstein, Hebersdorf, Kulz, Berg, Dautersdorf und Jedesbach zum Vorschein. Nahezu überall sind, auch im Ortskern, sogenannte Hofstellen mit Restnutzung zu finden. Das heißt, Landwirte, die ihre Gebäude mittlerweile anderweitig in Nutzung haben und dennoch damit große Flächen beanspruchen. Leerstände seien ebenfalls vielerorts vorhanden, die Expertin sieht hier jedoch vergleichsweise zu anderen Gemeinden noch keine allzu großen Probleme. Dennoch solle man frühzeitig entgegenwirken und vorhandene Innenpotenziale nutzen und keine weiteren Baugebiete ausweisen, um den Ortskern zu stärken.

Der Einwand aus dem Publikum, dass Verhandlungen sich hierbei jedoch oft schwierig gestalten, sorgte für eine rege Diskussion. Jedoch war man sich schnell einig, dass mit einer weiteren Ausweitung der Ortsteile die Lebensqualität und das Gemeinschaftsgefühl verloren ginge. Die Prognose für die nächsten zehn Jahre, mit dem zu erwartenden Bevölkerungsrückgang, untermauerte noch einmal die Fixierung auf vorhandenes Innenentwicklungs-Potenzial. Positive Befunde waren beispielsweise, dass die Gemeinde ein gutes Angebot an Vereinen und Gastronomie hat.

Nachnutzung Schule


"Vor allem aber der Breitbandausbau gilt für viele Familien und Firmen als der Standortfaktor schlechthin ", so die Geographin. Negative Aspekte sind die mangelhafte Busanbindung, oder aber das fehlende Angebot an Mietwohnungen. Verschiedene kleine Ziele sollten im Rahmen der Dorferneuerung berücksichtigt werden. Priorität sollten dabei die Nachfolgenutzung der alten Grundschule, die Gestaltung einer neuen Ortsmitte, sowie die Stärkung des Ortskerns haben. Auch die Bewusstseinsbildung - weg von der "Idealvorstellung Eigenheim" und hin zu neuen Wohnformen - müsse in Zukunft erfolgen.

Im zweiten Teil des Abends wurde der denkmalpflegerische Erhebungsbogen durch Robert Giersch vorgestellt (siehe Artikel unten).

Abstimmung über KonzepteRückblickend auf die vergangenen Themenabende verwies Baurat Martin Stahr noch einmal auf die laufende Abstimmung für die verschiedenen Konzepte des neuen Dorfplatzes, die in der Aula der Grundschule aushängen.

Ein Vorschlag aus den Reihen der Zuhörer, diese einmal nach dem Gottesdienst zu öffnen, soll im November umgesetzt werden. Schauer stellte klar: "Noch kann jeder mitwirken. Bauliche Maßnahmen werden ohnehin erst in zwei bis drei Jahren erfolgen können." Jedoch sei die jetzige Planungsphase bereits mitentscheidend. Auch auf die mögliche Förderung für Privatmaßnahmen, die bei ortsbildprägenden Gebäuden bis zu 60 Prozent betragen können, sei noch einmal verwiesen.

Der nächste Termin zur Dorferneuerung ist am 24. November um 19 Uhr im Gasthaus Träxler. Hier soll gemeinsam mit möglichst vielen Bürgern ein Konzept für die Neugestaltung des Kirchplatzes und rund um das alte Schulhaus erstellt werden. (mnt)
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