Heimatwart findet in ehemaliger Bibliothek des Schlosses Neidstein Unterlagen über Geschichte ...
Hollywood und Zickenkrieg beim Kurfürst

Seit 25 Jahren bringt Kultur- und Heimatwart Franz-Josef Lang aus Irchenrieth lange verschollene Geschichten aus der Heimat ans Tageslicht. Bild: hch
Lokales
Theisseil
07.03.2015
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Mucksmäuschen-Still war es in der Jahreshauptversammlung des OWV Theisseil-Muglhof, als Kultur- und Heimatwart Franz-Josef Lang die Mitglieder rätseln ließ. "Was für eine Verbindung besteht zwischen Oskar-Preisträger Nicolas Cage und dem einstigen Mugelhofer Schloss?", lautete seine Frage.

Lang lieferte dann auch gleich die Auflösung. "Der Hollywood-Schauspieler erwarb 2004 im Landkreis Amberg-Sulzbach das Schloss Neidstein samt Inventar und Bibliothek. Als er die renovierungsbedürftige Immobilie räumen ließ, kam die wertvolle Schlossbibliothek unter den Hammer. Das Archiv der ehemaligen Besitzer von Brand zu Neidstein kam ins Amberger Staatsarchiv."

Die Bücher waren durch Mäusefraß, Nässeschäden, Einlagerung von Stroh, Samen, Blättern und Blüten schlecht lesbar. Ein Teil von ihnen war 1796 sogar verbaut worden. Dennoch begann Lang zu recherchieren und wurde fündig. "Hier sind die früheren Bewohner vom verschwundenen Schloss Muglhof aktenkundig." Muglhof wurde 1043 erstmals urkundlich erwähnt und ist einer der ältesten Orte in der nördlichen Oberpfalz.

Das adelige Gut Muglhof errichtete Willibald von Brand um 1570. Urkunden von 1710 bis 1810 belegen Erbstreitigkeiten zwischen der Witwe von Georg Christoph Ferdinand von Räsewitz, dem berühmtesten Bürger von Muglhof, der 1720 starb und ihren Töchtern. Lang: "Das war ein echter Zickenkrieg. Sogar den Kurfürsten Maximilian III. Josef haben sie wegen ihrer Besitzansprüche auf Holz, Stroh, Grummet und Erdäpfel angeschrieben."

Im standardmäßigen Ablauf der Zusammenkunft berichtete Jugendwart Michael Ertl, dass die Ferienwanderung mit der Siedlergemeinschaft Theisseil ein voller Erfolg gewesen sei. "27 Kinder und 10 Erwachsene interessierten sich für Wildtiere und Vögel, die Ziegelherstellung und Jagdtrophäen." Zu Ostern führte Wanderwartin Luise Pleyer die Kleinen zum "Heinrichsblick". Im Herbst blickte die Gruppe von der Himmelsleiter auf die Tirschenreuther Teichpfanne.

An Weihnachten unterstützten die Kinder- und Jugendbeauftragten eine Fütterungsaktion im Wald. 22 Kinder und 14 Erwachsene schmückten eigens für die Tiere einen Baum. Bei Matzlesrieth hängte Vogelschutzwart Kurt Pleyer drei Vogel- und zwei Fledermauskästen auf. "Den Vögeln gelang nicht jedes Brutgeschäft. Im Rotschwanz-Brutkasten saßen zwei Mäuse. Neben den Federresten einer Blaumeise fanden wir 7 Eier. Darauf war aus Hundehaaren ein weiteres Nest gebaut, eventuell von einer Schnäpperart."

Besser klappte es bei den Fledermäusen. Eine mittelgroße Art habe die Quartiere für den Sommer angenommen. Die Revisoren Ernst Greiner und Herbert Sammel befürworteten, dass Schatzmeister Heribert Schiller 500 Euro für den Erhalt der Silberhütte überwies.

Über den regen Zulauf bei den Aktivitäten für Kinder war auch Bürgermeisterin Marianne Rauh erfreut: "Es ist wichtig, dem Nachwuchs einen Grundstock für die Liebe zur Natur zu vermitteln." Vorsitzender Hans Balk und Stellvertreter Heribert Döppel würdigten das hohe Engagement des kürzlich verstorbenen Landschafts- und Naturschutzwarts Josef Lindner.
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