Kanal ist nicht ganz dicht

Das Bild der "fehlenden Scherbe" im Scheitel des Steinzeugrohrs wirkt wie moderne Kunst. Es zeigt eine der zahlreichen Schäden, die Gunther König (von links) bei der Kamerabefahrung der Kanalisation gefunden hat. Seine Ergebnisse stellte er auch Matthias Kneidl und Teresa Breuer vor. Bild: hch
Lokales
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16.10.2015
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Ein großes Durcheinander filmten Experten im Untergrund von Letzau und Wilchenreuth. Nun steht viel Arbeit an.

In den beiden Orten stehen Straßensanierungen an. Bürgermeisterin Marianne Rauh ließ im Vorfeld die Kanalisation mit einer Kamera überprüfen. "Der Mischwasserkanal in Wilchenreuth ist statisch in Ordnung, zeigt aber technisch einige Mängel auf", urteilte Diplom-Ingenieur Gunther König.

Zahlreiche Schadensbilder begutachtete er mit dem Gremium im Beisein von Bauoberrätin Teresa Breuer (Amt für ländliche Entwicklung in Tirschenreuth) und dem Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Neustadt, Matthias Kneidl. Man sah Scherbenbildungen, Risse, Brüche, Abplatzungen, zugeschüttete Leitungen und provisorisch mit Folie abgedichtete Anschlüsse.

An Steinzeugrohren könne man mangelhafte Anschlüsse nur mit Sonderrohrstücken und Edelstahlmanschetten dicht bekommen. Allerdings sei eine 100-prozentige Dichtheitsgarantie für den gesamten Kanal nicht möglich.

Ins Auge stachen 30 unsachgerechte Anschlüsse und diverse Eintritte von Fremdwasser beispielsweise aus Drainagen oder Quellen. Weil das mit abgepumpt werden müsse, entstünde ein doppelter Pumpaufwand, der die Hydraulik übermäßig stark beanspruche.

In Letzau liegen die Betonkanäle derzeit nur in geringer Tiefe, so dass sie schon beim Straßenbau beschädigt würden. Die Position des Kanals von der Hochstraße entlang des Sonnenhangs ist mangels Aufzeichnungen unklar und verläuft eventuell auf Privatgrundstücken.

In der Hochstraße hat König immer wieder unsachgemäße Verbindungen zwischen dem alten Kanal und dem neuen Mischwasserkanal festgestellt. Das heißt, Abwasser kann sich zurückstauen und über den undichten Regenwasserkanal ins Erdreich gelangen. Umgekehrt dringt so auch das unerwünschte Fremdwasser ins System ein. "Misch- und Schmutzwasserkanäle müssen absolut dicht sein", betonte Breuer.

Wasser vom Hang sollte man vorher ableiten, damit es gar nicht in den Mischwasserkanal fließt, empfahl der Experte. Zusammen mit der Straßenentwässerung sollte es separat von diesem Abwasserkanal abgeleitet werden und die Kläranlage nicht belasten.

Zum neuen Oberflächenkanal in Letzau gebe es nach Breuers Meinung keine Alternative. Es gehe hier nicht um Starkregenereignisse, sondern um das Ableiten der normalen Regengüsse. Ein großes Problem bestehe unter der Einmündung von der Geistl.-Rat-Hösl-Straße zur Hölltaler Straße in Richtung Kirchenstraße. Der Kanal ist in diesem Bereich zusammengebrochen. In Kürze erfolgen die Kostenschätzung vom Ingenieurbüro König, die Rücksprache mit dem Wasserwirtschaftsamt und ein Vor-Ort-Termin mit einigen Bürgern in Wilchenreuth, um weitere Leitungsverläufe ausfindig zu machen.
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