Auf Holz gebaut: Die Kinderkrippe in Letzau lockt mit purer Form
Ein Baumhaus auf dem Boden

Bürgermeisterin Marianne Rauh (von links), Kindergartenleiterin Stefanie Peschla und Architekt Markus Götz sind begeistert von der Kinderkrippe „Baumhaus“. (Foto: Sandra Schmidt)
Vermischtes
Theisseil
09.11.2016
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Innen und außen aus Holz gebaut: Auch die verschieden großen Fensteröffnungen greifen das Thema „Baumhaus“ auf. (Foto: Sandra Schmidt)
(Sandra Schmidt)

Es duftet nach Holz. Es ist kuschelig und trotzdem großzügig bemessen. Der Blick kann frei in die Ferne schweifen. „Baumhaus“ heißt die Krippe des Johanniter-Kindergartens „Löwenzahn“ in Letzau (Landkreis Neustadt/WN) nicht von ungefähr. Natürlich thront das Haus nicht in einem Baumwipfel. Und es bleibt auch sonst ganz real auf dem Boden. Denn so schlicht-schön das Gebäude anzusehen ist, ist es doch ganz praktisch und funktionell. Das schätzen nicht nur Kindergartenleiterin Stefanie Peschla und ihr Team, sondern auch die Kinder.

Ausgedacht hat sich das der junge Architekt Markus Götz, der selbst in der Gemeinde Theisseil aufgewachsen ist. Er zögerte deshalb nicht lange, als ihn Bürgermeisterin Marianne Rauh bat, den Anbau zu entwerfen. 2015 wurde die Krippe eingeweiht, nach rund einem Jahr Planung und Bauzeit.

Das „Baumhaus“ schließt durch einen Gang direkt an die Räume des Kindergartens an. Ganz bewusst, denn die Krippen- und die Kindergarten-Kinder sollen miteinander spielen und voneinander lernen. „Klein ankommen, groß rauskommen“, erklärt Stefanie Peschla das einfache Konzept.

Bunt und turbulent geht es nur in den Gruppenräumen zu. „Die neutrale Form mit Flachdach bringt Ruhe in das Ensemble aus den versetzten Pultdächern des Kindergartens und des Satteldachs des benachbarten Gemeindehauses“, erklärt der Architekt seine Idee. „Das Gebäude soll an ein Baumhaus erinnern. Die Holzkonstruktion, die frei verteilten Fensteröffnungen in unterschiedlichen Größen und die zum Teil gröberen Oberflächen aus sägerauem Holz verdeutlichen das.“

Die Holzfassade ist in einem hellen Ton lasiert. Die unterschiedlichen Breiten der senkrechten Latten schaffen eine interessante Optik. Auch die Innenräume sind komplett mit Holz gestaltet. „Das ist alles Schreinerarbeit“, schwärmt Götz. „Hier wurde nichts aus dem Katalog bestellt.“ Nur natürliche und gesunde Baustoffe seien verbaut worden. Integrierte Schränke zaubern viel Stauraum.

„Das Holz schafft eine wohlige, warme Atmosphäre“, so Götz. Gewärmt wird das Gebäude mit einer Fußbodenheizung. Eine Lüftungsanlage gibt es nicht, der Luftaustausch erfolgt über ein Fenster im Dach. Gruppen- und Mehrzweckraum sind nach Süden ausgerichtet, die Fenster mehr Schaufenster. „Jedes ist so gesetzt, dass Blickachsen entstehen und ein Bezug zum Ort aufgebaut wird“, erklärt der Architekt. So können die Kinder zum Beispiel sehen, wenn im angrenzenden Gemeindehaus die Blaskapelle probt und sind damit Teil der Dorfgemeinschaft. Ein wichtiger Aspekt auch für Bürgermeisterin Marianne Rauh. „Sie werden dort betreut, wo sie daheim sind.“

Ein anderes Fenster lässt den Blick über eine Wiese bis zur Kirche schweifen. Ein paar Obstbäumchen sind hier gerade angepflanzt worden. Die Fensterbänke sind auf Kinderhöhe, der Sonnenschutz kann im unteren Bereich nach vorne weggeklappt werden, so dass immer beste Aussichten auf die Welt draußen gewährt sind. So wird auch das Wetter spannend. „Wenn es regnet, stehen die Kinder auf der Fensterbank und gucken nach draußen“, schmunzelt Kindergartenleiterin Stefanie Peschla. Und wenn das Wetter gut ist, bietet ein Spielhof genug Platz zum Toben.

Außen und innen wirkt das Gebäude wie aus einem Guss. Markus Götz versteckte zum Beispiel auch die Außentüren in der Konstruktion und machte sie auf die Distanz unsichtbar. Auch Technik wie der Sonnenschutz wurde weitestgehend verborgen. „Die wesentlichen Dinge sollen wirken: Material, Oberfläche, Licht und Ort.“ In den Innenräumen gibt es neben dem natürlichen Holzton übrigens nur eine einzige weitere – geplante – Farbe: Grün. „Bunt wird es von selber. Durch die Kinder und ihre Kunstwerke.“

Investition in die Zukunft der GemeindeDie gemeindeeigene Kindertagesstätte „Löwenzahn“ in Letzau wurde im September 2008 eröffnet. Mit dem Kindergartenjahr 2010/2011 übernahmen die Johanniter die Betriebsträgerschaft. Im Mai 2015 wurde die Kinderkrippe „Baumhaus“ eingeweiht. Drei Kinder wurden anfangs betreut, für zwölf Kinder wurde sie ausgelegt.

Inzwischen wurde auf 15 Kinder erweitert. „Die Krippe zieht“, freut sich Kindergartenleiterin Stefanie Peschla. Als eine „Investition in die Zukunft der Gemeinde“ sieht Bürgermeisterin Marianne Rauh die Krippe. Die Gemeinde stand vor der Frage, ob ein Ausbau überhaupt notwendig ist – und entschied sich dafür. Schließlich wächst sie auch durch die Ausweisung neuer Baugebiete. Die Bürgermeisterin war von Anfang an überzeugt von der Idee des Architekten Markus Götz: „Die Krippe ist wirklich gelungen. Ich bin so froh, dass sie so gut angenommen wird.“
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