Barrierefreies Leben in der Oberpfalz


Viele von uns können sich noch sehr gut an die Wetten-dass-Sendung aus dem Jahre 2010 erinnern, während der Samuel Koch verunglückte. Die ganze Nation sah betroffen zu. Koch ist seitdem gelähmt. Sein Leben veränderte sich von einen auf den anderen Tag. Dieses Beispiel macht deutlich: Ein gesunder Körper ist ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit. Und: Jeder kann urplötzlich an den Rollstuhl gefesselt oder anderweitig behindert sein.

„Barrierefreiheit“ kommt als etwas sperrige Wortschöpfung daher, als sprachliches Ungetüm, Bürokratendeutsch. Sie kann aber für uns alle unerwartet zum Thema werden. Bei Baumaßnahmen – privat oder im öffentlichen Raum - auf Barrierefreiheit zu achten, ist daher kein bloßer Akt der Solidarität mit anderen Menschen, sondern kann der eigenen Daseinsvorsorge dienen. Nicht nur wegen der Folgen eines möglichen Unfalls oder einer Erkrankung, sondern vielmehr auch aufgrund der Tatsache, dass wir immer älter werden. Der demografische Wandel ist zwar seit Jahren in aller Munde, scheint aber totgeredet. Gerade auch deswegen darf man nicht müde werden, jüngere Generationen immer wieder daran zu erinnern: Ihr werdet vermutlich älter als alle zuvor!

Obwohl die Menschen heute oft auch bis ins höhere Alter fit bleiben, gilt doch: Je älter unsere Gesellschaft wird, umso größer wird die Notwendigkeit eine barrierefreie Umgebung zu schaffen. Barrierefreiheit wird zum Muss bei Neubau und Modernisierung, im öffentlichen Raum, im Verkehr. Dienstleister, die hier mit hoher Kompetenz und großem Engagement Hilfestellung bieten können, gibt es auch in der Oberpfalz in allen Bereichen, wie diese Beilage einmal mehr eindrucksvoll belegt.

Barrierefreiheit hat aber nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Dimension. Menschen mit Behinderungen oder altersbedingten Einschränkungen dürfen nicht vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt werden. Sie gehören dazu. Berührungsängste und Vorurteile sind nicht zeitgemäß und verletzen den Einzelnen, da wo es am meisten wehtut: in der Seele.

Gesunde Menschen und Menschen mit Handicap zusammenzuführen gelingt zum Beispiel der „Selbsthilfegruppe Behinderte und Nichtbehinderte für den Landkreis Tirschenreuth e.V.“. Auf den Seiten 4 und 5 dieses Magazins erklärt deren Vorsitzende, Martina Sötje, wie sich Menschen mit und ohne Behinderung näher kommen können. Der Verein wurde bereits mit mehreren Inklusionspreisen bedacht und zeigt, dass Offenheit und Herzlichkeit Vorurteile, mentale Schranken und Barrieren, beseitigen können. Barrierefreiheit ist also kein Wortungetüm, Barrierefreiheit ist ein Anspruch an unsere Gesellschaft, eine Aufgabe, die wir gemeinsam bewältigen können. Nur gemeinsam.