Hagelschaden vor 300 Jahren führt zu örtlichem Feiertag
„Donnerwetter“ nicht vergessen

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Tiefenbach
08.07.2016
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Der 9. Juli ist ein schicksalhafter Tag: In der Gegend um Tiefenbach und Winklarn zieht ein Gewitter auf - mit Hagel im Schlepptau. Die gesamte Getreideernte wird vernichtet. Über 300 Jahre ist das jetzt her, aber es gibt einen Grund, warum dieser Vorfall nicht vergessen ist.

Tiefenbach/Winklarn. Die Ortschaft Tiefenbach hat sich wegen dieses lange zurückliegenden Gewitters einen örtlichen Feiertag bewahrt. Die Gründe dafür offenbart das Gemeindearchiv. Ein Dokument aus dem Jahre 1710 berichtet über jenen schicksalshaften Tag am 9. Juli 1710. Und genau am gleichen Tag des darauf folgenden Jahres 1711 passierte es erneut: Wie aus der Aufzeichnung hervorgeht, traf die Gemeinde an diesem Tag ein "Hochgewitter mit Schauern und Hagel". Dabei wurden Winter- und Sommergetreide wie auch die anderen Früchte "gänzlich in den Erdboden geschlagen". Diese Daten sowie auch die Schäden wurden auch vom Landrichteramt Neunburg, dem Tiefenbach damals zugehörte, bestätigt. Diese enormen Schäden führten dazu, dass sogar die kurfürstliche Regierungskanzlei in Amberg im Jahre 1710 das Landrichteramt Neunburg angewiesen hat, in Tiefenbach keine Soldaten einzuquartieren. Auch wurde den Bewohnern in den nachfolgenden Jahren Steuernachlass gewährt, was den damaligen immensen Schaden bestätigt.

Ein Versprechen


Offensichtlich entstand nach dem "zweijährigen Hagelschlag" der örtliche Gelöbnistag am 9. Juli. Weil im damaligen Heiligenkalender an diesem Datum der heilige Cyrillus eingetragen war, wurde an dessen Namenstag dieser örtliche Feiertag abgehalten. Mit größter Wahrscheinlichkeit wurde der Feiertag bereits 1711 begangen, denn im Steuerbuch von 1846 heißt es: Die Pfarrgemeinde Tiefenbach hat den Tag St. Cyrilli als einen Feier- und Festtag schon vor 135 Jahren gelobt, weil es an diesem Tag zweimal das Getreide geschlagen hat. Auch über den Ablauf und die Ausrichtung der Feierlichkeit an diesem Gelöbnistag sind interessante Aufzeichnungen vorhanden. So wurden von 1711 bis 1821 die Aufwendungen für den örtlichen Feiertag von der Hofmarksherrschaft und der Pfarrgemeinde bestritten. Noch für das Jahr 1819 liegt im Gemeindearchiv eine Sammelliste vor, in der die einzelnen Namen der Tiefenbacher aufgeführt werden, die für das Cyrilli-Amt spendeten. Auch von den damaligen Herrschaftsinhaber, den von Reisachs, wurde ein entsprechender Beitrag geleistet. Die Unterlagen weisen nach, dass die Bezahlung des Amtes am Cyrilli-Tag seit jeher durch die Gemeinde erfolgt. Die Belege dafür liegen seit 1821, also seit knapp 200 Jahren, lückenlos vor.

In dem Dokument von 1711 ist "nur" von den Katastrophen in Tiefenbach, Schneeberg, Hoffeld, Heinrichskirchen, Irlach und Haag die Rede. Breitenried ist wohl deshalb hier nicht genannt, weil es anders als Tiefenbach zum Pflegamt Waldmünchen gehörte. Und aus dem Jahr 1846 ist noch ein Vorfall belegt. Damals wurden in Tiefenbach das Dach und der Außenputz des Kirchturmes erneuert. Bei diesen Arbeiten waren auswärtige Handwerker tätig, die am 9. Juli in Tiefenbach ihrer Arbeit nachgingen. Genau sechs Tage später am 15. Juli 1846, "kam ein Donnerwetter, schlug in der Kirche (der Blitz) ein. Auch am Turm schlug es ein und vernichtete alle Arbeit gänzlich, die seit 8 Tagen gearbeitet" worden war. Der Gemeindeschreiber zitiert weiter: "Es ist wirklich ein Fingerzeig Gottes und ich rate allen Nachkömmlingen, diesen Tag streng zu feiern".

Feiertag verlegt


Als Dekan Wolfgang Daiminger im Jahre 1959 den Cyrilli-Tag vom 9. auf den 7. Juli verlegte, war dies wohl damit zu erklären, dass das Fest des heiligen Cyrillus mit dem von Methodius im damaligen Heiligenkalender zusammenfiel. Die Bewohner von Tiefenbach und Breitenried hielten - wenn nun auch zu einem neuen Termin - an dem einstmals gelobten Feiertag fest. Etwa bis zum Jahr 2000 wurde in Tiefenbach das Schaueramt vormittags gehalten, danach wurde der Gottesdienst in die Abendstunden verlegt (so auch am gestrigen Donnerstag).

Auf den Bauernhöfen ruhte früher die Arbeit. Nur unabdingbare Tätigkeiten wie das Füttern der Tiere sollten verrichtet werden. Bis weit in die 70er Jahre hinein war es üblich, dass am Nachmittag eine Bittprozession zum Schönbrunnen abgehalten wurde. Auch heute ist dies in einigen Familien noch üblich, um für gutes Wetter und ein Gedeihen der Feldfrüchte zu beten.
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