Dr. Rainer Brämer wirbt beim ersten Tourismustag für einen "Premium-Wanderweg"
Weg vom "Techno-Stress"

Tirschenreuth in der Oberpfalz
05.10.2004
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Es gibt den Rennsteig in Thüringen oder den Rothaarsteig, vom Sauerland in den Westerwald. Ein Paradies für Wanderer und eine Wohltat für die Geldbeutel der Bürger in diesen Regionen. So etwas brauche der Oberpfälzer Wald auch, meinte Dr. Rainer Brämer von der Uni Marburg beim ersten Tourismustag im Tirschenreuther Kettelerhaus.

Natur-Soziologe Brämer gilt in Deutschland als "Wanderpapst". Deshalb fanden die Ergebnisse seiner "Forschungsgruppe Wandern" viel Gehör, bei den Tourismus-Experten der Urlaubsregion "Oberpfälzer Wald". Sie wollen sich nun jährlich zum Tourismustag treffen - einer Anregung des neuen "Masterplans" folgend (siehe Bericht unten).

"Die Menschen brauchen eine Auszeit, um alle Sinne wieder ins Lot zu bringen", erklärt Brämer den Boom im Wandersektor. "Weg vom ,Techno-Stress'." Deshalb wundere es nicht, dass der "neue Wanderer" im Schnitt 48 Jahre alt ist und Abitur, oder einen Universitätsabschluss hat.

Das Bild vom Urlauber, der auf Schusters Rappen durch die Lande zieht, weil er kein Geld für mehr hat, sei nicht mehr aktuell. "Die Wanderer sind ein attraktives, zukunftsträchtiges und vor allem anspruchsvolles Publikum." Fünf Milliarden Euro gaben die Deutschen vergangenes Jahr fürs Wandern aus. Und der "Oberpfälzer Wald" will mehr vom Kuchen ab haben.

Urige Hütten

Die wichtigste Frage war deshalb am Montag, was diese Urlauber suchen und was die Region zu bieten hat. "Sie wollen in erster Linie die Natur genießen und nicht Kilometer machen." Naturnahe Wege, Stille und vor allem die Einkehr - bevorzugt in urige Hütten - werde bei Befragungen sehr häufig genannt.

Zehn bis 15 Kilometer in gemächlichem Tempo, am besten auf einem Rundwanderweg. Mehrtagestouren oder "Wandern ohne Gepäck" seien völlig out. Und erstaunlicherweise sind auch kulturelle Sehenswürdigkeiten am Wegesrand nur von geringer Bedeutung für die Attraktivität eines Wanderweges. "Viel Wald und Aussicht", wäre das A und O.

Und davon hätte die Region prinzipiell genügend, fand Brämer. Noch dazu wäre sie über die Autobahn gut erreichbar. Doch der "Wanderpapst" findet, dass eine Marke fehlt, die Touristen attraktiv finden. Mit "Nurtschweg" zum Beispiel könne keiner was anfangen. "Wer oder was ist Nurtsch." Es müsse was einprägsameres her. Etwas mit "Bayern" wäre gut. So etwas gäbe es noch nicht.

Und dann müsse noch ein Weg her, der am besten die Kriterien für einen "Premiumweg" - ein neues Gütesiegel des Deutschen Wanderverbandes - erfülle. Dazu sollte es eine Route sein, die fernab der Straßen und breiter planierter Forstwege führe sowie viel landschaftliche Abwechslung biete. Die Markierung sollte zudem vereinheitlicht werden und in regelmäßigen Abständen müssen Hinweistafeln stehen. "Der Wanderer will wissen, wo er ist und wie weit es noch ist." Eingebunden werden könnten dann auch die bereits bestehenden Wandernetze.

Nicht zum Nulltarif

"Doch das gibt es nicht zum Nulltarif." Für den Ausbau des Rothaarsteiges wurden 2,5 Millionen Euro investiert. Allerdings kamen im ersten Jahr nach der Eröffnung schon über 100 000 Besucher und brachten 2,6 Millionen Euro in die Region.

"Wenn Sie nichts machen, gehen Sie unter", mahnte deshalb Brämer und verwies auf die Rhön. Bei der letzten Tourismusmesse blieb diese Region auf ihren Prospekten sitzen - mangels Wanderangebot.

Mehr Informationen im Internet:
www.staff.uni-marburg.de
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