Naturschutzbeirat will "Nigerl-Buche" sanieren
Zum Sterben zu schön

Ein großer Ast der alten Buche ist bereits abgebrochen. Nach Expertenmeinung ist der etwa 300 Jahre alte Baum durch entsprechende Sanierungsmaßnahmen mindestens noch zehn Jahre zu halten. Bild: Kraus
Archiv
Tirschenreuth
11.12.2015
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Tirschenreuth/Neualbenreuth. (tr) Was vorausgesagt war, ist mittlerweile passiert. Ein großer Ast der sogenannten "Nigerl-Buche" ist abgebrochen. Nachdem der Baum laut Gutachten aber mindestens noch für zehn Jahre zu halten ist, entschied sich der Naturschutzbeirat für die Sanierung.

Einstimmig entschied sich das Gremium für die Erhaltung des 270 bis 300 Jahre alten Baumes. Die Meinung der Naturschutz-Experten teilt auch Landrat Wolfgang Lippert. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg war zum Sitzungstermin verhindert, hatte sich aber bereits zuvor per Brief für den Erhalt des Naturdenkmals ausgesprochen.

In Gutachten investiert

Lippert erläuterte, dass bei einer Besichtigung der Buche deutlich zu erkennen war, dass der Baum krank ist. Weiterhin erhalten oder absägen, eine andere Alternative gäbe es nicht. Lippert gab zu Bedenken, dass bereits mehr als 2000 Euro in ein Gutachten investiert worden sind. Demzufolge sollte es möglich sein, durch Sanierungsmaßnahmen den Baum noch mindestens zehn Jahre zu halten. Laut Gutachter müsste die Krone gestutzt werden. Der Baum sei vom Pilz befallen und trockne von oben nach unten aus.

Der Gutachter gab auch ein Angebot mit ab, nachdem sich die Sanierungskosten, laut Birgit Üblacker von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) auf etwa 3800 Euro belaufen. Dazu komme alle zwei Jahre eine "Arbotom-Messung", die mit 70 Euro plus 95 Euro pro Stunde für die Arbeitskraft zu Buche schlage. Claudia Fuchs von der UNB schätzte das Angebot als sehr hoch ein und meinte: "Mit entsprechenden Vergleichsangeboten ist da bestimmt einiges in Richtung günstiger zu erreichen." Gregor Zölch war privat selber vor Ort, um sich die Sache aus der Nähe zu betrachten. "Der Baum schaut nicht so schlecht aus", war seine Überzeugung. Geld sei bei der Diskussion die eine Sache. Dabei sollte aber schon Beachtung finden, dass Naturdenkmäler dieser Qualität in unserer Region rar geworden seien. Allein schon aus dem Grund müsse alles getan werden, die alte Buche zu erhalten. Harald Hertel schlug in die gleiche Kerbe. "Ein Baum in diesem Alter ist in der Tat einer der wenigen im Bereich Neualbenreuth. In dieser Dimension vielleicht sogar der letzte seiner Art." Gerade Neualbenreuth zeichne sich durch sein hervorragendes Landschaftsbild aus. Schon im Hinblick auf die vielen Kurgäste müsse alles getan werden, um das zu erhalten.

Der Sprecher schlug vor, dass man gleichzeitig zur Sanierung schon mal einen Platz an exponierter Stelle, etwa auf einer Anhöhe suchen solle, um dort vielleicht einen neuen, schon ein paar Jahre alten Baum zu pflanzen. Wenn die alte Buche dann endgültig das Zeitliche segne, wäre der Nachfolger schon zu einem stattlichen Exemplar herangewachsen und wirke bereits landschaftsprägend. Eine Idee, die dem Gremium gut gefiel.

Ursula Schimmel (Bund Naturschutz) berief sich auf die Aussage des Betriebsleiters des Forstbetriebes Waldsassen, Gerhard Schneider, der beim Ortstermin gesagt hatte: "Wenn dieser Baum gepflegt wird, überlebt er uns alle, wie wir hier stehen." So eine Aussage aus dem Mund eines Försters sei ihr Versicherung genug, dass eine Sanierung richtig sei. Den Schmunzelbeitrag zur Diskussion lieferte Robert Eisenmann. "Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf ging, als ich das Gutachten las, war der, dass es sich da um einen Patienten handelt, der zum Arzt geht und die Diagnose bekommt, dass er zwar todkrank ist, aber es zum Sterben doch nicht reicht." Er sprach sich ebenfalls für die Sanierung aus.

Jörg Hacker sagte: "Im Augenblick rentiert sich eine Sanierung in jedem Fall. In zehn Jahren müssen wir dann halt neu beraten und sehen was zu tun ist." Der Landrat warf ein, dass es im ganzen Landkreis kaum mehr solche alten Bäume gebe und von den restlichen jeder erhaltenswert sei. Außerdem habe man ja bereits Geld in die Hand genommen. Und förderfähig wären die Maßnahmen zur Erhaltung außerdem bis zu 50 Prozent. "Mir würde es schwerfallen, den Baum einfach abzusägen."

Sicherung durch UNB

Bleibt noch die Sicherungspflicht. Das ist Sache der Unteren Naturschutzbehörde. Momentan weisen ein Durchfahrts-Verbotsschild und rot-weiße Trassierbänder um ein großzügiges Areal um die Buche herum auf die Gefahren durch das Naturdenkmal hin.
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