Spione von Pearl Harbour verbrachten Lebensabend in Tirschenreuth
"Kein Ruhmesblatt für die Stadt"

Der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl hält Ausschnitte einer Buchreihe des Landkreises mit Berichten über die Spione Kühn in der Hand. Das Ehepaar Otto und Friedel Kühn und deren Tochter Ruth waren als Spione für den japanischen Angriff auf Pearl Harbor mitverantwortlich. Bilder: Armin Weigel (dpa)
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Tirschenreuth
06.08.2015
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Der japanische Angriff auf Pearl Harbor markierte einen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg - etwa 2400 US-Bürger kamen am 7. Dezember 1941 ums Leben. Einen Tag später erklärte der US-Kongress Japan den Krieg, daraufhin Deutschland den USA. Zwei der damaligen Spione für die Japaner verbrachten ihren Lebensabend in der Oberpfalz.

Die Familie Kühn wurde Jahre nach ihrer Verurteilung nach Tirschenreuth abgeschoben. Das Ehepaar lebte dort bis zu seinem Tod nahezu unerkannt. Auf dem städtischen Friedhof waren Otto und Friedel Kühn bis 1984 in der Grabstelle mit der Nummer 94 begraben.

"Von 100 Menschen in Tirschenreuth kennt vielleicht einer die Spione Kühn", sagt Bürgermeister Franz Stahl (CSU). Auch bei Stadtführungen wird die abenteuerliche Geschichte der Kühns nicht erzählt. "Es ist ja auch kein Ruhmesblatt für die Stadt", betont der Bürgermeister.

Laut einer Buchreihe des Landkreises hat sich die Geschichte der Spione wie folgt abgespielt: Das Ehepaar Kühn und deren Tochter Ruth wurden 1936 auf Vorschlag der Nazis 1936 japanische Agenten. Mit gefälschten Papieren kam die "Professorenfamilie" nach Hawaii. Dort verdrehte die schöne und charmante Ruth den amerikanischen Offizieren den Kopf und gelangte so an geheime Unterlagen.

Die Kühns bauten im Auftrag der Japaner ein Haus in Pearl Harbour mit zehn großen Fenstern, die einen Blick auf den US-Flottenstützpunkt gaben. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems von wechselweise erleuchteten Räumen, signalisierte Ruth in der Nacht zum 7. Dezember 1941 der japanischen Admiralität die Stärke des amerikanischen Flottenverbands. Der Angriff erfolgte wenige Stunden später.

Anhand von Unterlagen im japanischen Konsulat wurden die Kühns vom FBI verhaftet. Otto Kühn wurde zunächst zum Tode verurteilt, die Strafe später aber zu 50 Jahre Zuchthaus umgewandelt. Am 1. September 1945 wurde die ganze Familie nach Deutschland in die Oberpfalz abgeschoben. In Tirschenreuth starb Otto Kühn am 3. Oktober 1956, seine Frau acht Jahre später. 1984 wurde ihr verwahrlostes Grab stillgelegt. Nichts erinnert mehr an die Spione. Tochter Ruth heiratete später einen amerikanischen Offizier und lebte mit Einverständnis der CIA in den USA.