Moore, Feuchtwälder und Felsen in der Waldnaabaue bei Tirschenreuth
Durch die Landschaft der Teiche

Ein imposantes Überbleibsel aus der wilden geologischen Vergangenheit der Landschaft westlich von Tirschenreuth ist der Wolfenstein. Typische Granitverwitterungen lassen vermuten, dass der gewaltige Klotz in vorgeschichtlichen Zeiten als Kult- oder Opferplatz gedient haben könnte. Bilder: Norbert Grüner
Freizeit
Tirschenreuth
01.10.2015
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Kartengrundlage: Topographische Karte 1:25 000; Wiedergabe mit Genehmigung des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Bayern, Nr. 2683⁄07
 
Eine "magische" Felsenlandschaft, die die Fantasie der Menschen zum Blühen bringt, sind die Teufelsküchen im Netzbachtal im Wandergebiet der Waldnaabaue westlich von Tirschenreuth.

Für den Arten- und Biotopenschutz und besonders für die Vogelwelt hat die Waldnaabaue westlich von Tirschenreuth eine herausragende Bedeutung. Zu dieser Erkenntnis kam man, als vor knapp 25 Jahren der riesige Gumpenspeicher geplant wurde, der die gesamte Aue der Waldnaab im Westen der Kreisstadt fluten sollte. Dazu kam es nicht.

Stattdessen wurde das Gebiet in das Förderprogramm "Naturgroßprojekte" aufgenommen und langfristig gesichert. Die 3200 Hektar große Fläche, in deren Zentrum die sogenannte "Tirschenreuther Teichpfanne" liegt, präsentiert sich mit seinen Feuchtwiesen, Feuchtwäldern, alten Teichketten und Moorflächen als Erholungsgebiet erster Ordnung. Unsere letzte Herbstwanderung führt uns dort hinein in das Gebiet zwischen dem Wolfenstein im Norden und der kleinen Teufelsküche im Süden des Rothenbürger Weihers.

Als Ausgangspunkt wählen wir die Schirmer-Kapelle an der Straße von Tirschenreuth nach Lengenfeld. Auf einem bequemen Waldweg wenden wir uns nach Nordwesten und erreichen nach etwa zwei Kilometern den Wolfenstein. Der bizarre Granitfelsen, der sich auf einem Hügel auf der freien Fläche heraushebt, zeigt alle Verwitterungsformen dieses Gesteins. Wollsackbildung ebenso wie steile Rinnen und Gruben. Das Naturdenkmal, als solches ist es auf der Karte eingetragen, soll ein vor- und frühgeschichtlicher Opferstein gewesen sein.

Ein großer Schatz

Die Sage erzählt, dass sich unter dem Felsmassiv ein großer Schatz befindet. Alljährlich am Palmsonntag soll sich diese Schatzkammer während der Messe öffnen. Der Wolfenstein gesellt sich damit zu der großen Anzahl ähnlicher Steine, denen gerade wegen ihrer Verwitterungsmerkmale eine kultische Vergangenheit nachgesagt wird.

Wir wenden uns wieder dem Wald zu, gehen denselben Weg etwa einen Kilometer zurück, biegen dann aber ab nach rechts auf eine Forststraße, die uns in Richtung des Rothenbürger Weihers führt. Nach etwa zwei Kilometern stoßen wir auf die Verbindungsstraße nach Tirschenreuth. Wir überqueren diese und folgen der roten Schrägstrich-Markierung mit der Nummer 1 nach Süden entlang des Rothenbürger Weihers. Wir lernen die Vielfalt dieser Landschaft kennen, die immer wieder durchsetzt ist mit Gewässern, die seit Hunderten von Jahren ihr Bild prägen. Der größte dieser historischen Teiche ist der Rothenbürger Weiher, heute bevorzugtes Naherholungsziel.

Die Anlage dieses kleinen Sees ist ein Beispiel für mittelalterlichen Teichbau. Der Netzbach wurde durch die Aufschüttung eines 60 Meter langen Dammes zu einer Wasserfläche von etwa 16 Hektar angestaut. Die notwendigen Arbeiten hatten die Untertanen des Klosters Waldsassen zu leisten. Das geschah um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Weiher wechselte immer wieder und ist heute an den Fischereiverein Stiftland verpachtet.


Haben wir das südliche Ende des Weihers erreicht, umgehen wir eine kleine Waldwiese und kommen unmittelbar in das Felsenlabyrinth der sogenannten kleinen Teufelsküche. Der Wanderer darf nun entscheiden, ob er über eine steilen Treppe nach oben steigt oder im Tal bleibt. Auf einem Felsenturm thront auf einer Fläche von nur einer Handbreite ein Wackelstein.

Kochen im Granit

Schüsselartige Verwitterungsformen haben der Fantasie der Menschen Vorschub geleistet, die früher glaubten, der Teufel koche in diesen Granitschüsseln seine Mahlzeiten. Laut einer Sage soll es auch eine "Teufelskirch" gegeben haben, in der schwarze Messen gefeiert worden sein sollen.

Wenn wir das Felsenlabyrinth verlassen haben, wendet sich der Weg wieder nach Norden und führt vorbei an zwei Teichketten, zieht sich durch einen schönen Hochwald und erreicht schließlich den Ausgangspunkt, die Schirmer-Kapelle.

Die Wanderwege rund um Tirschenreuth sind in Zusammenarbeit mit dem Oberpfälzer Waldverein entstanden, der die Wege auch betreut. Die Tourist-Information der Stadt Tirschenreuth in der Regensburger Straße 6, im Museumsquartier der Stadt, bietet eine gute Übersicht über die Waldnaabaue, beschreibt verschiedene Wanderstrecken und gibt dem Wanderer Wegbeschreibungen und Kartenmaterial an die Hand. Erreichbar ist die Tourist-Information der Stadt Tirschenreuth unter urlaub@stadt-tirschenreuth.de oder Telefon: 09631600248 und 249.

Tipps zur RouteAnfahrt

Wir erreichen das Wandergebiet Waldnaabaue westlich von Tirschenreuth über die B 15. Bei der Ortsdurchfahrt Haid folgen wir dem Hinweisschild nach Lengenfeld und Rothenbürg, das uns zum Rothenbürger Weiher führt und nach weiteren zwei Kilometern zur Schirmer Kapelle, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung. Dort nehmen wir die linke Waldstraße mit der Markierung eines roten Schrägstrichs und der Nummer 1 und dem Hinweis auf den Wolfenstein. Die Strecke ist gut markiert.

Die abwechslungsreiche Wegführung führt den Wanderer etwa zwölf Kilometer weit durch wunderbare Wälder und eine zauberhafte Teichlandschaft. Die Wege sind bequem und vor allem für Familien (mit Kinderwägen) gut geeignet.

Teufelsküchen

Die kleine und die große Teufelsküche entlang des Netzbaches gehören zu den Attraktionen des Wandergebietes westlich von Tirschenreuth. Zur Dämmerung wirken das Walddunkel und der von Felsriesen umgebene Netzbach unheimlich.

Ob der Name nun vom Teufel oder von dem bergmännischen Begriff Teufe für Tiefe kommt, ist nicht klar. Das Netzbachtal ist tief eingeschnitten, die östliche Seite führt den Namen Klingenrangen. Die große Teufelsküche ist ein Felsenlabyrinth mit Wasserfall und einem Blockmeer. Durch Verwitterung sind 15 Meter über dem Bachlauf auf einigen Felsen Opferkessel und Priestersitze entstanden. Sie sind Schöpfungen der Natur im Prozess einer Jahrtausende langen Verwitterung.

Die kleine Teufelsküche beginnt am Südlichen Ende des Rothenbürger Weihers. Am Talrand des Netzbaches erheben sich Felsriesen, die über eine Treppe bestiegen werden können.

Information

Tourist-Information der Stadt Tirschenreuth, Regensburger Straße 6, 95643 Tirschenreuth, Telefon: 09631/600248 und 249. E-Mail unter: urlaub@stadt-tirschenreuth.de; www.stadt-tirschenreuth.de.
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