Watzmannüberschreitung im Winter
"Im Schnee erst richtig schee"

Geschafft! Armin Landstorfer und Marco Bauer (von links) unter dem Gipfelkreuz der Watzmann-Südspitze. Vom Watzmannhaus aus haben sie die etwa 4,5 Kilometer lange Überschreitung des Massivs bei Schnee gemeistert. Bild: Privat
Freizeit
Tirschenreuth
11.11.2016
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Wer den Watzmann einmal erlebt hat, kommt nie wieder los von ihm. Dabei muss es nicht unbedingt die legendäre Ostwand sein. Auch die klassische Überschreitung vom Watzmannhaus über die drei Gipfel hinunter ins Wimbachgries hat viele Reize. Manche gehen sie sogar im Schnee.

Zum Beispiel Armin Landstorfer aus Mitterteich und Marco Bauer aus Schönkirch von der Sektion Karlsbad im Deutschen Alpenverein. Es war Ende Oktober als sich die beiden Bergsteiger Richtung Berchtesgadener Alpen aufmachten, um die drei Haupt-Gipfel des Watzmanns (Hocheck, Mittel- und Südspitze) zu überschreiten. Ein genussreicher Klassiker, der über einen Klettersteig der Kategorie A und B führt. Aber bei Schnee und Eis?

Auf der Sektions-Homepage beantworten sie die Frage so: "Es war bestes Bergwetter vorausgesagt, das Wochenende passte optimal in den Terminkalender und der Watzmanngrat war bereits mit reichlich viel Schnee bedeckt." Allerdings, warnen die beiden: "Normale" Klettersteiggeher sollten bei Schneelage dringendst die Finger von dieser Tour lassen."

Gegen 16 Uhr machten sich Marco und Armin vom Parkplatz an der Wimbachbrücke (634 m) auf den Weg zum Watzmannhaus (1915 m), um im Winterraum die Nacht zu verbringen. Sie hatten zuvor recherchiert, dass der mit einem kleinen Ofen, mit Trinkwasser sowie mit Wolldecken ausgestattet ist. Nach gut einer Stunde Aufstiegszeit erreichten sie die Schneegrenze auf Höhe der Kührointalm. Nach einer weiteren Stunde kurz unterhalb des Tageszieles lag schon der Geruch von Kaminfeuer in der Luft.

Nicht die Einzigen


Da war klar: Sie würden nicht die Einzigen da oben sein. Der Winterraum war ziemlich voll belegt, aber im Vorraum, neben dem Holzofen, gab es noch einen Platz zum Schlafen. "Eine kurze Nacht auf dem Fußboden, beziehungsweise auf der Bierbank geht schon!" Zusammen mit vier Polen, drei Tschechen, einer Kärntnerin und einer Allgäuerin wurde es ein gemütlicher, internationaler Hüttenabend.

Eine kurze Nacht auf dem Fußboden, beziehungsweise auf der Bierbank geht schon.Marco Bauer/Armin Landstorfer

Tags darauf machten sie sich um 6 Uhr bei völliger Dunkelheit und minus sechs Grad Celsius auf den Weg zum Hocheck (2651 m), dem ersten der drei Gipfel. Ihnen hatte sich Tomek, ein Pole, angeschlossen, der kein Wort Deutsch oder Englisch spricht. Der Schnee war teilweise kniehoch. Im Schein der Stirnlampen erreichten sie gegen 8 Uhr ihr Ziel und erlebten einen eindrucksvollen Sonnenaufgang.



Pause am Hocheck


In der Biwakschachtel am Hocheck pausierten die Bergsteiger 20 Minuten, bevor sie den zweiten Gipfel in Angriff nahmen. Der Weg zur Mittelspitze (2713 m) - der höchste Punkt der Tour - verläuft direkt am Grat entlang und ist teilweise mit Stahlseilen versichert. Aufgrund der Schneelage waren hier die Steigeisen angesagt. Bestens gelaunt standen sie gegen 10 Uhr auf dem Gipfel. Das Wetter war perfekt. Die Bergkameraden wurden mit einem atemberaubenden Panoramablick über die schneebedeckten Alpen belohnt. Alle drei waren topfit und brauchten nur eine kleine Pause.

"Der Weg zur Südspitze war aus klettertechnischer Sicht der anspruchsvollste und interessanteste Teil der Tour", sind sie sich einig. Ein schier ewiges rauf und runter, im Zickzack über Grate und durch Rinnen. Das Gelände wurde immer ausgesetzter. Für die Strapazen wurden die Bergsteiger mit einen wundervollen Blick auf die berühmte Watzmann-Ostwand und den Königssee belohnt. Wind kam auf und blies ihnen stellenweise den pulvrigen Schnee ins Gesicht - eine willkommene Abkühlung zu diesem Zeitpunkt. Denn vor ihnen lag der letzte Anstieg durch eine sehr steile Rinne auf den Gipfel zur Südspitze.

Bis zur Hüfte im Schnee kämpften sie sich auf allen Vieren nach oben. Exakt um 13 Uhr läuteten die drei voller Stolz die Glocke am Gipfelkreuz der Südspitze (2712 m). Jetzt lag vor ihnen noch der sehr lange und äußerst anspruchsvolle Abstieg ins Wimbachgries (schon im Sommer bei trockenem Wetter nicht ohne). Wegen des tiefen Schnees war dort die Wegfindung nicht immer leicht. An einer Stelle reichten Steigeisen und Pickel nicht mehr aus, mussten sich die Bergsteiger abseilen. Jetzt hatte sich die Mitnahme der alpinen Grundausrüstung als doch richtig erwiesen.



Vollste Konzentration


Im flacheren Gelände legten sie die Kletterausrüstung ab und gönnten sich eine längere Pause. Der weitere Abstieg durch das scheinbar endlose Geröllfeld ging enorm auf die Oberschenkel und forderte von allen vollste Konzentration. Es war 16.30 Uhr als sie schließlich die Wimbachgrieshütte erreichten.

Laut Wegweiser lag noch ein Fußmarsch über acht Kilometer mit einer Zeiteinschätzung von dreieinviertel Stunden Gehzeit bis zum Parkplatz vor ihnen. Im Eiltempo - wohl beflügelt vom Erfolg - brauchten sie nur knapp zwei Stunden.

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