57. Ökumenische Frauenfrühstück in Tirschenreuth lockt 150 Besucherinnen
Zum Lachen in die Kirche gehen

Rund 150 Frauen aus dem ganzen Landkreis genossen Frühstück, Vortrag und Rahmenprogramm bei bester Bewirtung durch die Tischdamen und netten Gesprächen. Bilder: wg (2)
Kultur
Tirschenreuth
18.06.2015
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Es ist ein Selbstläufer. Auch bei der 57. Auflage des ökumenischen Frauenfrühstücks kamen 150 Besucherinnen. Neben leckerem Essen lockte ein Vortrag mit der Erkenntnis: Lachen und Religion passen gut zusammen.

Moderatorin Elisabeth Knoblauch begrüßte als Referentin Dr. Gabriele Zinkl aus Regensburg. Das Thema "Ihr seid das Salz der Erde - Von der Prise Humor und Lachen im Christentum" war in ein Rahmenprogramm eingebettet. Dank sagte Knoblauch Jakob Schröder für den Einsatz am Klavier, Luisa Zeitler, die mit drei Liedern in die Welt der Musicals entführte und Elena Franz, die sich um die Technik für die CD-Aufnahme kümmerte.

Als kleine Aufmerksamkeit hatte das Vorbereitungsteam, bestehend aus je sieben evangelischen und katholischen Frauen, Salzstangen auf die Teller gelegt. Dazu gab es einen kleinen Salzstreuer und ein Rezept für Salzstangen. Mit dem Märchen "Lieb wie das Salz" führte das Team zum Thema hin. Es beschrieb einen verwitweten König, der seine Kinder befragt, wie lieb sie ihn haben. Die älteste Tochter sagte: "So lieb wie alle Edelsteine leuchten und alles Gold wert ist." Die mittlere Tochter bekundete: "So hell wie die Sonne strahlt und nachts die Sterne leuchten." Als die jüngste Tochter sagte, "ich hab dich lieb wie das Salz", wurde der König traurig. Also wies die Tochter die Küche an, beim nächsten Festmahl das Salz wegzulassen. Da verstand es der König plötzlich.

Salz als Sinnbild

"Das Salz hat große Bedeutung", wies Maria Münch nicht nur auf den Wert als Lebensmittel hin. Salz sei die Würze in der Suppe, Christen seien das Salz der "Menschensuppe". Salz konserviere und schütze vor Fäulnis. "Salz tötet die Sünde in uns. Salz schmerzt in den Wunden - auch wenn Jesus uns heilen will. Salz macht durstig - wer gute Erfahrungen mit Gottes Worten macht, den dürstet nach mehr."

Referentin Dr. Gabriele Zinkl, aufgewachsen in Floß, ist Theologin und promovierte Kirchenrechtlerin. Sie ist arbeitet bei der Diözese Regensburg und begann ihren Vortrag mit dem Bild des "lachenden Engels", der lebensgroß im Regensburger Dom steht und einmalig auf der Welt ist. Worüber lacht der Engel? "In der Kirche sieht man selten, dass Heilige lachen - egal ob bei Holzfiguren, Steinfiguren oder Altarbildern." Es gebe zwar einige Heilige, die etwas mit Lachen und Humor zu tun haben, aber die sehe man sehr selten in Kirchen, wo Jesus am Kreuz hängt.

Der Blick in die Geschichte zeige, dass es anfangs streng verboten war, dass ein Christ in der Kirche lacht. "In der Frühzeit gab es Christenverfolgungen. Im 4. Jahrhundert durften Christen nur weinen angesichts des Herrn im Zeichen des Kreuzes." Im Mittelalter sei Lachen verpönt gewesen, weil es die Erlösung vorwegzunehmen schien. Wenn das gemeine Volk im Wirtshaus lachte, passte das den Kirchenleuten gar nicht, führte die Referentin aus. Lachen war nur wenige Wochen im Jahr zugelassen, etwa im Karneval oder zu Ostern. "Ab dem 17. Jahrhundert wurden die fröhlichen Predigten zu Ostern immer seltener - nur in Bayern hielten sie sich noch länger."

Lachen oft verteufelt

Gabriele Zinkl verwies auf den Roman "Der Name der Rose", bekannt durch die Verfilmung mit Sean Connery. Darin verstecke ein Mönch ein Buch über das Lachen, weil lachende Menschen keine Angst mehr vor Autorität hätten: "Das Lachen wurde in der Geschichte der Kirche verteufelt." In der Heiligen Schrift finde sich rund 20 Mal das Wort lachen. In der Bibel sei oft von Freude, Fröhlichkeit, Glück und Jubel die Rede, doch meist komme im gleichen Satz auch die Traurigkeit vor. Die "grimmigen Theologen" seien der Meinung, dass man im Himmel lachen darf, auf Erden sei es nicht erwünscht. "Religion gilt auch heute noch als wenig lustig. Dort geht es um Leben und Tod, Spöttern droht die Strafe Gottes, nur Heiden haben Spaß", zitierte die Referentin. "Lachen und Kirche sind zwei Welten, denken noch heute viele."

Spitzbübische Mönche

Doch das müsse nicht so sein, sagte die Kirchenrechtlerin. "Hat Jesus gelacht? Davon ist auszugehen, auch wenn es nirgends steht - denn er war Mensch und verkündete die frohe Botschaft!" Heute sei Lachen sowohl in der katholischen als auch evangelischen Kirche erlaubt. Im Bamberger Dom fänden sich die "drei Erlösten", drei Mönche mit einem spitzbübischen Lachen. Auch im Judentum habe das Lachen Tradition, der jüdische Witz sei weltberühmt. Schließlich wies Dr. Zinkl auf den Heiligen Philipp Neri, genannt Pippo oder "Clown Gottes". Er sei von Papst Pius V. zum Berater ernannt worden. "Lachen ist die Prise Salz des Christentums und Gott sei Dank nicht mehr verboten", freute sich Gabriele Zinkl. Durch ihr eigenes Lachen gab sie selbst das beste Beispiel ab.
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