Autor Horst Eckert liest aus seinem Thriller "Wolfsspinne" und bringt die Fantasie der Zuhörer ...
V-Mann, Terror und Verschleierung

Für Spannung sorgte Krimiautor Horst Eckert mit seinem neuen Thriller "Wolfsspinne", in dem er den angeblichen Selbstmord von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt fiktiv aufarbeitet. Bild: ubb
Kultur
Tirschenreuth
11.10.2016
28
0

Einer der besten deutschen Krimiautoren löste bei seiner Lesung in der Bücherei mit seinem neuen Werk "Wolfsspinne" über die Mordtaten des NSU eine spannende Diskussionsrunde aus. Horst Eckert machte deutlich, dass er nicht an den Selbstmord der beiden Terroristen im Wohnmobil glaubt.

Als Horst Eckert in Tirschenreuth einen seiner ersten Krimis präsentierte, malte er den Fans beim Signieren (Mörder-)Messer in seine Bücher. Titel wie "Aufgeputscht", "Bittere Delikatessen" oder "Annas Erbe" wurden damals zu einem Preis von 16,80 Mark zu Bestsellern, die Fachpresse fand nur Lob für den neuen Stern unter den Krimiautoren. Heute kostet ein knapp 500-seitiger Eckert-Thriller 19,95 Euro. Eine gute Investition bleibt es, zumal sich die Qualität der Inhalte enorm gesteigert hat.

Vor 21 Jahre habe er seinen ersten Krimi herausgebracht, erzählte der Schriftsteller am Freitagabend. Das Publikum lauschte mucksmäuschenstill, als es erfährt, dass Eckerts neues Buch auf den Bluttaten des mörderischen NSU basiert. Eckert baut die drei Terroristen mit fiktiven Namen in seinen Roman ein. "Ich glaube nicht daran, dass Mundlos und Böhnhardt Selbstmord begangen haben", sagt er. Als ehemaliger Fernsehjournalist nutzt Eckert die sorgfältige Recherche für seinen Thriller und präsentiert seine eigene Variante mit verblüffender Glaubwürdigkeit. Dabei sind seine Protagonisten wie der Ermittler Vincent Che Veih oder V-Mann Ronny keineswegs nur Romanfiguren. Eckert spricht von Vincent und dessen verkorkster Kindheit, als erzähle er von einem guten Freund. Gerne möchte man wissen, wie es Veih und Ronny heute so geht. Aber von deren Zukunft verrät der Autor nur wenig. Das macht neugierig: Überlebt Ronny das Ende des Romans überhaupt?

Ungleich schwerer fällt es, sich in Eckerts Terror-Trio hineinzudenken. Gewöhnungsbedürftig ist auch Eckerts Buchpassage, in welcher der V-Mann Ronny seine ehemaligen Jugendfreunde Mundlos und Böhnhardt erschossen haben soll, um sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Dennoch, Eckerts Auslegung könnte durchaus glaubwürdig sein. Offensichtliche Verschleierungen im Zusammenhang mit dem NSU-Trio geben politisch interessierten Bürgern schließlich weiterhin Rätsel auf.

Eckert möchte einige dieser Rätsel mit angedachten Varianten lösen helfen, strickt um die Mörder ein Drogendelikt, lässt beide Verbrechen im "Hier und Heute" zusammentreffen. Mit der Verkettung alltäglicher Verbrechen betreibt er unterschwellig Meinungsbildung: Der politisch hoch gebildete Schriftsteller ist keineswegs mit der Vorgehensweise der Politik in Sachen Terrorismusbekämpfung einverstanden, möchte seine Leser offenkundig zu mehr Kritikfähigkeit aufrufen.

Um die Spannung aufrechtzuerhalten, lässt Eckert- wie sollte es anders sein - in Tirschenreuth das Ende von "Wolfsspinne" offen, schlägt leise lächelnd sein Buch zu: "Wer Fragen hat, kann diese gerne stellen." Nun gerät der eigentliche Anlass des Abends in den Hintergrund. Die sorgfältigen Recherchen des in Pressath aufgewachsenen Schriftstellers sowie seine persönlichen Erkenntnisse über den NSU-Fall sind spannend genug, die Lesung mit einer angeregten Diskussionsrunde über Terror, Politik und Verschleierung abzuschließen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.