Boot funktioniert auch trocken

Die Handlung der Bühnenfassung von "Das Boot" spielt sich auf wenigen Quadratmetern ab. Durch die beengte Kulisse entsteht eine klaustrophobische Stimmung, die sich auch auf die Zuschauer überträgt. Bild: Jörg Otto
Kultur
Tirschenreuth
16.11.2015
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Ein Mega-Hit in Deutschland und auch in den USA ein Kassenschlager - "Das Boot" gehört zur Champions-League des internationalen Films. Die Geschichte der U-Boot-Besatzung um den Kommandanten "der Alte" ist nun auch auf der Bühne mitzuerleben - wie am Samstag im Kettelerhaus in Tirschenreuth. Und das ist ganz großes Kino.

Es ist schon mutig, sich so einer Jahrhundertproduktion zu widmen, die international nichts als Begeisterung erntete. Mit Jürgen Prochnow, Klaus Wennemann, Herbert Grönemeyer, Martin Semmelrogge, Claude-Oliver Rudolph und vielen anderen waren seinerzeit die späteren Charakterköpfe der Kinolandschaft an Bord des U-Boots.

Klaustrophobisch

Dazu eine Filmkulisse, die eine klaustrophobisch-bedrückende Grundstimmung bis in den Kinosessel spürbar machte - es gäbe genug Zweifel daran, ob "Das Boot" als Bühnenfassung eines Tournee-Theaters funktioniert. Aber das tut es. Und zwar absolut großartig.

Im Cast der a.gon Theater GmbH findet sich auch ein prominenter Name: Hardy Krüger Junior. Der bekannte Fernsehdarsteller spielt "den Alten" mit der brummigen Attitüde eines Seebären. An seiner Seite ein Ensemble an sehr jungen Schauspielern, die die starken Charakter der Verfilmung nicht imitieren, sondern eigenständig interpretieren. Da ist der durchgeknallte Frennsen (Konstantin Gerlach), der loyale Bootsmann (Oliver Kamolz), Obermaschinist Johann (Oskar-Wolf Meier) oder der linientreue erste Wachoffizier (Alexander Mattheis).

Neben der Figur des Kommandanten trägt vor allem Marco Michel als Leutnant Werner eine tragende Rolle. Im Film von Herbert Grönemeyer gespielt, unterbricht er in der Theaterfassung immer wieder die Szenen, um die Handlung als Berichterstatter zu kommentieren. Ein cleverer Kniff von Johannes Pfeifer, der "Das Boot" für die Bühne inszeniert hat. So mussten nicht alle Szenen darstellerisch umgesetzt werden - Minimalismus, der sich verdichtend auf die Dynamik und Spannung des Stücks auswirkt.

Cleverer Kniff

Intelligent und reduziert ist auch die Kulisse gehalten. Die Zuschauer sehen in ein in das "U 96", als hätte man es der Länge nach durchgeschnitten. Zu sehen sind im Inneren die Mannschaftsräume, der Offizierstisch und der Kommandoraum. Auf der Kulisse steht die Crew, wenn das Boot nicht auf Tauchfahrt ist. Die Beleuchtung unterstreicht die erzeugte Stimmung, bedrohliche Szenerien werden mit rotem Licht illuminiert.

Schreckliche Geräusche

Und auch was die Vertonung angeht, bleibt das Stück dem Minimalismus treu und verzichtet auf ohrenbetäubende Schlachtgeräusche oder künstliches Tosen der Atlantikwellen. Das angsteinflößende Geräusch des Sonars lässt den Zuschauer der nächsten Wasserbombe entgegen bangen. Oder mitfiebern, wenn der Stahl ächzt, während das Boot unaufhaltbar auf 270 Meter Tiefe sinkt und droht, von den Wassermassen zerquetscht zu werden.

Die Inszenierung der Münchener Theater-Crew schafft das, was Dramen nur im besten Fall zustande bringen: Das Publikum zu fesseln und dazu zu bewegen, mit den Helden auf der Bühne zu fühlen. Das quittierten die Tirschenreuther mit viel Applaus.
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