Bühnenmodell für "Servus King" des MTT vorgestellt
Sperrholz statt Seekiefer für Elvis-Musical

Es ist die Aufgabe von Anton Beer (vorne links) in den kommenden Wochen das maßstabsgetreue Modell auf die Bühne im Kettelerhaus zu übertragen. Neben ihm stellte Pascal Seibicke (vorne rechts) seinen endgültigen Bühnenbau-Entwurf Stefanie Ohle (hinten rechts ) und Florian Winklmüller (hinten links) vor. Bilder : Grüner (2)
Kultur
Tirschenreuth
29.09.2016
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Minimalistisch, beschränkt auf den Hintergrund aus Sperrholzplatten, kommt das Modell daher. Ein dreidimensionales verschachteltes "Gebirge", das ein wenig an eine Kletterwand erinnert. Dabei ist es die Bühne für großes Theater.

Mit einem Modell für "Servus King - Elvis in der Oberpfalz" ist der Bühnen- und Kostümbildner Pascal Seibicke aus Hamburg angereist. Das Konzept stellte er dem Vorsitzenden des Modernen Theaters Tirschenreuth, Florian Winklmüller, Stefanie Ohle und dem für den Bühnenbau verantwortlichen Anton Beer vor.

Großer Erfahrungsschatz


Seibicke ist ausgebildeter Raumausstatter und studierte Kostüm- und Bühnenbild an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Katrin Brack. Bereits während seines Studiums und seiner Ausbildung realisierte der Vohenstraußer eigene Bühnenbilder für Theater und Kostüme und Szenenbilder für Filme.

Erfahrungen als Assistent hat er unter anderem am Bayrischen Staatsschauspiel, am Schauspielhaus Wien, am Vorarlberger Landestheater, am Theater Bonn, dem Stadttheater Klagenfurt, dem Theater Augsburg und den Münchner Kammerspielen gesammelt. Seit März 2013 ist Seibicke freischaffender Kostüm- und Bühnenbildner und arbeitet unter anderem an der Staatsoper Hamburg, der Philharmonie Luxembourg, im Mainfranken Theater Würzburg und im Theater Aalen.

Und aktuell für "Servus Elvis". Bis zur Uraufführung am 5. November in Tirschenreuth bleibt Anton Beer nicht sehr viel Zeit, um die Pläne des Profis in die maßstabsgetreue Originalgröße zu übertragen. "Aber ich habe ja genügend Helfer - mich und mich und mich", scherzt er. Denn Beer ist mehr oder weniger Einzelkämpfer und wird sich in den kommenden Wochen nicht über Arbeitsmangel beschweren müssen.

Das Bühnenbild, das Seibicke mitgebracht hat, gibt aber schnell die Hoffnung zurück, dass das zu schaffen ist. "Gewünscht hätten wir uns ja Seekiefer, ist aber schlichtweg unbezahlbar in dieser Größenordnung", sagt Seibicke. Schnell sei er auf die Idee gekommen, mit Holz zu arbeiten, vielleicht auch deshalb, weil das einfach hervorragend zur Oberpfalz passe. "Das urige Material lässt spannende Perspektiven zu." Links und rechts des hölzernen Hintergrunds sind zwei Schiebetüren integriert. Aus denen erscheinen während des Stücks Plattformen auf Rädern. Darauf wiederum sind diverse Räume aufgebaut, in denen die Schauspieler agieren. So etwa das Innere der "Micky-Bar" oder der alte Stadel, der den drei Freunden Hans, Lugg und Muskel als Probenraum für ihre musikalischen Gehversuche dient. Wenn auch einfach, so legt der Bühnenmeister dennoch Wert auf Authentizität. Die Tür, die der Original-Eingangstür der Micky-Bar nachempfunden ist, wartet bereits im Fundus. Bei der Planung musste Seibicke berücksichtigen, dass, der gesamte Aufbau auch im Theater in Vohenstrauß und Neunburg vorm Wald seinen Platz finden muss, denn die Bühnen unterscheiden sich von der Größe her. Mit etwa 40 bis 50 Bühnenteilen inklusive Requisiten rechnet Seibicke. Auch ein Elvis-Schriftzug und der Original-Schriftzug der "Micky-Bar" bereichern das Bühnenbild als Projektion. Überhaupt werde viel Licht im Spiel sein, weil sich damit grandiose Effekte erzielen ließen. "Das Stück lebt sehr vom Licht", strahlt der Bühnenmeister.

Etwa 20 Text- und Stellproben hätten die Akteure schon hinter sich gebracht und seien unter der Leitung von Regisseur Daniel Grünauer auf einem hervorragenden Weg, erklärt Florian Winklmüller. "In den kommenden Wochen geht es in die Vollen, wird es noch einmal hart."

Elvis "livehaftig"?


Bereits am 2. und 3. Oktober sind die ersten Kostümproben. Band und Sänger proben unabhängig von den Schauspielern im Probenraum des musikalischen Leiters Andreas Bauer. Ob Elvis denn als leibhaftige Figur auf der Bühne zu sehen sein wird, darüber halten sich die Verantwortlichen weiterhin bedeckt. "Er wird sicher zu hören und vielleicht, zumindest als Silhouette, auch zu sehen sein", verrät Winklmüller.

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Weitere Informationen:

www.theater-tirschenreuth.de

HintergrundWie konnte Elvis Presley als Junge aus einfachem Haus zur Ikone der globalen Popkultur werden? Dieser Frage geht der Nürnberger Experte Godehard Neumann am Dienstag, 4. Oktober, um 19 Uhr in der Stadtbücherei Tirschenreuth nach. Unterstützt wird Neumann vom Nürnberger Historiker und Autor des Buches "Sergeant Elvis Presley in Grafenwöhr", Peter Heigl. Der hat sich eingehend mit Elvis Presleys Zeit als Soldat in der Oberpfalz befasst.

Am Gespräch beteiligen sich außerdem der Autor des Stückes "Servus King", der Journalist Uli Scherr sowie der Leiter des Modernen Theaters Tirschenreuth, Florian Winklmüller. Zudem werden die drei Hauptdarsteller einen ersten musikalischen Vorgeschmack auf "Servus King" liefern. Der Eintritt ist frei.

Die neue Produktion des MTT "Servus King - Elvis in der Oberpfalz" hat am 5. November im Kettelerhaus Tirschenreuth Welturaufführung. Karten zu Preisen von 15 und 17 Euro (ermäßigt 12 und 14 Euro) gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen. Aufführungen sind jeweils um 20 Uhr:

Modernes Theater: Samstag, 5. November (Premiere), Tirschenreuth, Kettelerhaus Freitag, 11. November, Samstag, 12. November, Freitag, 18. November und Samstag, 19. November

Landestheater Oberpfalz: Samstag, 26. November, Stadthalle Neunburg vorm Wald sowie Donnerstag, 1. Dezember, Freitag, 2. Dezember, Samstag, 3. Dezember und Donnerstag, 8. Dezember in der Stadthalle Vohenstrauß. (tr)


Das urige Material lässt spannende Perspektiven zu.Pascal Seibicke
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