Chronist und Ratgeber

Das Bild zeigt Kanonikus Ludwig Mehler, der von 1816 bis 1872 gelebt hat. Dieses Gemälde ist Eigentum der Tuchfabrik Gebrüder Mehler Tirschenreuth. Repro: pol
Kultur
Tirschenreuth
27.02.2016
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Die Stadt Tirschenreuth gedenkt ihres Chronisten Kanonikus Ludwig Mehler. Zu Ehren seines 200. Geburtstags gibt es eine Sonderschau im Museum.

Als Ludwig Mehler am 7. März 1816 in Tirschenreuth das Licht der Welt erblickte, waren die Spuren des großen Stadtbrandes vom 30. Juli 1814 noch überall deutlich zu sehen. Auch das Haus seiner Eltern in der Schlossgasse 147 (heute Hörmanngasse) glich noch mehr einer Baustelle. Doch in der kleinen Werkstatt saß sein Vater schon wieder fleißig am Webstuhl, wie es viele Generationen der Familie Mehler vor ihm getan hatten.

In der Schule zeigte es sich bald, dass der kleine Ludwig das Zeug zum Studieren hatte. Nach dem Gymnasium in Amberg folgte ein Theologiestudium in Regensburg. Sehr zur Freude seiner Eltern erfolgte am 22. Juli 1840 die Priesterweihe. Das erste Messopfer feierte er am 9. August 1840 in der Stadtpfarrkirche Tirschenreuth. Ludwig Mehler war kaum ein Jahr Kaplan in Hirschau, als man ihn als Studienlehrer nach Regensburg abberief. Diese Tätigkeit übte er bis zum Jahr 1859 aus.

Während dieser Zeit verfasste Ludwig Mehler mehrere hundert Bücher, unter anderem Schriften mit Vorschlägen und Hilfestellungen zu Predigten. Sie sind bis heute aktuell. Am 3. November 1859 wurde ihm für sein unermüdliches Schaffen der Titel Kanonikus verliehen. 1868 wurde er der jüngste Kapitular und Dechant des Collegiats-Capitel; zuletzt war er Dekan an St. Johann zu Regensburg.

Anlässlich des 500-jährigen Bestehens der Stadt Tirschenreuth schenkte Ludwig Mehler 1864 seiner geliebten Heimat eine umfassende Stadtchronik. Das Buch ist ein wertvolles Nachschlagewerk für alle, die sich mit der Geschichte der Stadt näher befassen.

Viel zu früh verstarb Kanonikus Ludwig Mehler am 11. April 1872 im Alter von nur 56 Jahren. Bei der Trauerfeier im unteren katholischen Friedhof in der Alfons-Auer-Straße in Regensburg sprach einer seiner langjährigen Wegbegleiter die zutreffenden Worte: "Der unendliche Fleiß, den er seinen schriftstellerischen Arbeiten zuwendete, war wohl auch die Ursache seines allzu frühen Todes und man kann mit Wahrheit von ihm sagen, dass er einer Wachskerze glich, die sich selbst verzehrte, um anderen zu leuchten."

Aus Dank und Anerkennung für seine Verdienste brachte man kurz nach seinem Tod eine Steintafel an der Fassade des Tirschenreuther Rathauses an. Noch heute erinnert eine Tafel im Eingangsbereich an ihn. Außerdem trägt eine Straße im Gebiet Ziegelanger seinen Namen: Kanonikus-Mehler-Straße.

SonderausstellungAnlässlich des 200. Geburtstages von Kanonikus Ludwig Mehler findet im Museumsquartier vom 3. März bis 10. April 2016 eine Sonderausstellung statt, die vom Historischen Arbeitskreis Tirschenreuth unter der Leitung von Franz Krapf zusammengestellt wurde. Am Montag, 29. Februar, wird in der Klosterkirche St. Kunigund (heute Fatima-Kirche), deren Mitstifter Mehler war, um 8 Uhr eine Messe für ihn gelesen.
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