Der Schlossberg bei Waldeck verbindet Geologie, Historie und Natur
Königliche Aussichten

Ein hölzerner Wehrgang lädt den Besucher dazu ein, die Burgruine näher kennenzulernen.
Kultur
Tirschenreuth
07.10.2016
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Der Blick schweift weit ins Land hinein, der mächtige Rauhe Kulm ist am Horizont erkennbar.

Sie soll eine der schönsten Burgen der nördlichen Oberpfalz gewesen sein. Von der Festung sind heute allerdings nur noch Ruinen über - Ruinen, in denen aber dennoch seit einigen Jahren wieder reges Leben einkehrt.

Fast schon majestätisch thront die Ruine am Horizont, von weitem schon ist zu erkennen, dass der Schlossberg bei Waldeck im Landkreis Tirschenreuth etwas ganz Besonderes ist. Den 641 Meter hohen Schlossberg zu erkunden lohnt sich, denn der kurze Rundweg mit Schautafeln gibt nicht nur historische und geologische Einblicke.

Wer den höchsten Punkt der Ruine erreicht hat, dem bietet sich auch ein unvergleichlicher 360-Grad-Panoramablick über die Region, der weit über das Kemnather Land hinausgeht und die ganze Schönheit der Gegend mit ihren Ortschaften, Wäldern, Hügeln und Gewässern offenbart. Start ist am Parkplatz am Fuße des Schlossberges. Von dort geht es einige hundert Meter auf einem Schotterweg entlang, erst ganz eben, dann leicht ansteigend. Der Schlossberg wird auf diese Weise erst einmal zur Hälfte umrundet.

Die Landschaft in der Gegend ist geprägt vom Vulkanismus - und auch der Schlossberg ist vulkanischen Ursprungs. Allerdings - das erfährt der Wanderer gleich zu Beginn der kurzen Wanderung auf einer Schautafel - handelt es sich nicht um einen ehemals feuerspeienden Vulkan, sondern um einen Kegel aus Basalt: dieser hat sich vor rund 20 Millionen Jahren durch die tektonischen Bewegungen im Zuge der Auffaltung der Alpen gebildet.

Lager für Lebensmittel


Vorbei geht es an in jüngster Zeit wieder aufgedeckten Kellergewölbe unter der Burg Waldeck: Diese dienten in der Vergangenheit vor allem als Speicher- und Lagerorte für Lebensmittel und andere Güter. Einige Gänge dienen heute als Biotop und Lebensraum von Fledermauskolonien. In der Vergangenheit regten die Stollen und Gewölbe auch die Fantasie der Bevölkerung an und es entsponnen sich einige Sagen und Legenden darum. Wer den Blick nach einigen Minuten rechts nach oben richtet, dem präsentiert sich die Burgruine von ihrem prächtigen Antlitz: Dies ist auch der Punkt, wo der Schotterweg verlassen wird und es über einen "Trampelpfad" serpetinenmäßig steil nach oben geht.

Je nach Tag und Witterung passiert man einige Schafe und Ziegen, die sich am Hang des Schlossberges offensichtlich sehr wohl fühlen und dort die "Gartenarbeit" erledigen. Durch einen steinernen Torbogen wird schließlich die ehemalige Burganlage betreten. Die beiden markanten "Hingucker" sind der Glockenturm und das außergewöhnliche Kreuz. Hierbei handelt es sich um die revitalisierte St. Ägidius-Kapelle, deren Glocke im Jahr 2015 vor Ort in Waldeck gegossen wurde und wenige Wochen später den bischöflichen Segen bekam.

Die Burgkapelle St. Ägid bestand schon seit dem frühen 12. Jahrhundert. In der Kapelle wurden die heiligen Messen gelesen, Taufen und Eheschließungen abgehalten. Der erste Todesgottesdienst wurde 1599 abgehalten. Eine selbständige Pfarrei wurde Waldeck erst 1690, somit war die Burgkapelle von 1674 bis 1704 die erste Pfarrkirche Waldecks. Mit dem Spanischen Erbfolgekrieg und der nachfolgenden "Demolierung" der Festung endet auch die Geschichte der Burgkapelle als Pfarrkirche, es folgten Zerstörung und Plünderung.

Geschichte erforschen


Der Heimat- und Kulturverein Waldeck hat es sich seit einigen Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Burg Waldeck zu erforschen sowie Freilegungen und Rekonstruktionen vorzunehmen: Neben der Ägidiuskapelle ist dies auch an der Ruine zu sehen, die mit dem Anblick beispielsweise Mitte der 90er Jahre nicht mehr zu vergleichen ist. Was es historisch mit den einzelnen Teilen der ehemaligen Burg auf sich hat, kann der Besucher an den entsprechenden Schautafeln nachlesen, die meisten von ihnen sind neben Deutsch auch in tschechischer und englischer Sprache verfasst.

Wer mit Smartphone unterwegs ist, kann sich auch zusätzliche Informationen über QR-Codes holen. Und natürlich sollte auch der Kernbereich der früheren Burg über eine freigelegte Steintreppe sowie einen neu errichteten hölzernen Wehrgang inspiziert werden. Herrliche Ausblicke ergeben sich zum Rauhen Kulm, zum Armesberg, zum Anzenstein, auf den Markt Waldeck, in den Steinwald oder auch weit ins Bayreuther Land hinein. Entsprechende Sitzgelegenheiten laden zum Picknick oder einfach nur zum Naturgenießen ein.

Der Weg zurück führt über einen steilen Schotterweg nach unten in Richtung Parkplatz. Je nach Laune kann aber auch der Hinweg als Rückweg genutzt werden beziehungsweise der Rundweg in entgegengesetzter Richtung gewandert werden.



Tipps zur RouteAnreise
Aus Richtung Weiden kommend, empfiehlt sich die Anfahrt über die B22 in Richtung Bayreuth. Bei Waldeck links abbiegen und in den Markt hineinfahren. Unmittelbar nach dem Friedhof erneut links abbiegen, Beschilderung folgen und nach wenigen Hundert Metern hat man den Parkplatz erreicht. Wer mit dem Auto aus Richtung Amberg kommt, folgt der B 299 bis Pressath, wo die Hauptstraße nicht verlassen wird, sich aber der Name in Staatsstraße 2665 ändert. Weiter geht es in Richtung Kemnath/Marktredwitz: In Kemnath einbiegen in die B 22 Richtung Weiden und der Straße folgen bis Waldeck.

Gastronomie
Die Einkehr kann beispielsweise im Landgasthof "Goldener Engel", im Landgasthof "Zum Hirschen" (beide im Markt Waldeck) oder im Gasthof Waldfrieden im benachbarten Hahneneggaten erfolgen. Ein weitergehendes gastronomisches Angebot erwartet die Besucher in Kemnath (5 km) oder in Erbendorf (9 km).

Informationen
Ausführliche Informationen zum Schlossberg, seiner Geschichte und seiner Gegenwart gibt es im Internet unter www.markt-waldeck.de. Dort ist auch das umfangreiche Wanderwegenetz enthalten, in das der Schlossberg integriert ist.
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