Erich Werner überlässt Stadt große Ikonen-Sammlung
Neue Fachabteilung "Ikonen" eröffnet

Monika Werner und Bürgermeister Franz Stahl durchschnitten das Band, das den Zutritt der neuen Fachabteilung "Ikonen" symbolisch versperrte.
Kultur
Tirschenreuth
29.12.2015
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Der Drachentöter, der Heilige Georg auf einer rumänischen Ikone von 1931.

Erich Werner ist nicht nur ein bekannter Ikonen-Maler, er sammelt die Kunstwerke auch mit Leidenschaft. Nun hat er seine Schätze als Dauerleihgabe der Stadt Tirschenreuth überlassen. Und die hat dafür im Museumsquartier ein eigenes Schatzkästchen geschaffen.

40 Originale sind im Obergeschoss zu bestaunen. Wegen Krankheit konnte der Sammler bei der Segnung der neuen Abteilung nicht selbst dabei sein. Vertreten wurde er von Ehefrau Monika.

Der neue Ausstellungsraum grenzt direkt an den Präsentations-Bereich der Plan-Weseritzer an. Gestaltet hat ihn Architekt Erich Hackel vom gleichnamigen Atelier aus München. Er ließ sich dabei von der Bibel inspirieren und arbeitete mit viel Symbolik. Teile der Präsentationsflächen sind so aufgebaut, dass sie an Kreuze erinnern. Die meisten Unikate sind in Schaukästen entlang der vier Wände zu finden. Hackel arbeitete dabei mit Spezialgläsern, so dass praktisch keine Spiegelung das ungetrübte Sehen auf die wertvollen Kunstwerke trübt, egal, von wo aus sie der Besucher anschaut. Jede Ikone ist mit einer Erklärung versehen - ausführlich - aber keineswegs überladen.

Schlüssiges Bild


Jedes Unikat hängt so, dass nichts anderes die Sichtachse stört. Spotbeleuchtung dort, wo es für die Wirkung notwendig ist und flächiges Licht, welches das Gesamtkonzept als schlüssiges Bild erscheinen lässt, wechseln sich dabei ab oder ergänzen sich. Die Texte für die Beschriftung hat Dr. Josef Paukner aus Regensburg zusammengestellt, der das Museumsquartier von Anfang an mit konzipiert hat.

Sammelleidenschaft


Die größte Ikone misst 45 mal 54 Zentimeter, die kleinste 10 mal 12 Zentimeter. Jahrzehnte lang habe ihr Ehemann diese Schätze gesammelt, erklärte Monika Werner bei der Ausstellungseröffnung. Auf Antiquitätenmärkten in Tirschenreuth, Weiden, Pfaffenhofen und in ganz Tschechien bis Prag sei er fündig geworden.

Eine regelrechte Sammelleidenschaft habe ihn überfallen, die etwa zehn Jahre gedauert habe. Mittlerweile habe er auch die entsprechenden Expertisen zu seinen Schätzen. Damit die neue Fachabteilung überhaupt geschaffen werden konnte, erklärte sich der Heimatkreis Plan-Weseritz bereit, sein Archiv zu räumen. Das wurde zwischenzeitlich im Städtischen Kindergarten untergebracht, so Bürgermeister Franz Stahl. Im Haushalt 2015 seien 40 000 Euro für die neue Abteilung veranschlagt. Das Stadtoberhaupt freute sich, dass die Kosten für Planung, Grafik, Schreiner-, Trockenbau-, Maler- und Elektroarbeiten innerhalb dieses Kostenrahmens geblieben sind. Mit der neuen Fachabteilung habe die Stadt einmal mehr ganz besondere Akzente im musealen Bereich gesetzt. Die Segnung der Ikonen-Abteilung leitete der evangelische Pfarrer Ralph Knoblauch mit einer Lesung aus dem ersten Johannes-Brief ein. Stadtpfarrer Georg Flierl erklärte, dass es darin nicht um eine theoretische Idee ginge, sondern dass mit der Menschwerdung das Heil, das Gott in die Welt sendet, sichtbar, spürbar und berührbar werde.

Ein Herzensanliegen


Ikonen mit den entsprechenden Abbildungen hätten deshalb Berechtigung, weil eben Gott in der Menschwerdung durch Jesus Christus ein konkretes Bild von sich gegeben hat: "Wer mich sieht, sieht den Vater." Daraus resultiere die Berechtigung, die Geschehnisse der Heilsbringung nicht nur ins Wort, sondern auch ins Bild zu setzen. An Monika Werner gerichtet sagte der Regionaldekan: "Wir sehen hier Bilder der Heilsgeschichte und der Erlösung. Vergelt's Gott dafür." Monika Werner überbrachte die Grüße ihres Ehemannes. Es sei ihm ein Herzensanliegen gewesen, die wesentlichen Teile seiner außergewöhnlichen und wertvollen Sammlung in guten Händen zu wissen und gleichzeitig möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

Erich Werner und die KunstGemalt hat Erich Werner schon immer. Mit Bildern aus der Egerländer Heimat in außergewöhnlichen Farben machte er genauso auf sich aufmerksam, wie mit abstrakten großflächigen Ölgemälden. Ikonen sammelte er schon lange. Vielleicht war es deshalb nur eine Frage der Zeit, dass er sich selbst mit dieser Technik auseinandersetzt. Ikonen, Kreuze und Flügelaltäre, alle nach der Ikonenmaltechnik hat er zuhauf gefertigt. "Ich bin dabei sehr bibelfest geworden", sagt Werner. Denn seit er sich mit der Ikonen-Malerei beschäftigt, tut er das auch mit dem "Buch der Bücher". Seine Bilder um das Leben Jesu, der Gottesmutter Maria und der Heiligen, sind nicht nur oberflächliche Darstellungen, sondern sehr detailreiche Ausführungen. Und dazu brauche es Hintergrundwissen, das nur die Heilige Schrift vermitteln könne. Zu jedem seiner Bilder hat Erich Werner ganze Abhandlungen geschrieben. Irgendwann hat er einfach losgelegt, nach dem Motto "Das wird schon klappen". Schnell kam die Ernüchterung, musste er sich eingestehen, dass das so nichts wird. Der Zufall kam ihm zu Hilfe. Als er das Ikonenmuseum im Schloss Autenried bei Günzburg an der Donau besuchte, lag dort ein Flyer vom Slawischen Institut München aus, in dem auch Ikonenmalkurse in Hofberg bei Landshut beworben wurden. Werner fackelte nicht lange und meldete sich an. Das war 2002. Vom dortigen Erzbischof Boris Rothemund ist die Urkunde unterzeichnet, die bescheinigt, dass Erich Werner "ein hervorragender Ikonenmaler und Vergolder ist". (tr)
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