Gedichtband über Krankheit
Sabine Müller stellt Gedichtband über Krankheit vor

In "Sabrinas Maske" gewährt Sabrina Müller, hier im Fischhofpark in Tirschenreuth, viele Einblicke in ihre kranke Seele. Bild: Grüner
Kultur
Tirschenreuth
01.12.2016
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Sabrina Müller ist psychisch krank. Immer wenn sie auf Menschen trifft, setzt sie eine unsichtbare Maske auf, erzählt sie. Sie weiß, dass das fast alle tun. Nur bei ihr äußere sich das ganz anders als bei den meisten.

Gedichte schreiben hilft ihr dabei, ihre Ängste in den Griff zu bekommen. Jetzt hat sie ihren zweiten Gedichtband herausgebracht, und der heißt sinnigerweise auch "Sabrinas Maske". Die junge Frau leidet an einer psychischen chronischen Erkrankung. Das 88-seitige Werk enthält 53 neue Gedichte. Den Einband hat ihre Freundin Nadine Rösch gestaltet.

Eine Abrechnung


Müller erzählt in dem Werk nicht nur von schwarzen Tagen. Es gäbe durchaus Zeiten, wo sie sich gut fühle. Dann sieht sie die Schönheit der Jahreszeiten und schreibt darüber. Auch ein Loblied auf ihre Heimatstadt Tirschenreuth ist im Dialekt an so einem Tag entstanden. Viel Raum widmet sie ihrer Katze, dem lebendigen Wesen, das ihr zugelaufen ist.

Aber im Kern bleibt auch der neue Band eine Abrechnung mit der Krankheit, die sie von Kindesbeinen an quält, und die sie wohl nie verlassen wird. "Die Krankheit kann nur mit Medikamenten im Zaum gehalten werden, in meinem Fall wohl ein Leben lang", resigniert die Autorin. "Mit Menschen, denen man ihre körperliche Behinderung ansieht, können die sogenannten ,Normalen' besser umgehen als mit psychisch Kranken", ist Müller überzeugt. "Man sieht mir halt in keinster Weise an, was gerade in meinem Innersten vorgeht.

Der neue Gedichtband ist in zehn Kapitel unterteilt: "Krankheit", "Wut und Hass", "Drogengeschichten", "Gesellschaftskritik", "Musik", "Tiere sind Freunde fürs Leben", "Gedichte im Dialekt", "Trauergedichte", "An meine Lieben" und "Jahreszeiten und Feiertage".

",Sabrinas Maske' habe ich das neue Buch genannt, weil ich meine Maske immer aufsetze, sobald ich die Wohnung verlasse, auch wenn es mir hundsmiserabel geht. Manchmal bricht alles über mich herein, dennoch grüße ich zum Beispiel noch ganz freundlich. Keiner soll sehen, wie es mir wirklich geht - und ganz ehrlich - das will auch keiner."

Manchmal rutsche die Maske vom Gesicht ab und so sei es schon passiert, dass sie weinend im Supermarkt stand und nicht weiter wusste. "Einmal hatte ich eine Panikattacke in einem total überfüllten Zug. Ich fragte den Schaffner zitternd und weinend, ob ich für eine Weile in der 1. Klasse fahren darf, dass es mir sehr schlecht geht, dass ich eine Panikattacke habe. Ich durfte es nicht!

Alle Menschen in dem Zug haben mich entweder angestarrt oder weggesehen. Nur eine Frau kam zu mir her und bot mir Hilfe an. Die Menschen haben keinen Bock auf Dramen. Ich denke, das liegt daran, weil die meisten nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Sie haben auch Vorurteile gegenüber psychisch Kranken. Für viele sind wir faul, simulieren nur, sind dumm."

Sabrina Müllers Freundeskreis sei karg und die, die dazuzählen seien selbst psychisch angeschlagen. "Untereinander verstehen wir uns einfach besser. Auch da gibt es Konflikte und Missverständnisse, aber weniger als bei Kontakten zu den Normalen", erzählt sie.

Schlimme Vorgeschichte


"Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Vorgeschichte. Meine ist traurig und schlimm. Andere Menschen haben mich psychisch krank gemacht, ich kann nichts dafür. Ich könnte mir Besseres vorstellen, habe mir das nicht ausgesucht.

Ich wünsche mir, für einen Tag mit jemandem, der mich nicht versteht, die Köpfe zu tauschen. Dann wären die Vorurteile schnell weg. Nur in meinen Gedichten lasse ich die Maske fallen. Freilich ändert das nichts in mir. Aber vielleicht werden die, die sie lesen, etwas feinfühliger und schauen auch mal hinter die Fassade. Und vielleicht versuchen sie sogar zu helfen, wenn jemand einen Zusammenbruch hat."

Keiner soll sehen, wie es mir wirklich geht - und ganz ehrlich - das will auch keiner.Sabrina Müller


Auszug "Meine Maske"Wer bin ich und wer will ich sein? Bin ich Wahrheit oder nur Schein? Wer bin ich und wer will ich sein? Schlüpf' oft in eine Rolle rein. Will Gefühle überspielen An einem Tag von vielen. Ein ständiges Verstecken Und keiner darf's entdecken. Verwandeln wie im Karneval Eine Schauspielerei jedes Mal. Eine Komödie nach außen hin Ein Drama tief im Innendrin.

........... Und jetzt zurück, am Abend spät Frag' ich nach meiner Identität: Bin ich Wahrheit oder nur Schein Wer bin ich und wer will ich sein?

Buchhandel und Privat

Das Buch gibt es für 15 Euro bei Bürobedarf Weinmann in Tirschenreuth, im "BluKuCa" in Mitterteich und am Kiosk des Bezirkskrankenhauses Wöllershof. Bestellt werden kann es unter Telefon, 0151/57 82 45 91 oder per E-Mail: sgm198585@gmx.de.
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