Junge Luisenburg-Schauspieler bieten eindringliches Klassenzimmertheater
Eine Schulbank als Flüchtlingsboot

Die Schauspieler Rowan Blockey und Laura Puschek leisteten überzeugende Arbeit in der Klasse. Bild: hfz
Kultur
Tirschenreuth
16.03.2016
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Wie sich Fremde zwischen zwei Welten fühlen, ist auch mit wenigen Requisiten zu vermitteln. Die bewegende Darstellung der Schauspieler Laura Puschek und Rowan Blockey aus dem Ensemble "Junge Luisenburg" ermöglichte es den Schülern der 8. Jahrgangsstufe des Stiftland-Gymnasiums, sich durch das Theaterstück "Krieg: Stell dir vor, er wäre hier!" in die Situation von Flüchtlingen hineinzuversetzen.

Wenig Requisiten


Durch das Konzept "Klassenzimmertheater" sind die Schüler ganz nah am Geschehen, nämlich 50 Minuten mittendrin, da die Schauspieler nicht auf einer Bühne stehen. Eine Schulbank ist das Flüchtlingsboot. Auf dem Whiteboard werden Gesichter von Betroffenen skizziert oder, ihrem Schicksal entsprechend, ausgelöscht. Der Fußboden und ein Eimer mit Wasser, zum Trinken oder zur Fertigung einer Wasserbombe als Ersatz für einen Stein, werden zu Requisiten für immer wieder neue Schauplätze.

Flucht aus Deutschland


Die Textgrundlage stammt von der dänischen Autorin Janne Teller aus dem Jahr 2004. Beschrieben wird das Schicksal eines 14-jährigen Jungen aus Deutschland: Es ist Krieg in Europa, die Menschen leiden unter faschistischen Diktaturen. Der einzige Weg, ein neues Leben in Sicherheit zu beginnen, ist die Flucht in den Nahen Osten. So fliehen die Eltern des Jungen nach Ägypten. Gerade dieser Rollentausch ermöglicht ein intensives Einfühlen in die Thematik. Die Schüler erleben aus der Sicht des Jungen den Leidensweg von Asylsuchenden: im Flüchtlingslager, ohne Aufenthaltsgenehmigung und Anspruch auf schulische Bildung und Erlernen der neuen Sprache, ohne die kein sozialer Kontakt und keine Arbeit möglich sind. Die Familie hat mit Vorurteilen, Ausgrenzung und Überheblichkeit im Aufnahmeland zu kämpfen. Trotz eines gewissen Wohlstandes, nach einiger Zeit erreicht, wollen die Deutschen wenigstens kurz wieder "nach Hause". Aber dort fühlen sie sich auch nicht mehr daheim - sie sind fremd zwischen zwei Welten.

An dieser Stelle werden die Schüler direkt integriert. Sie schreiben auf, was sie alles mit "Zuhause" verbinden. Sprachlich wird die Identifikation mit den Asylsuchenden intensiviert durch die durchgängige Du-Form des Textes: "Du gewöhnst dich an Armut und an die große Hitze. Daran, als Mensch dritter Klasse betrachtet zu werden, gewöhnst du dich nie!" Zur Unterstützung der Dramaturgie hatte die Theaterpädagogin der Luisenburg-Festspiele, Anna Spitzbart, Musik ins Spiel gebracht: Uwe Pleschke gelang es, Situationen mit der Gitarre oder durch bloßes Pfeifen intensiv darzustellen.

Europa-Hymne und Blues


Mitreißend gesungen von Schauspieler Rowan Blockley war die Europa-Hymne als immer leiser werdendes Symbol der verlassenen Heimat. Blues ertönte für das triste Lagerleben, arabische Musik für den Neuanfang in Ägypten. Den beeindruckenden Rahmen für das Stück bildet ein deutsches Volkslied aus dem 19. Jahrhundert. Für das Auswandererlied "Aber wohin?" hatte das Ensemble einen passenden Text kreiert: "So verlässt du Land und Leute, es gibt nichts, was dich noch hält, um dem Terror zu entfliehen, dafür zahlst du sehr viel Geld. Und wenn du auf dem Meer dann schwimmst, Menschenmassen im selben Boot, und wenn du dem Tod nur knapp entrinnst, ahnst du nicht, was dir noch droht."

Nach einigen theaterpädagogischen Übungen waren sich die Teilnehmer einig: Das Klassenzimmertheater zeigte die Problematik Krieg und Flucht, Ausgrenzung, Fremde und Heimat eindrucksvoll auf.
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