Kunstvolle Klosterarbeiten
Von Reliquienverzierung zur Volkskunst

Eine moderne Klosterarbeit nach dem Vorbild des Prager Jesulein.
Kultur
Tirschenreuth
13.01.2016
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Diamanten, Rubine, Saphire und Smaragde finden sich derzeit zuhauf im Sonderausstellungsraum des Museums für Porzellan, Glas und Handwerk. Der Schein trügt. Die "Edelsteine" sind aus buntem Glas. Sie dienen der Verzierung zahlreicher Klosterarbeiten.

Mitterteich. Hans Lindner und Astrid Bauer aus Pechofen zeigen noch bis 31. Januar historische und neue Arbeiten. Astrid Bauer fertigt seit zehn Jahren selbst Klosterarbeiten und steuert bei der Präsentation mit etwa 100 Unikaten die Moderne bei. Hans Lindner sammelt seit 30 Jahren und zeigt Kunstwerke aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Astrid Bauer kam eigentlich über die Sammelleidenschaft ihres Nachbarn Hans Linder zur Klosterarbeit. Vor zehn Jahren bot Monika Fritsch aus Hessenreuth einen entsprechenden Kurs in der Landwirtschaftsschule in Tirschenreuth an. Maria, die Ehefrau von Hans Lindner, und Astrid Bauer nutzten die Gelegenheit, meldeten sich an und sind seither jedes Jahr bei beim Kurs dabei.

Jeden Tag beschäftigt


Das ist und war Astrid Bauer aber viel zu wenig. "Ich war schon nach der ersten Kursstunde süchtig", erklärt sie ihre Leidenschaft zu Klosterarbeiten. Seither vergeht praktisch kein Tag, an dem sie nicht in irgendeiner Form damit beschäftigt ist. "Das ist meine Berufung" unterstreicht sie ihren Enthusiasmus. Eine Werkstatt in dem Sinn braucht sie dafür nicht. Der Wohnzimmertisch ist meistens die Arbeitsfläche. "Das hat den Vorteil, dass ich dabei auch Fernsehen kann." Zur Seite steht ihr dabei ihre "bessere Hälfte", Siegfried Sommer, der die Rahmen, die Schachteln oder Holzkästchen für die fertigen Arbeiten baut.

Hans Lindner ist seit 30 Jahren leidenschaftlicher Sammler. Seine Schätze trug und trägt er auch heute noch auf hochwertigen Antiquitätenmärkten zusammen. Solche gäbe es in Bamberg und in Regensburg. "Dort wird man immer fündig und auch die Preise sind nicht überzogen", verrät er. Mit etwa 50 Unikaten steuert er der Präsentation im Museum einen Teil seiner Sammlung bei.

Frater Adalbert Eder


Klosterarbeiten dienten ursprünglich zur Verzierung von Reliquien, weiß Hans Lindner. Hauptsächlich wurden sie von Klosterfrauen gefertigt. Aber auch Mönche stellten sie her. Der bekannteste war wohl Frater Adalbert Eder (1707-1777) aus der Waldsassener Abtei. Die sogenannte "Edertechnik" ist nach ihm benannt. Von ihm stammen viele Klosterarbeiten in der Basilika und im Kloster Waldsassen, zum Beispiel der Grabschmuck der Heiligen Leiber. Aktuell betreibt das Kloster mit Schwester Agnes seine eigene Paramentenstickerei. Dort werden zum Beispiel Priestergewänder gefertigt. Aber auch Vereinsfahnen entstehen hier oder werden restauriert.
Ich war schon nach der ersten Kursstunde süchtig.Astrid Bauer
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