Modernes Theater mit neuer Eigenproduktion
Elvis zurück in der Oberpfalz

Daniel Grünauer (links) und Uli Scherr sind die Autoren des Stücks, das in Tirschenreuth uraufgeführt wird - eine Weltpremiere. Grünauer zeichnet auch für die Inszenierung verantwortlich. Bilder: privat (1)/ T. Lauber
Kultur
Tirschenreuth
04.03.2016
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Daniel Grünauer (links) und Uli Scherr sind die Autoren des Stücks, das in Tirschenreuth uraufgeführt wird - eine Weltpremiere. Grünauer zeichnet auch für die Inszenierung verantwortlich. Bilder: privat (1)/ T. Lauber

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Im Herbst meldet sich das Moderne Theater Tirschenreuth (MTT) mit einer Eigenproduktion zurück. Welturaufführung ist in Tirschenreuth. Anschließend ist das Stück in verschiedenen Orten in der Region zu sehen.

Dabei steht kein Geringerer als Elvis Presley im Mittelpunkt des Geschehens. Allerdings ist der King des Rock'n'Roll, während der Aufführung nicht auf der Bühne zu sehen. Denn "Servus King", so der Arbeitstitel, ist weder eine Biografie über das Idol mehrerer Generationen noch dessen Aufenthalt in Deutschland. Wenngleich historische Bezüge und einige Geschichten zu Elvis in der Oberpfalz den Tatsachen entsprechen.

Im Herbst 1958 kommt der GI Elvis Presley nach Deutschland und leistet in Grafenwöhr seinen Wehrdienst ab. Dort oder in jedem anderen x-beliebigen Ort in der Oberpfalz ist auch die Geschichte angesiedelt. Held ist nicht der amerikanische Superstar, sondern drei Jungs aus dem Ort.

Rock'n'Roll als Ventil


Kirchweihsonntag des Jahres 1958: Eine biedere Unterhaltungsband spielt Schlager, zu der die Dorfjugend genauso brav tanzt. Auch weil Pfarrer und Lehrer scharf auf die Sittlichkeit achten. Bierselige Kriegsheimkehrer ertränken ihre Erinnerungen und schimpfen auf "den Russen". Ein jovialer Bürgermeister, der schon zu NS-Zeiten am Ruder war, sonnt sich in seiner Popularität. Lediglich ein paar "Neger-GIs" vom nahen US-Stützpunkt stören die Postkartenidylle. Dann entern die drei jugendlichen Dorfrebellen die Bühne, schnappen sich die Instrumente und stimmen einen ganz anderen Sound an...

So beginnt das Stück, dass die Geschichte der drei jungen Freunde erzählt, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen. Sie träumen vom Ausbruch, wollen endlich raus aus der kleinbürgerlichen Welt, aus dem strengen Elternhaus und dem von Alt-Nazis regierten Dorf. Die "große weite Welt" ist ihr Ding. Das Ventil dafür der Rock'n'Roll. Mit Ihrer Rockabilly-Band covern sie die Songs ihrer amerikanischen Idole. Sie nutzen die Musik, um ihr eigenes Schicksal und ihre Träume zu reflektieren. Und ganz nebenbei verzaubern sie bei Schulbällen und beim Kirchweihfest die Mädchen (oder versuchen es) und provozieren die spießige Erwachsenenwelt. Der Traum vom Aufbruch wird mit einem Schlag konkret, als sie einem ihrer Idole, dem damals größten Star des Rock'n'Roll ganz nahe kommen. Elvis ist in der Oberpfalz. Die Mädchen drehen durch, die Erwachsenen schütteln den Kopf. Wie es mit den drei Freunden weitergeht? Die Antwort gibt es bei der Premiere.

Als Autoren für das Schauspiel mit Musik zeichnen Uli Scherr vom Bayerischen Rundfunk und Daniel Grünauer, leitender Schauspieldramaturg und Regisseur am Theater Ulm, verantwortlich. Produziert wird es vom MTT in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Oberpfalz (LTO). Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Andreas Bauer aus Falkenberg. Der studierte Schlagzeuger zeichnete bereits für die Erfolgsproduktion "Cash" des MTT musikalisch verantwortlich.

Alles live


Die drei Helden des Stücks sind bei dieser Produktion doppelt gefordert. Nicht nur, dass sie als Schauspieler fungieren. Für die Anfangsszene müssen sie auch als Musiker bestehen. Aus den eigenen Reihen oder aus denen des LTO ließen sich die jungen Männer rekrutieren, ist sich Florian Winklmüller, Vorsitzender des MTT, sicher.

Wie bereits erwähnt ist Elvis kein einziges Mal auf der Bühne zu sehen. Die Figur agiert gewissermaßen als Spirit des Lebensgefühls der Hochzeit des Rock'n'Roll in den 1950er und 60er Jahren. Zu Gehör kommt er aber wohl, genauso wie die anderen damaligen Helden der Jugend, zum Beispiel Bill Hayley, Jerry Lee Lewis oder Little Richard. Natürlich werden auch sie live interpretiert. Nichts kommt aus der Konserve.
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