Modernes Theater mit neuer Produktion
Rock'n'Roll ist mehr als sein King

Die drei "Buddyboys" von links, Alexander Ernst, Felix Werner und Dominik Boll.
Kultur
Tirschenreuth
06.08.2016
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Bis 20. August will Bühnenbildner Pascal Seibicke (Zweiter von links) aus Hamburg den Entwurf für das Bühnenbild abliefern. Mit auf dem Bild Regisseur Daniel Grünauer (links) sowie von rechts, Bühnenbauer Anon Beer und Intendant Florian Winklmüller, der auch den Bürgermeister im Stück spielt. Bilder: tr (4)

"Der Vorverkauf läuft gut", freut sich Regisseur Daniel Grünauer. Seit zwei Wochen laufen die Proben für "Servus King - Elvis in der Oberpfalz". Neue Schauspieler sind zu sehen, die bisher noch nie im Modernen Theater Tirschenreuth (MTT) auf der Bühne standen.

Die Produktion zusammen mit dem Landestheater Oberpfalz ist das bisher größte Projekt des MTT und kostet in etwa 60 000 Euro.

Der Zimmermannslehrling Hans (Johnny) Birner ist Chef der "Buddyboys". Seinen Part auf der Bühne übernimmt der Waldsassener Dominik Boll. Der Bassist und Sänger, weiß, wie man sich auf einer Bühne präsentiert. Schauspielerei ist für ihn neu. Genauso wie für seine Kumpels Felix Werner (Leadgitarre) aus Ottengrün, der den Ludwig (Lugg) Rötzer verkörpert und Alexander Ernst aus Maiersreuth als Schlagzeuger "Muskel" Jendraschewski.

Das packen wir


Die drei jungen Musiker spiel(t)en in allen möglichen Bands, hatten bisher aber mit Elvis nichts am Hut. Ihre musikalischen Vorlieben orientieren sich eher an Iron Maiden oder In Flames. Als Schauspieler sind alle drei Neulinge, "aber das packen wir", sagen sie äußerst selbstbewusst. Im vergangenen Jahr haben sie eher zufällig mit Florian Winklmüller vom MTT zusammengespielt. Der fragte ein halbes Jahr später bei den Jungs an, ob sie sich vorstellen könnten auch Theater zu spielen. Sie konnten und jetzt pauken sie Musik und Text für "Servus King - Elvis in der Oberpfalz". Um was geht es? Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf in der nördlichen Oberpfalz im Herbst 1958. Die Gemeinde feiert den Kirchweihsonntag. Eine Unterhaltungskapelle spielt Schlager, die Dorfjugend tanzt dazu. Bierselige Kriegsheimkehrer ertränken ihre Erinnerungen. Ein jovialer Bürgermeister (Florian Winklmüller), der schon zu NS-Zeiten am Ruder war, sonnt sich in seiner Popularität. Postkartenidylle pur. Dann kommt es zum Eklat, drei Jugendliche, die Dorfrebellen entern die Bühne und stimmen einen ganz anderen Sound an. So beginnt das Schauspiel mit Musik in fünf Bildern von Uli Scherr. Die drei Freunde an der Schwelle zum Erwachsenwerden träumen vom Ausbruch aus ihrer kleinbürgerlichen Welt des katholischen Bayern, dem strengen Elternhaus und dem von Alt-Nazis regierten Dorf. Sie träumen von der großen weiten Welt. Als Ventil nutzen sie den Rock'n'Roll. Mit ihrer Rockabilly-Band covern sie die Songs ihrer amerikanischen Idole, deren Sehnsüchte sie teilen. Sie nutzen die Musik, um ihr eigenes Schicksal und ihre Träume zu reflektieren, verzaubern ganz nebenbei bei Schulbällen und beim Kirchweihfest die Mädchen (oder versuchen es zumindest) und provozieren die spießige Erwachsenenwelt.

Am Scheideweg


Der Traum vom Aufbruch wird mit einem Schlag konkret, als sie einem ihrer Idole, dem damals größten Star des Rock'n'Roll ganz nahe kommen. Elvis Presley ist in der Oberpfalz. Die Mädchen drehen durch, die Erwachsenen schütteln den Kopf. Aber der "King" bleibt ein Phantom. Nur selten kommt es zu Begegnungen mit der Bevölkerung, dann berichten die Leute von einem schüchternen, brav gescheitelten jungen Mann, dem der Rummel um seine Person peinlich zu sein scheint. Die drei Freunde bekommen Zweifel am Rock'n'Roll und seinen Verheißungen. Jeder von ihnen steht am Scheideweg: Hier die vertraute Geborgenheit der Heimat, dort das Abenteuer...

Persönliche Begegnung


Aber dann begegnen die drei ihrem großen Idol am Ende tatsächlich noch persönlich. Und sie sind dabei, wenn der King in der legendären Micky-Bar in Grafenwöhr das (historisch verbürgte) einzige (weil inoffizielle) Konzert seiner Karriere außerhalb Amerikas gibt.

Weitere Informationen:

www.theater-tirschenreuth.de/

ServiceDer Vorhang für die Uraufführung hebt sich am Samstag, 5. November, 20 Uhr im Kettelerhaus in Tirschenreuth. Weitere Aufführungen dort, am Freitag, 11., Samstag, 12. November sowie Freitag, 18. und Samstag, 19. November. Tickets für Tirschenreuth gibt es bei der Tourist-Info der Kreisstadt unter Telefon 09631/600-248. Am Samstag, 26. November (20 Uhr) ist das Stück in der Stadthalle in Neunburg vorm Wald sowie am 1., 2., 3., und 8. Dezember in der Stadthalle in Vohensauß zu sehen. Karten für Neunburg und Vohenstrauß gibt es bei NT-Ticket.de und beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice, Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de. Das Stück soll auch in Grafenwöhr gespielt werden. (tr)


Ich rechne mit 20 bis 30 Probentagen.Regisseur Daniel Grünauer
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