Opern- und Ballettfreunde aus dem Stiftland fahren regelmäßig ins Nachbarland
Zum „Freischütz“ nach Pilsen

Kultur
Tirschenreuth
16.03.2016
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Von Maximilian Schnurrer

Tirschenreuth. Eine mittlerweile mindestens 50-köpfige Enthusiastenschar aus dem Stiftland fährt ungefähr alle sechs Wochen mit dem Bus in die Oper oder das Ballett nach Pilsen. Dem Leitungsteam gehört auch die landeskundige Kreisheimatpflegerin Ingrid Leser an, die nicht nur für Neubeteiligte auf manch verstecktes böhmisches Juwel auf der Busreise hinweist.

Zunächst geht es ins Pilsener "Slovan" zu einem im Bus ausgewählten Vor-Abendessen, um dann entweder in die Alte oder in die Neue Oper auf 19 Uhr hin zu wandeln. Die Pilsner Opern- und Ballett-Ensembles sind von europäischem Niveau wie auch die Pilsener Orchester. Da viele Besucher aus dem benachbarten Bayern zu den Aufführungen kommen, werden tschechische Opern, wie vor einigen Monaten "Libuse" (Libussa) von Smetana, während der Aufführung mit deutschen Untertiteln über der Bühneneinfassung versehen. Der lange Bestand dieser stiftländischen Opernbesucherschar belegt allein schon die Beliebtheit der Pilsener Aufführungen.

Ein Höhepunkt war vor einigen Tagen eine Aufführung der deutschen Oper "Freischütz" von Carl Maria von Weber im Neuen Pilsener Theater, das wegen seiner modernen Vorderfront mit kreisrunden Loch-Leuchtflächen mittlerweile den Volksnamen "Emmentaler" für sich erkoren hat. Zunächst herauszuheben ist die Tatsache, dass es für Pilsen eine Selbstverständlichkeit ist, dass Opern und Operetten in Originalsprache gesungen werden, in diesem Fall also in deutscher Sprache auf hervorragendem phonetischen und nahezu färbungsfreien Level, das heißt prima verständlich für deutsch-bayerische Ohren.

Mit einem weichen Sopran brillierte "Agathe" (Petra Alvarez-Simková); ebenso war der fulminante Tenor des "Max" (Richard Samek) ein akustischer Leckerbissen. Das Bühnenbild wirkte konzentriert ohne "Schnick-Schnack" und beförderte um so deutlicher die Opernhandlung in den Vordergrund. Reichlicher Zwischenapplaus nach den zu Herzen gehenden Arien (die bekannteste "Leise, leise fromme Weise") und ein grandioser Schlussbeifall ließ der Begeisterung in dem vollen und akustisch ausgefeilten Haus freien Lauf. Die nächste Fahrt ins Romeo-und-Julia-Ballett (Prokofiev) steht bereits im April bevor.

Bedenkt man, dass Pilsen für die Stiftländer die nächstgelegenen Opernhäuser bietet, so lässt sich leicht schließen, dass für die nordostbayerischen Musikkulturbeflissenen neben dem regionalen Angebot unter anderem eines Stiftland-Kammerorchesters, eines Tournee-Musiktheaters und eines Kammerchors - alle der Kreismusikschule Tirschenreuth verbunden - sowie eines Basilikachores Musik, Ballett und Theater auf Spitzenniveau in Pilsen bei bequemem Fahr- und günstigem Finanzaufwand genossen werden können.
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