Plößberger Krippenschnitzer laden zum zehnten Krippenparadies ein
Herbergssuche aktuell wie nie

Kultur
Tirschenreuth
16.12.2015
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Die Adventszeit stimmt seit jeher auf Weihnachten ein. Dieser ursprüngliche Gedanke ist in unserer hektischen Zeit Vielen abhanden gekommen. Weihnachten ist längst zum Event verkommen. In Plößberg im Landkreis Tirschenreuth ist das anders.

Die Einkaufszentren mit ihrer schillernden Glitzerwelt suggerieren uns, dass Weihnachten bereits im Oktober beginnt. Im Advent steigert sich das Fest um Christi Geburt dann gänzlich zum Event. Weihnachtsmärkte, die an Bürgerfeste erinnern, kitschige Dekos in den Vorgärten und Häuserfassaden mit lebensgroßen Weihnachtsmann-Puppen, die die Fassaden hochklettern, sollen auf das Fest einstimmen.

Der ehemalige Tirschenreuther Landrat formulierte diese sogenannte staade Zeit einmal so: "Jetzt hetzen wir wieder von einer Besinnung zur nächsten." Mit Weihnachten hat das alles nichts zu tun.

Gibt es sie außerhalb der eigenen vier Wände eigentlich noch, die staade Zeit? Ja und eine feine Adresse dafür ist der kleine Ort Plößberg. Dort existiert fast in jedem Anwesen eine Hauskrippe, teilweise seit 200 Jahren. Alle fünf Jahre bauen die ihre Besitzer im Kultursaal auf um die Öffentlichkeit an dieser tiefen Volksfrömmigkeit teilhaben zu lassen.

Seit 50 Jahren


Seit 50 Jahren ist das so, heuer zum zehnten Mal. Immer ist dabei der ganze Ort damit beschäftigt eine Ausstellung zu bauen, die aus jedem Vergleich als Gewinner hervorgeht. Das belegt die Aussage des Welkrippen-Verbandsvorsitzenden Johann Dendorfer: "Krippen gibt es überall auf der ganzen Welt, aber so hervorragend präsentiert wie in Plößberg, werden sie nirgends.

"Es sind Bilder tiefen Glaubens, die den Besuchern hier gezeigt werden", sagt der Sprecher der Krippenfreunde im Oberpfälzer Waldverein, Hubert Haubner. Gerade mal bei 15 Prozent der Deutschen sei das Wissen um die Geburt Christi und der Reise der drei Könige aus dem Morgenland zum Stall von Bethlehem noch ein Begriff. "Deshalb sind die Plößberger Krippen auch eine Art gelebte Bibel", sagt Haubner, der bereits die dritte große Ausstellung organisiert hat.

32 große Landschaftskrippen, bevölkert von insgesamt 8000 Figuren, sind diesmal zu bestaunen. Die größte ist mit 20 Quadratmetern die Rath-Krippe. Die meisten Figuren beherbergt die Gerl-Krippe mit etwa 650 Teilen. Die "Mannla" in den Krippen beschränken sich bei weitem nicht nur auf die bekannten Hauptdarsteller wie Josef und Maria, das Christuskind, Ochs und Esel und die Heiligen Drei Könige.

Das Gros der Darstellungen vermittelt viel vom ländlichen Leben im Stiftland und speziell in Plößberg. Bäuerliche Arbeiten, wie sie in früheren Zeiten an der Tagesordnung waren fanden zuhauf Platz in den Hauskrippen. Handwerker in oder vor ihrer Werkstatt, Buben, die am Dorfweiher angeln, Jäger mit ihren vierbeinigen Begleitern, Kinder am Dorfbrunnen, Frauen, die im Bach die Wäsche waschen, Müller mit schweren Mehlsäcken auf den Schultern und viele mehr sind da zu sehen.

Auch menschliche Charaktere spiegeln sich in den Darstellungen wider. Da gibt es den Brückenschleicher, der sich verstohlen umdreht und schaut, ob ihm keiner folgt. Er verkörpert den Angsthasen. Eindeutig auch das Liebespaar unter dem Apfelbaum beim Schäferstündchen oder der Bärentanz, der symbolisiert, wie jemand einen anderen an der Nase herumführt und schließlich der Goaßreiter, der den Lausbuben zeigt und den Schlotfeger, der Glück symbolisiert.

Aktuell wie nie, sind angesichts der vielen Flüchtlinge im Land die Darstellungen der Herbergssuche, die praktisch in jeder Krippe vorhanden sind. Um die Ausstellung in vollen Zügen genießen zu können, empfiehlt Hubert Haubner eine Führung. Die ist kostenlos, dauert etwa eine Stunde und findet während der normalen Öffnungszeiten ständig statt. Ideal wäre es, wenn sich zum Beispiel mehrere Familien als Gruppe anmelden, empfiehlt er. Das ist im Internet oder unter Telefon 09636/92 48 18 möglich. Zehn Krippenprofis stehen für die Führungen zur Verfügung. Sie werden auf die jeweilige Gruppe zugeschnitten. Eine für Fachleute sei ganz anders als eine für Familien mit Kindern.

Die Plößberger Krippenschauen sind mit die bestbesuchten Ausstellungen in der Gegend und weit über die Region hinaus und sogar im Ausland bekannt. Bei der letzten Präsentation vor fünf Jahren waren 18 000 Besucher da. Die kamen aus ganz Deutschland, England Amerika, Tschechien, Polen und eine Familie sogar aus Australien.

Mit Sternenhimmel


Für die zehnte Krippenschau haben sich die Verantwortlichen einmal mehr etwas ganz Besonderes einfallen lassen, was das Ambiente betrifft. Das Grundgerüst bildet dabei eine nachgebaute Karawanserei. In den Stallungen im unteren Teil der Herberge sind, überbrückt von Kaskadenbögen, die großen Krippenlandschaften integriert.

Das Obergeschoss, in der bei einer echten Karawanserei die Wohnräume sind, ist aufwendigen Lichtinszenierungen vorbehalten. Über der Herberge suggerieren große blaue Stoffbahnen, die von oben mit kleinen LED-Birnchen beleuchtet sind, den nächtlichen Sternenhimmel über der Szenerie.

Dass die Fassade der Ausstellung perfekt zur gegenwärtigen Situation passt, in der Tausende von Flüchtlingen eine Herberge in Deutschland suchen, ist natürlich Zufall. Die Pläne für den Aufbau sind bereits seit drei Jahren fertig. Die Idee dazu ist sogar schon viereinhalb Jahre alt. Den Einbau der Teile beschreibt Haubner als gigantischen Aufwand.

Ort steht dahinter


Aber die Plößberger stehen hinter ihrer Krippenschau und so mangelt es nicht an freiwilligen Arbeitskräften. Für den Aufbau der riesigen Landschaften hat der Bautrupp wieder jede Menge Wurzeln, Moos und Baumschwämme gesammelt.

Die Mitglieder der Schnitzergruppe haben natürlich im Hinblick auf das Jubiläum extra fleißig gewerkelt. "Da hat sich jeder was Besonderes einfallen lassen und so manches neue "Stückl", so heißen die Figuren im Fachjargon geschaffen. Außerdem sind erstmals die Lindner- und die Tretter-Krippe, letztere mit Figuren von Reinhold Hösl, zu bestaunen.

Öffnungszeiten und PreiseDie zehnte Plößberger Krippenschau dauert vom 29. November bis 10. Januar 2016.

Geöffnet ist sie montags bis freitags von 13 bis 21 Uhr sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 10 bis 21 Uhr. Ab 25. Dezember ist die Präsentation täglich von 10 bis 21 Uhr zu besichtigen.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 4,50 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre 2 Euro und für Gruppen ab 25 Personen pro Teilnehmer 4 Euro.

50.000 Flyer werben in deutscher, englischer und tschechischer Sprache für die Krippenausstellung.
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