Spaziergang durch Ateliers heimischer Künstler: Klaus Suchanek
„Hier stellt aus, der Suchanek Klaus“

Seit 20 Jahren ist Klaus Suchanek im Ruhestand. Jetzt tritt er auch bei seinem Lieblings-Steckenpferd, der Malerei, kürzer. Das betrifft aber nur die Ausstellungen. Zuhause greift er nach wie vor zu Pinsel und Leinwand und lässt seiner Fantasie freien Lauf. Seine letzte Einzelausstellung mit einem Querschnitt seines Schaffens ist derzeit im Museum für Porzellan, Glas und Handwerk in Mitterteich zu sehen. Bilder: Grüner (6)
Kultur
Tirschenreuth
05.11.2016
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Klaus Suchanek hat eine spannende Karriere als Maler hingelegt. Heuer ist er 80 Jahre alt geworden. Noch bis 13. November läuft seine letzte Einzelausstellung im Museum für Porzellan, Glas und Handwerk in Mitterteich. Das Malen an sich hängt er aber keineswegs an den Nagel.

Mangels Spielzeug begann er als Kind damit Logos der Bundesligavereine zu malen. Nicht einfach abgemalt hat er zum Beispiel den Löwen von 1860 München oder das Kleeblatt von Greuther Fürth, sondern hat sie als Karikatur verewigt. Später nahm ihn der Vater mit, der war Dekorateur, und Klaus malte erste Hintergründe für Schaufensterdekorationen. Im Stiftland ist er vor allem bekannt für seine großflächigen Hintergründe, die er für Sportgalas oder Theater- und Musicalaufführungen produziert hat. Bei Gemeinschaftsausstellungen war er immer leicht auszumachen, denn über seine Bilder schrieb er stets: "Hier stellt aus der Suchanek Klaus".

Am 17. März 1936 erblickte Klaus Suchanek in Oppeln in Oberschlesien das Licht der Welt. Neun Jahre war er alt, als die Familie im Februar 1945 flüchtete. Gelandet sind die Suchaneks damals in Neudorf bei Konnersreuth. Bis 1959 lebte die Familie dort. Klaus und sein sechs Jahre jüngerer Bruder Peter gingen in Konnersreuth zur Schule.

"Damals habe ich auch die Konnersreuther Resl kennengelernt", erzählt er. "Sie war ja Pferdeliebhaberin, hatte ihr eigenes Pony, das sie bei dem Bauern eingestellt hatte, bei dem wir wohnten. Sie hat mir immer einen Kaugummi geschenkt, wenn ich dabeistand, wenn sie mit unserem Vermieter fachsimpelte." Als Suchaneks Vater aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, eröffnete er einen sogenannten ambulanten Handel. Mit dem Leiterwagen zog er umher und verkaufte alles mögliche. Bezahlt wurde er mit Naturalien. "Deshalb mussten wir nie Hunger leiden."

Dann eröffnete der Vater ein "stationäres" Geschäft am Papierer-Eck in Waldsassen. In der Klosterstadt machte Klaus Suchanek mit 14 Jahren die Mittlere Reife in der Knaben-Mittelschule. Mit der Währungsreform ging das Geschäft des Vaters in Konkurs. Der besann sich auf seinen Beruf als Dekorateur und arbeitete in der Region dann als solcher. Dabei machte Klaus erste eigene Erfahrungen mit der Großflächenmalerei.

Große Liebe saß gegenüber


Nach seiner Schulzeit bekam er 1953 in der Porzellanfabrik Bareuther eine Lehrstelle als Porzellanmaler. Praktisch für ihn, denn er musste nur über die Straße gehen und war schon in der Arbeit. Und noch etwas kam ihm entgegen. Gegenüber arbeitete seine heutige Ehefrau Annemarie. Und so kam es, wie es kommen musste. 1958 führte er sie vor den Traualtar. Drei Töchter und ein Sohn komplettieren heute die Familie.

Die nächste Station führte die Suchaneks nach Schwandorf. Klaus arbeitete dort in der Zweigstelle der Arzberger Porzellanmanufaktur "Kala". 1964 beschloss Klaus Suchanek: "Ich werde Polizist." Er absolvierte die Anstellungsprüfung in Nürnberg und war danach ein dreiviertel Jahr beim Anstellungslehrgang in Würzburg, dann ein halbes Jahr bei der Inspektion in Nabburg und schließlich zwei Jahre auf der Polizeischule in Rothenburg ob der Tauber. Ab 1966 war Klaus Suchanek dann 30 Jahre bei der Polizeiinspektion Tirschenreuth, die letzten zehn Jahre vor seiner Pensionierung als Kontaktbereichsbeamter in Mitterteich. 20 Jahre leistete er Schichtdienst und hatte keine Zeit zum Malen.

Der alten Leidenschaft frönte er erst wieder, als er in Mitterteich war. Verantwortlich dafür ist eigentlich Anni Rößler, die damals im Vorzimmer des Bürgermeisters arbeitete und den Malkreis mitbegründete. Bei einem Gespräch lud sie Klaus Suchanek ein. So war er zwei Jahre beim Mitterteicher Malkreis, bevor er den Tirschenreuther Kunstschaffenden beitrat. Die nennen sich aktuell "Kunstverein Tirschenreuth".

Irgendwann wurde er von Brigitte Kreuzer entdeckt, der Leiterin des heutigen gleichnamigen Chores. Tochter Nicole Suchanek sang damals im Chor der Kreismusikschule, den ebenfalls Brigitte Kreuzer leitete. Als der Chor einen großflächigen Hintergrund für ein Adventsspiel brauchte, kam Klaus Suchanek ins Spiel.

"Papa, könntest du uns den Stall von Bethlehem malen", fragte sie damals. Klar, dass der Papa mit "Ja" antwortete, obwohl er zu der Zeit keinen Plan hatte, wie er das bewerkstelligen könnte. Gewünscht war eine Kulisse von 2,5 mal 2,5 Meter. Bettlaken und Tischdecken brachten nicht den gewünschten Erfolg. Dann die Idee: "Die Rückseiten von Tapeten könnten geeignet sein." Und das waren sie auch. Mit Restbeständen auf dem Dachboden übte Klaus Suchanek und sah sofort, dass das funktioniert. Mit Klebeband fixierte er die Bahnen nach Bedarf und konnte jetzt jede gewünschte Größe liefern.

Auf allen Vieren


Auf allen Vieren krabbelte er auf dem Dachboden herum und malte jahrelang Hintergründe für Veranstaltungen des Männergesangvereins, der Faschingsgesellschaft Tursiana, der Turngemeinschaft Tirschenreuth, den TuS Mitterteich, das Moderne Theater Tirschenreuth und vielen anderen. "Ich habe mich selbst immer gewundert, wie ich das so zusammengebracht habe, das kam alles so aus dem Ärmel."

Das war viele Jahre die malerische Hauptbeschäftigung von Klaus Suchanek. Nur für die Jahresausstellungen des Kunstvereins arbeitete er in kleineren Formaten, in Öl, Aquarell und Acryl. So entstanden Blumen, Jagdmotive, Tiere und Stillleben.

Sie hat mir immer einen Kaugummi geschenkt.Klaus Suchanek über die Konnersreuther Resl
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