Von Lohnsitz in die weite Welt

Anna vor dem Traumschiff. Zwei Mal gehörte sie zum Showprogramm.
Kultur
Tirschenreuth
19.08.2016
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Anna Zant hat es vom Dorf in die große weite Welt geschafft. Die Musicaldarstellerin und Luftakrobatin, lebte in London und war auf dem Traumschiff engagiert. Aktuell agiert sie in Berlin und will sich danach in Südamerika künstlerisch vervollkommnen.

Lohnsitz/Berlin. Anna ist Lohnsitzerin. In dem beschaulichen Ort wuchs sie auf, ging in Tirschenreuth in die Grundschule, schrieb ihr Abitur im Stiftland-Gymnasium und machte erste musikalische Erfahrungen im zarten Alter von vier Jahren bei der musikalischen Früherziehung in der Kreismusikschule. Mit Fünf belegte sie dort Ballett und Flöte, lernte danach Gitarre und begann mit neun Jahren mit dem Klavierunterricht.

Das sei immer ihr Herzenswunsch gewesen, erzählt sie. . "Da bin ich unserer Nachbarin heute noch dankbar. Wir hatten nämlich keines zu Hause und ich durfte bei ihr üben, wann immer ich wollte. Mein Lehrer war damals Jakob Schröder, der heutige Leiter der Schule. Damals ahnte ich noch nicht, dass Musik und Tanz einmal mein Leben sein werden."

Unterricht im Kinderzirkus


Heute ist Anna Zant Diplom-Musical-Darstellerin und absolviert eine Fortbildung zur Luftartistin. Außerdem studiert sie im zweiten Semester Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität in Berlin. Ihre Intension: "Den Betriebswirt und die kreativen Jobs irgendwie unter einen Hut bringen." In der Bundeshauptstadt trainiert sie neben dem Studium, wann immer es die Zeit erlaubt, an der Internationalen Variete Akademie und unterrichtet beim "Katakids Kinderzirkus" junge Leute von 5 bis 15 Jahre.

Nach dem Abi ging Anna für sieben Jahre nach London. Ihr Ziel: "Englisch lernen und die Aufnahme an einer Musicalschule." Als Au pair kam sie im Juli 2008 bei ihrer Gastfamilie an und übernahm auch gleich den Geigenunterricht der sieben Jahre alten Ellie, der Tochter des Hauses.

"Die Aufnahmeprüfungen bei den Musicalschulen sind heftig. Etwa zehn gute Schulen gibt es dort. Die älteste in Großbritannien, die ,Italia Conti Akademie' hat mich genommen. Ich glaube, da war auch viel Glück dabei, spielte vielleicht auch der Ausländer-Bonus eine Rolle. Wir waren etwa 2000 Bewerber, 40 haben sie genommen." Im September 2009 begann das Studium.


YMCA und WG


Die Gastfamilie wanderte nach Afrika aus und Anna zog in eine Jugendherberge der "YMCA". Dort lebten viele, die sie von der Schule her bereits kannte. Danach gründete sie mit drei weiteren Schülern aus dem Jahrgang eine WG. Schon während des Studiums vermittelte die hauseigene Agentur der Schule ihre Schützlinge.

2012 bekam Anna den ersten Vertrag als Tänzerin beim "Classical Spectacular" mit dem London Philharmonic Orchestra in der Royal Albert Hall. Es folgten kleinere Jobs, zum Beispiel Commercial Spots, die auch noch richtig gut bezahlt waren. "Du musst halt der richtige Typ sein. Die ganze Szene läuft nur über Agenturen. Es gab auch viele Castings, aus denen nie etwas geworden ist. Du kriegst ein Script in die Hand und dann geht es gleich los und du wirst gefilmt. Das Ganze dauert vier Minuten und da sind Massen von Leuten, die alle diesen einen Job haben wollen."

Kein leichtes Brot


Charles Blyth ist Annas Lebensgefährte. Der Engländer tourt seit zwei Jahren mit dem "Whitehorse Theater" durch deutsche Schulen. Ein Projekt, das Schülern die englische Sprache näher bringt. "Vom Musical leben ist äußerst schwierig", sagt Anna. "Das geht nur, wenn du fest in einer großen Produktion bist. Aber auch da ist das Engagement meist auf zehn Monate limitiert."

Eigentlich mache hierzulande jeder Musicaldarsteller etwas nebenbei, sitze zum Beispiel an der Theaterkasse und verkaufe Tickets. "Das ist kein leichtes Brot. Man muss immer irgendwie Geld zusammenklauben."

Ihren bisher größten Job hat Anna selbst an Land gezogen, um dann sofort wieder in See zu stechen. Im Oktober 2012 war sie für sechs Monate auf dem Traumschiff Aida engagiert. Die Kanaren, Skandinavien, Island, Asien, Indien waren unter anderem Ziele. Drei Monate vor Beginn begannen die Proben in Hamburg. "Wir waren zwölf Leute aus elf Nationen", erzählt sie.


Auf dem Traumschiff


Auch im vergangenen Jahr war sie auf dem Schiff engagiert. Oman, Jordanien Sri Lanka, Türkei, Zypern und Griechenland hießen dabei die Ziele. "Wir traten jeden Abend für eine Stunde auf und probten am Nachmittag. Das waren eigene große Produktionen, eine Michael-Jackson- oder eine Schlager-Show. Anfangs wurde ich gerne seekrank. Mit der Zeit wird das besser, vor allem wenn dir jemand sagt, welche Tabletten wirklich helfen."

Das Traumschiff könnte sich Anna jederzeit wieder vorstellen. "Man muss sich alle Möglichkeiten offen halten." Anfang des Jahres hat Anna in Kolumbien einen Monat lang Luftakrobatik trainiert. "Südamerika ist wirklich ein Traum, hat eine sehr gute Szene was Akrobatik und Zirkus betrifft. "Ich bin sehr ehrgeizig, will auch ein gutes Studium absolvieren, das läuft bisher auch sehr gut. Ich sehe mich selbst mehr als Tänzerin, singe aber schon auch gerne."

2017 in der Region


Zusammen mit ihrem Freund hat sie schon mehrere Soloprogramme zusammengebastelt, mit denen das Duo in der Region bereits zu sehen war und auch wieder zu sehen sein wird. Nächstes Jahr ist Anna mit ihrer Luftakrobatik in der Burg Falkenberg zu sehen. In diesem Genre will sie auch einen Workshop in ihrer Heimat abhalten. Nach Südamerika will sie unbedingt zurück, wegen der Möglichkeiten bei der Luftakrobatik. "Da existiert eine Riesenszene."
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