Weihnachten wird bei den Flüchtlingen und Einwanderern gefeiert
"Fröhliche Weihnacht überall"

Serpil Yetisoglu ist Türkin, Ephrem Berhe Amdemichael kommt aus Eritrea. Die Teilnehmer am Orientierungskurs beschenkten sich zu Weihnachten gegenseitig mit guten Wünschen. Serpil ist Muslima, Ephrem Christ. Sie ist von "weißer" Hautfarbe, er von "schwarzer". Diese Unterschiede spielen keine Rolle. Alle haben sie die gleichen Wünsche und Hoffnungen.
Kultur
Tirschenreuth
23.12.2014
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"Fröhliche Weihnacht überall", heißt es in einem Lied. Doch das Fest, das eines der wichtigsten im Jahreslauf des christlichen Glaubens ist, wird längst nicht überall gefeiert. Dafür aber in Ländern, in denen man es eigentlich nicht vermutet.

Die Teilnehmer am Orientierungskurs der Volkshochschule, bei dem Flüchtlinge und Einwanderer neben der deutschen Sprache auch die Kultur kennenlernen und an Praxisbeispielen lernen, wie man sich in einem Supermarkt oder einer öffentlichen Bücherei zurechtfindet, haben ihren Kurs mit einer kleinen Weihnachtsfeier abgeschlossen.

Ihre Leiterin Alexandra Schwarz, erzählte dabei, wie Weihnachten in ihrer ehemaligen Heimat Polen gefeiert wird. Dass da immer ein Gedeck mehr auf dem Tisch steht als Gäste da sind. Ein Symbol für die Speisung der Seelen der verstorbenen Familienmitglieder.

Knoblauch gegen das Böse

Auf ein Blatt Papier hatten alle gute Wünsche für die anderen Teilnehmer aufgeschrieben, als Geschenk verpackt und die zusammengerollten Schriftstücke untereinander getauscht. In Tschechien und der Slowakei ist es Brauch, oben auf die Speisen eine Knoblauchknolle zu legen, um das Böse fernzuhalten. Mit Dracula, dem Fürsten der Finsternis, habe das aber nichts zu tun, versicherten die Teilnehmer aus den betroffenen Ländern.

Samoa ist ein Land, in dem man Weihnachten eher nicht vermutet. Vela Maiava kommt aus dem polynesischen Südseeparadies. Die 26-Jährige hat in ihrer Heimat Weihnachten als Kind erlebt. Auch da ist der geschmückte Tannenbaum Symbol für das Fest um die Geburt Jesu. Bis 1914 stand die Insel unter deutscher Kolonialherrschaft. Vielleicht sind deshalb fast 99 Prozent der Bevölkerung Christen.

Geschenke gibt es dort nicht oder nur ganz kleine. Traditionell wird auf der Insel an Weihnachten Fisch gegessen. Der Weihnachtskarpfen ist dann halt zum Beispiel eine Kaiserbrasse. Und am ersten Weihnachtsfeiertag spielen die Polynesier am Strand Volleyball.

Ina Sareika-Breskaya aus Weißrussland ist seit knapp zwei Jahren in Deutschland. Für die orthodoxe Christin bedeutet Weihnachten Treue, Liebe, Vertrauen und glauben an des Gute. Sie kennt das Weihnachtsfest ebenfalls aus ihrer Heimat. "Wir feiern aber nicht so groß und schön", wie in Deutschland. "So wie hier, feiern wir eher Silvester, also mit Tannenbaum und Geschenken."

Serpil Yetisoglu ist Türkin. Die Muslima hat das Weihnachtsfest erst in Deutschland kennengelernt. Ihr Ehemann ist ebenfalls Türke. Seit etwa acht Jahren feiert die Familie in kleinem Rahmen Weihnachten so wie wir. "Hauptsächlich wegen der Kinder, die das ja aus dem Kindergarten und der Schule kennen. Die bekommen dann auch Geschenke", sagt Serpil.

Der ÄthiopierBedasso Gutema Huluka ist seit drei Jahren hier, kennt als Christ Weihnachten aus seiner Heimat. Dort treffen sich am Heiligen Abend die Familie und die Nachbarn in der Kirche, beten zusammen und wünschen sich alles Gute für das kommende Jahr. Die Messe wird im Stehen gefeiert und dauert mehrere Stunden.

Kraft für die Zukunft

Najmun Nahar aus Bangladesch ist seit einem Jahr in Deutschland. In dem muslimisch geprägten Land gibt es kein Weihnachten. Am ehesten könne man das Fest Eid al-Fitr (Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan) damit vergleichen. Da gibt es Kleidung für alle, man isst zusammen und besucht sich gegenseitig. Maryna Fischer aus Weißrussland schöpft aus dem Weihnachtsfest Kraft für die Zukunft. "Da verbringe ich wunderschöne Tage mit der Familie, fühle mich glücklich und habe richtig Lust darauf, auf meinem Lebensweg weiterzugehen."

Dorota Tretter aus der Slowakei ist seit zehn Jahren in Deutschland. Für die evangelische Christin ist Weihnachten sehr wichtig. In der Slowakei wird an Weihnachten der ganze Tisch mit Essen voll gestellt. Zehn bis zwölf verschiedene Gerichte werden dabei aufgetragen. "Ganz wichtig ist, dass Fisch dabei ist." Außerdem gibt es viele Sorten an Plätzchen.

Kannika Wongslangdang kommt aus Thailand, ist mit einem Italiener verheiratet und seit sieben Jahren hier. Für sie bedeutet Weihnachten einfach eine schöne Zeit, vor allem, weil die ganze Familie zusammenkommt. "Das macht mich sehr glücklich".

Ganz nah bei Gott

Asha Jama Abdi aus Somalia lebt seit vier Jahren in Deutschland. Die Muslima vergleicht das Weihnachtsfest mit dem Ramadan-Fest. "Da fühle ich mich ganz nah bei Gott und kann mit der Familie zusammen sein." Veronika Schneider aus Tschechien lebt seit einem Jahr in Deutschland. Für sie ist die Weihnachten die schönste Zeit des Jahres. Sie erinnert sich dabei an ihre Kindheit und feiert Weihnachten mit ihrer Familie, wie es in Tschechien üblich ist. Der Weihnachtskarpfen und das Singen von Weihnachtsliedern gehören auf jeden Fall dazu.

Für Ephrem Berhe Amdemichael aus Eritrea ist Weihnachten deshalb etwas Besonderes, weil er da Freunde und Familie trifft und beim gemeinsamen Essen viel geredet wird. Thi Thanh Loan Trinh stammt aus Vietnam. Sie ist seit zwei Jahren in Deutschland. In ihrem Heimatland gibt es kein Weihnachten. Vom Feiern her kommt es am ehesten der Neujahrsfeier gleich.

Für Tetyana Schedl aus der Ukraine ist Weihnachten ein wichtiges Fest. Ein Brauch, den ihre Eltern an sie weitergegeben haben und den sie an ihre Kinder weitergibt. "Es ist eine wunderschöne Zeit." Eva Keller aus Tschechien ist seit zwölf Jahren hier und feiert Weihnachten mit der ganzen Familie. Außerdem backt sie für ihr Leben gerne Plätzchen.
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