2000 Euro Bußgeld für Metzgermeister wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz
Keine Ruh' wegen Kuh

Lokales
Tirschenreuth
13.11.2015
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Im Saal 128 des Amtsgerichts Tirschenreuth ging es am Freitagvormittag um eine Kuh. Angeklagt waren ein Metzgermeister und Viehhändler aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN (38) und ein Landwirt aus dem Landkreis Tirschenreuth (56) wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die Staatsanwältin Carina Spörl warf ihnen vor, dem Rind vom Verkauf bis zum Schlachthof unnötige Qualen zugefügt zu haben.

Zwei Rinder gekauft

Der Metzgermeister hatte am 14. April zwei Kühe bei dem Bauern gekauft. Eine davon litt an einem Beckenbruch. Davon wollen beide Angeklagten allerdings nichts bemerkt haben. Die Tiere wurden auf einen Hänger gebracht. Der Viehhändler transportierte die Kühe zu seinem Betrieb. Dort wollte eine Tierärztin die Lebendbeschau vornehmen. Als sie die Trennwand im Hänger öffnete, sei die Kuh zusammengeklappt.

Die Ärztin habe die sofortige Schlachtung angeordnet. "Ich habe gesehen, dass das Becken hochsteht", beschrieb sie Richter Thomas Weiß den Zustand des Tieres. Dass die Kuh im Hänger eingeklemmt gewesen sei und dadurch noch mehr Schmerzen haben könnte, bestritt der Metzgermeister vehement. Auch, dass die Kuh schon vor dem Transport gelitten habe. "Ich habe gesehen, wie sie im Stall aufgestanden ist." Bei der Fleischbeschau am nächsten Tag habe die Ärztin Hämatome, Muskelrisse und ein stark zertrümmertes Becken bemerkt. "Die Verletzung hat frisch ausgesehen", sagte sie. Wann genau sich die Kuh diese zugezogen hat, konnte die Veterinärin nicht sagen. Für sie war allerdings klar, dass das Tier schon mit enormen Schmerzen und gebrochenem Becken transportiert wurde.

Der Rechtsanwalt des 56-jährigen Landwirts, Marc Steinsdörfer, teilte dem Richter mit, dass sein Mandant massiv belastet sei, weil er sich wegen Beihilfe verantworten muss. Er habe im Laufstall morgens lediglich bemerkt, dass die Kuh von der Herde umringt gewesen und von selbst aufgestanden sei. Die Asymmetrie der Hüfte habe er schon gesehen. "Ich habe die Kuh aber ganz genau abgesucht, sehr gründlich", berichtete der Landwirt. Ein leises Knirschen habe er bemerkt, da die Kuh aber keine Anzeichen von Leiden gezeigt habe, habe er sich nichts dabei gedacht. Der Richter wollte von der zweiten Zeugin, einer Amtstierärztin des Landratsamtes Tirschenreuth, wissen, wie solche Knochenbrüche entstehen können. "Tiere reiten aufeinander auf", entgegnete sie. Bei rutschigem Boden könnten sie hinfallen. "Kann so etwas in einem Viehtransporter passieren?", hakte der Richter nach. "In dem Fall nicht", antwortete die Amtstierärztin. Der Landwirt habe ein Knirschen gehört, das sei typisch dafür, dass die Knochen voneinander gelöst seien und aneinander reiben würden.

"Mit Verlaub", schaltete sich Anwalt Steinsdörfer ein. Wenn eine Ärztin erst nach der Schlachtung so eine Verletzung erkenne, "wie soll ein Landwirt das feststellen?" Die Kuh sei laut seines Mandanten selbst in den Hänger gestiegen und quer zur Fahrtrichtung gestanden. Das sei so üblich. Hätte das Rind nicht mehr von selbst gehen können, hätte man einen Kran und einen Bauchgurt benötigt. Beides war nicht im Einsatz. Hanns Bayer, Rechtsanwalt des Metzgermeisters, fügte hinzu, dass seinem Mandanten die Vorgehensweise der Lebendbeschau bekannt war und er sich nicht absichtlich in eine solche Situation bringen würde.

Bauer akzeptiert Bußgeld

Weil für den Richter nicht auszuschließen war, dass die Verletzung erst während des Transportes passiert ist und der Landwirt den Umfang des Knochenknirschens falsch eingeschätzt hatte, habe er laut Weiß nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig gehandelt. Das Gericht verurteilte den Metzger zu einem Bußgeld von 2000 Euro. Damit schrammte er an einer Vorstrafe vorbei. Darüber herrschte unter den Ärztinnen, die das Verfahren vom Zuhörerbereich aus verfolgten, Unmut. Gegen den Landwirt wurde das Verfahren eingestellt. Er hatte vom Landratsamt Tirschenreuth bereits einen Bußgeldbescheid über 590 Euro akzeptiert.
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