Ambulant vor stationär

Die Herausforderungen beim Thema Pflege wachsen. Das wurde bei einem Besuch der Verdi-Senioren mit Vorsitzendem Manfred Haberzeth (rechts) bei der AOK deutlich. Pflegeberaterin Evelin Schrems (links) informierte über Details. Bild: hfz
Lokales
Tirschenreuth
07.10.2015
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Das Thema Pflege stellt die Menschen zunehmend vor Probleme. Steigende Kosten und immer weniger Jüngere, die sich um immer mehr Ältere kümmern müssen, sind gravierende Aspekte. Die Verdi-Senioren informierten sich bei der AOK-Direktion.

Vor 20 Jahren wurde die Pflegeversicherung eingeführt. Seit dieser Zeit gab es viele gesetzlichen Verbesserungen für Betroffene, deren Angehörige und die Pflegenden. Da es oft schwer fällt, all diese Rechtsgrundlagen auch in die Praxis umzusetzen, wollte sich der Seniorenausschuss der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi professionell beraten lassen.

Dazu fand in der AOK Tirschenreuth eine Informationsveranstaltung statt. Die AOK habe in der Region mit einem Versichertenanteil von 60 Prozent eine führende Rolle, betonte Direktor Klaus Lill. Pflege sei nicht nur ein Thema der älteren Versicherten. Vielmehr könne dieses Schicksal jede Altersgruppe treffen. So versorge alleine die Tirschenreuther Direktion 1451 Versicherte mit entsprechenden Leistungen.

Pflegeberaterin Evelin Schrems gab einen näheren Einblick. Die einschlägigen Pflegegesetze orientierten sich am Grundsatz ambulant vor stationär, unterstrich sie. In allen Fällen sei für die Leistungen die Pflegestufe wichtige Voraussetzung. Der medizinische Dienst erlasse durch Begutachtung vor Ort einen Bescheid. Je nach Pflegestufe stünden bis zu 1612 Euro zur Verfügung. Eingeführt wurde ein eigenes Budget für Tages- und Nachtpflege sowie eine Härtefallregelung. Die einzelnen Leistungen seien flexibel einsetzbar. So könnten Teile für eine Kurzzeitpflege umgewandelt werden.

Für die stationären Einrichtungen verwies die Pflegeberaterin auf die Verbesserung des Personalschlüssels auf jetzt 1:20. Detailliert stellte sie auch die einzelnen Betreuungsleistungen dar und zeigte die Inhalte des neuen Pflegestärkungsgesetzes auf, das 2016 in Kraft treten soll. Auch ist geplant, die Zahl der Pflegestufen zu erweitern. Nach den Vorträgen setzte eine lebhafte Diskussion ein. Besonders gefragt dabei waren Erklärungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, den Kriterien für hauswirtschaftliche Dienstleistungen sowie vielen Begrifflichkeiten - zum Beispiel, was unter körperlichen Einschränkungen zu verstehen ist.

Manfred Haberzeth, der Vorsitzende der Verdi-Senioren in der Nordoberpfalz, wies auf Herausforderungen wie die Schieflage bei der Finanzierung der Pflege, aber auch die regionale demografische Entwicklung hin. Das Thema Pflege wird seiner Ansicht nach an Schärfe zunehmen, weil sich die Balance zwischen Jung und Alt zunehmend verändere und der Finanzbedarf erheblich steige.
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