Angst ein schlechter Ratgeber

Der Sprecherrat des Netzwerks "Aktiv gegen Rechts" mit (von links) Rainer Fischer, Thomas Döhler, Regionaldekan Georg Flierl und Arno Speiser von der Regionalen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus. Bild: bz
Lokales
Tirschenreuth
07.08.2015
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Die Flüchtlingswelle rollt. Und an Stammtischen und in Internetforen machen nicht immer gastfreundliche Parolen die Runde. Da wissen die einen angeblich von "Anbaggern unserer Frauen" und ansteckenden Krankheiten, die anderen von Markenklamotten und Luxus-Handys. Signale, die aufhorchen lassen. Und sie kommen nicht allein vom rechten Rand.

Rassistische und menschenfeindliche Strömungen macht seit geraumer Zeit auch das Netzwerk "Aktiv gegen Rechts" aus. Vor fünf Jahren gegründet, weil hier im Landkreis neonazistische Kleingruppen mit Aufmärschen und Konzerten rechter Bands und Liedermacher vor allem eine jugendliche Klientel gesucht hat, machen heute eher "diese blöden Sprüche aus der Mitte der Gesellschaft" Sorgen, wie es Arno Speiser formuliert.

Die hört und liest der regionale Berater gegen Rechtsextremismus mittlerweile immer öfter von ansonsten unbescholtenen Familienvätern und braven Hausfrauen. "Da werden mit Vorurteilen plötzlich neue Feindbilder aufgebaut." Freilich weiß auch Regionaldekan Georg Flierl von den Ängsten und Sorgen vieler Menschen vor dem Unbekannten, das mit der Asylproblematik auf sie zukommt. "Aber Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber." Flierl verweist auch auf das Grundgesetz. "Wir haben da einen Auftrag zu erfüllen. Nicht umsonst genießen politisch Verfolgte das Recht auf Asyl."

Die Leute mitnehmen, sie mit Fakten und Hintergrundwissen zu versorgen, das ist auch ein Anliegen von Rainer Fischer, einem der Sprecher des Netzwerks. "Wir müssen Transparenz unter die Menschen bringen." Und da sieht Thomas Döhler auch die große Politik in der Pflicht. "Wenn es heißt, wegen der Mehrausgaben für Flüchtlinge und Asylbewerber können wir jetzt dies und das nicht fördern, dann schürt das nur die Vorurteile."

Die wollen Arno Speiser und seine Mitstreiter abbauen. Nicht mit großen Demonstrationen auf der Straße, sondern mit gezielten Aktionen. Etwa indem sie Mo Asumang in die Schulen holen, zu einer Lesung am 7. Oktober mit der Schriftstellerin und Zeitzeugin Dagmar Nick einladen oder im Spätherbst Peter Ohlendorf, den Autor des Films "Blut muss fließen", erzählen lassen.

Das Netzwerk hofft aber vor allem auf Aktionen von Vereinen, Gruppen, Organisationen oder auch von Zivilpersonen. Dabei geht es nicht allein gegen Rechtsextremismus, sondern auch gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit ganz allgemein.
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