Anruf aus Kanada

Vorige Saison spielte der Oberpfälzer Maximilian Gläßl (links) in der Junioren-Eishockeymannschaft von Red Bull Salzburg. Jetzt wechselte der 18-Jährige nach Kanada. Dort läuft er im Trikot der Moncton Wildcats auf. Bild: RedBull/GEPA
Lokales
Tirschenreuth
09.07.2015
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Endlich wieder mal zuhause. Maximilian Gläßl genießt mit seinen Eltern und Schwester Annika das kleine Grillfest im schattigen Garten der Stieglmühle. Plötzlich meldet sich das Handy, fast im Sekundentakt. Eine Nachricht nach der anderen kommt an - alles Glückwünsche. Allerdings weiß der 18-Jährige zunächst nicht, warum?

(eg) Karin, Uwe und Annika Gläßl sind glücklich. Endlich hat Maximilian Zeit, wieder im Elternhaus auf der Stieglmühle bei Waldershof (Landkreis Tirschenreuth) vorbeizuschauen. Aber der Aufenthalt ist nur kurz. Beim Grillen kommt der Anruf, dass der kanadische Eishockeyverein Moncton Wildcats den 18-Jährigen Oberpfälzer haben will.

"Schon am nächsten Morgen saß Maximilian im Flugzeug", sagt Vater Uwe. "Wir haben uns gewundert, dass das Handy nicht mehr stillstand. Alle gratulierten Maximilian, dass er gedraftet wurde. Er selbst hat es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst." Wenige Stunden nach dem Grillfest geht es für den Nachwuchs-Eishockeyspieler schon Richtung Kanada. Leistungstest und Gesundheitscheck stehen als erstes auf dem Programm. "Es war natürlich alles neu für Maximilian", sagt Uwe Gläßl. "Aber das ist er ja längst gewohnt." Der 18-Jährige muss in Kanada neben Training und den Spielen ein College besuchen. "Wenn sie 10 Stunden oder mehr mit dem Bus unterwegs sind, wird eben dort unterrichtet", weiß der Vater.

Immer in den Play-offs

Momentan bereitet sich die Mannschaft im Sommertrainingslager in Fredericton auf die Saison vor. Der neue Arbeitgeber des Oberpfälzers, Moncton Wildcats, will in einer der drei besten Nachwuchsligen Nordamerikas wieder vorne mitmischen. Seit 2008 sind die Monctons immer in die Play-offs eingezogen, 2010 holten sie sich die Meisterschaft. "Natürlich freue ich mich, gezogen worden zu sein. Im Mutterland des Eishockeys, in der höchsten Junioren-Liga spielen zu dürfen ist eine große Ehre für mich", sagt Maximilian Gläßl in einem Interview bei Hockeyweb. Zusammen mit dem Oberpfälzer wechselt auch der Straubinger Wiederer zu den Moncton Wildcats. Die beiden kennen sich von der U18-Nationalmannschaft.

Gläßl beginnt als Vierjähriger beim EHC Stiftland in Mitterteich mit dem Eishockeyspielen. Mit neun wechselt er zu den Selber Wölfen, mit 13 zum EV Regensburg, mit 16 nach Finnland. "Er musste natürlich die Sprache lernen und hat nebenbei an einer deutschen Schule noch seinen Realschulabschluss gemacht", sagt Uwe Gläßl. In Helsinki überzeugt der Verteidiger in einem Nachwuchsteam, so dass ihn Scouts nach Salzburg vermitteln.

In Österreich war Maximilian Gläßl in der U20 in 35 Spielen im Einsatz. Eingegliedert war das Team neben Riga und Energie Karlsbad in einer russischen U21-Liga. Jetzt will der 18-Jährige seinen Weg in Kanada gehen. "Hältst du mit?", hat ihn sein Vater nach den ersten Trainingseinheiten bei den Moncton Wildcats gefragt. "Klar", sagt Maximilian am Telefon. "Im vorderen Mittelfeld bin ich auf jeden Fall dabei."

Nur Telefon und Internet

Das Telefon und das Internet ist auch in nächster Zeit die einzige Verbindung zu Sohn und Bruder nach Kanada. "Der Verein hat uns eingeladen. Wir werden da sicher rüberfahren", sagt Vater Uwe. Zunächst müssen sie die Erfolge von Maximilian aus der Ferne verfolgen. Denn dass er erfolgreich sein wird, davon geht die Familie aus. "Er wird seinen Weg machen", sagen Karin und Uwe Gläßl. Wie lange der Aufenthalt ihres Sohnes in Kanada dauern wird, wissen sie nicht. "Man muss immer bereit sein, auf jedes Angebot zu reagieren. Aber vielleicht bleibt er ja drüben und verwirklicht sich seinen Traum - in der NHL zu spielen."
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