Asyl-Plätze reichen nicht

"Allein vergangene Woche kamen 49 Personen", verdeutlicht Sozialamtsleiter Wolfgang Jäger die Lage bei der Zuteilung von Asylbewerbern. Regina Kestel bat die Bürgermeister um noch mehr Unterstützung bei der Unterbringung. Bild: as
Lokales
Tirschenreuth
10.07.2015
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Regina Kestel ist nicht zu beneiden. Die Unterkünfte, die ihr für Asylbewerber gemeldet werden, reichen hinten und vorne nicht. An die Bürgermeister richtete die Oberregierungsrätin deshalb einen eindringlichen Appell.

"Wir kriegen jedes Monat von der Regierung eine Zahl, wie viele Asylbewerber wir unterzubringen haben. Und der Landkreis ist mit 69 in den Miesen", verdeutlichte die Abteilungsleiterin, die für Sicherheit und Ordnung zuständig ist. Mehr als 80 Prozent ihrer Arbeitszeit verwendet sie seit Monaten für die Unterbringung der hilfesuchenden Menschen. Eigentlich müsste der Landkreis jetzt schon deutlich mehr Plätze zur Verfügung stellen.

"363 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis, davon 164 in Gemeinschaftsunterkünften. Wir müssen schauen, wie wir noch mehr Unterkünfte bekommen." Dass die Quote oberpfalzweit noch einigermaßen aufgeht, sei dem Landkreis Schwandorf zu verdanken, der mit über 1000 Asylsuchenden schon überproportional viele aufgenommen hat.

Knallharte Zahlen

In der Kreisversammlung des Bayerischen Gemeindetags nannte Regina Kestel knallharte Zahlen, mit denen sie täglich konfrontiert ist. Laut Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge rechnet Deutschland dieses Jahr mit rund 450 000 Zugängen. Davon entfallen auf Bayern knapp 69 000 Asylbewerber. Die Oberpfalz hat davon rund 6000 Menschen unterzubringen, der Landkreis rein rechnerisch 419. Aber das wird kaum reichen. "Allein bis Juli hatten wir schon 289 Zugänge im Landkreis", verdeutlichte Kestel. "Im September und Oktober wird die Kurve sicher nochmal nach oben gehen."

Täglich kann ein Bus mit neuen Asylbewerbern und Flüchtlingen ankommen. Das Landratsamt muss dann schauen, wohin mit den oft traumatisierten Menschen. "Ich bitte Sie um Unterstützung, Wohnungen oder Pensionen zu finden", appellierte die Oberregierungsrätin an die Gemeindevertreter. Sie hatte eine Aufstellung mitgebracht, wie viele Asylbewerber oder Flüchtlinge momentan untergebracht sind in den Kommunen (Kasten) .

Lob für Unterstützer

"Ich persönlich würde die Asylbewerber lieber an zentraleren Orten mit Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten unterbringen", bekannte Regina Kestel. Es funktioniere aber auch an kleineren Orten wie Hahneneggaten, Walbenreuth oder Griesbach, wobei sie den Unterstützern vor Ort großes Lob zollte. Nach recht heftigen Protesten bei der ersten Unterbringung in Bärnau laufe es auch dort ganz gut: "Inzwischen haben wir im Gemeindegebiet vier Unterkünfte. Der Anfang muss gemacht werden."

Ein weiteres Problem, das aber kaum mit normalen Wohnungen zu lösen ist, sind die Jugendlichen, die ohne jeden Familienanschluss in Deutschland ankommen. Für diese unbegleiteten Minderjährigen sei das Jugendamt zuständig, informierte Kestel. Weil der Landkreis keine entsprechend betreute Jugendhilfeeinrichtung habe, seien zwölf Plätze im Landkreis Neustadt und zwei in Weiden angemietet worden.

Acht Jugendliche seien im SOS-Kinderdorf, 15 in der Kolping-Ferienstätte untergekommen. "Wir suchen dauerhafte Lösungen. Im Januar bekommen wir immerhin zwölf Plätze in Wiesau", sagte die Vertreterin des Landratsamtes.
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