Auf Festplatte im Kopf und PC

Voll konzentriert bei seiner Tirschenreuther Passion war Johannes Reitmeier bei der ersten Leseprobe am Wochenende. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
06.02.2015
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Der Autor und Regisseur der Tirschenreuther Passion, Johannes Reitmeier, führt seine Schauspieler wie ein Dirigent seine Musiker durch das Stück. Zufrieden zeigte sich der Intendant des Landestheaters Tirol mit seinen Akteuren bei der ersten Leseprobe.

Während drinnen im Steigersaal noch die "Evangelisten" Albert Bauer, Dr. Maximilian Schön, Thomas Sporrer und Rudi Schmidt, ihre erste Leseprobe vor Autor und Regisseur, Johannes Reitmeier und Regie-Assistent Manfred Grüssner absolvieren, warten draußen schon Jesus (Stefan Malzer), Petrus (Horst Schafferhans) und ein Pharisäer (Hans Meißner) auf ihren Einsatz.

Bei der ersten Leseprobe am Wochenende machte sich Reitmeier, der Schöpfer der Tirschenreuther Passion erstmals ein Bild über die Leistung seiner Akteure. Er war sehr zufrieden und sagte: "Die Schauspieler sind schon sehr weit."

Mit Gongschlag

An ihren Originalpulten, wie sie auch bei den Aufführungen verwendet werden, saßen die Evangelisten und lasen den Text von ihren Schriftrollen ab. Ihre Einsätze markierten Gongschläge. Das kleine Instrument bediente dabei Produktionsassistentin Gaby Saller. Kleine Notizen in den Schriftrollen helfen zusätzlich den richtigen Ton und Ausdruck zu finden. Muss der Einsatz eher dramatisch oder sanft wirken, die Stimme gedämpft oder erhoben rüberkommen? Sich das zu merken, ist der gute alte Bleistift ein probates Hilfsmittel. Johannes Reitmeier sitzt vor den Evangelisten. Er ist voll in seine Passion vertieft. Während er jede Einzelheit des Bühnengeschehens im Kopf hat, wie ein Dirigent jede Note, den Takt und jede Pause, läuft hinter ihm auf einem Flachbildschirm der Film von der Aufführung vor fünf Jahren. Regie-Assistent, Manfred Grüssner sitzt neben ihm. Beide haben ein Stückbuch in der Hand und lesen die Texte der Schauspieler, damit die Evangelisten ihre Stichwörter hören, um ja keinen Einsatz zu verpassen. Bei der Aufführung sitzen sie mit dem Rücken zur Bühne. Obwohl drei der vier Männer neu in ihren Rollen sind, machen sie das gut und zur Zufriedenheit des Regisseurs. Selten muss er korrigieren, animiert er zu mehr Stimme oder dramatischerem Ausdruck.

Wie am Schnürchen

Im Steigersaal sind die Stühle für die Schauspieler im Halbkreis aufgereiht. In der Mitte ist eine kleine Bühne aufgebaut. Dort werden Szenen gestellt und gespielt. Text ist dabei erst einmal das Wichtigste. Aber, nachdem viele "alte Hasen" dabei sind, geht alles fast wie am Schnürchen. Neu bei der Passion ist zum Beispiel Sandra Zech, die bei ihrem Debüt gleich als Gottesmutter einsteigt, nachdem Marianne Stangl derzeit nicht zur Verfügung steht.

Zech hat sich längst in der Szene etabliert als June Carter in "Cash" oder die Buhlschft im "Jedermann". Auch die Maria wird sie problemlos meistern. Riesige Felsklumpen sind im Steigersaal übereinander gestapelt. Die gehören zum Bild "Ölberg" zwischen denen die Apostel schlafen. Aus Styropor und Farbe sind sie gefertigt, wiegen praktisch nichts, sehen aus dem Zuschauerraum heraus im Scheinwerferlicht aber täuschend echt aus.

Die nächsten zwei Wochenenden reist Reitmeier ebenfalls an, um die Schauspieler zu Höchstleistungen zu führen. Am Freitag, 20. Februar stehen sie zum Proben dann das erste Mal auf der Bühne. Zwar noch ohne Kostüme, aber Teile der großen Kulissen werden bereits aufgebaut sein. Der Bühnenbau beginnt am Tag nach Aschermittwoch.
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