Auf Pump geht nicht alles

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Lokales
Tirschenreuth
15.04.2015
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Job weg, Mann weg, zwei kleine Kinder und 50 000 Euro "Miese" auf dem Konto - die Schuldenberater haben viel zu tun.

Für viele beginnt die Insolvenz mit dem Jobverlust, für andere mit der Trennung vom Partner, mit riskanten Immobiliengeschäften oder ständigen Ratenkäufen. Im Landkreis meldeten vergangenes Jahr 58 hoffnungslos überschuldete Verbraucher Insolvenz an. Wie das Landesamt für Statistik berichtet, ging es für die Gläubiger um ausstehende Forderungen in Höhe von rund 3,15 Millionen Euro.

Zwar sank die Zahl der privaten Insolvenzen von 62 auf 58 Fälle, die Schuldnerberater haben dennoch viel zu tun. Günstige Kredite oder vom (Versand-)Handel angebotene Ratenkäufe verführen oft zum bedenkenlosen Konsum. Auf Pump geht (zunächst) alles. Am Ende bleiben stapelweise unbezahlte Rechnungen übrig.

Umgerechnet 54 259 Euro Schulden hatte jeder Betroffene im Kreis Tirschenreuth im Schnitt auf dem Buckel - ohne die geringste Chance, sie von laufenden Einkünften jemals tilgen zu können. Die Insolvenz ist der letzte Schritt; sie wird angemeldet, wenn sonst gar nichts mehr geht. So kann eine Restschuldbefreiung bereits nach drei oder fünf Jahren erreicht werden, wenn der Schuldner Teilzahlungen leistet, also mindestens 35 Prozent der Gesamtschuldsumme und/oder die Verfahrenskosten bezahlt. Kann er dies nicht, ist er nach einer sechsjährigen "Wohlverhaltensphase" schuldenfrei. In dieser Zeit muss praktisch jede berufliche und finanzielle Entscheidung mit dem Insolvenzverwalter besprochen werden, das Gehalt fließt bis zu einer niedrigen Grenze an die Gläubiger. Ein neuer Kredit ist ohnehin tabu.
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