Aufstieg statt Ausstieg

Lokales
Tirschenreuth
21.11.2015
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Na also: Die Jugend von heute ist gar nicht so, wie häufig dargestellt. Soziales Engagement und Umweltbewusstsein stehen ganz vorne auf der Agenda. Sagt zumindest die Shell-Studie

Die Meinungen von 2560 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren sind in die 17. Auflage dieser Untersuchung eingeflossen. Mitautor Ingo Leven stellte das Ergebnis bei einem Forum im "Seenario" vor. Wichtigste Erkenntnis: "Die Eltern bleiben bei der Erziehung des eigenen Nachwuchses die Vorbilder.

Stärken und Schwächen

Ähnlich sieht das auch der Landkreis-Check, den Stephanie Wenisch und Florian Preisinger den interessierten Zuhörern präsentierten. Beteiligt daran waren 34 Jugendliche, die in zwei Workshops im Geschichtspark Bärnau-Tachov die Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken für die Jugendlichen erarbeitet hatten. Dabei wurde das Angebot der weiterführenden Schulen in der Region als zufriedenstellend bezeichnet. Bezüglich der Freizeit waren sich die Jugendlichen einig, dass durch die Vereine vor Ort sowie dem Ausbau der Rad- und Wanderwege gute Möglichkeiten vorhanden sind.

Als Risiko wurde dagegen der Bau der Stromtrassen eingestuft. Positiv bewertet wurden weiter die Landschaft, problematisch dagegen die Verkehrsanbindung sowie die Nutzung des Internets und Handynetzes. Stephanie Wenisch wusste, dass sich die Jugendlichen mit ihrer Heimat auseinandersetzen. "Sie alle wollen eine praktikable Weiterentwicklung ihrer Region." Viele sähen in den jetzt gegründeten Jugendräten in den Kommunen, eine erste Einrichtung, um Einfluss nehmen zu können.

Wenisch machte deutlich, dass die Jugendlichen im Ländlichen Raum durchaus ihre Chancen sehen, die es in den Ballungszentren so nicht gebe. Die Sprecherin war überzeugt, dass die jungen Leute liebend gerne ihrer Heimat die Treue halten würden, wenn die Voraussetzungen besser werden.

Anschließend stellte Ingo Leven die neue Shell-Jugendstudie vor. Der gebürtige Berliner, der in München lebt, "beichtete", dass er keinen Führerschein besitzt und als Großstadtmensch derzeit auch nicht braucht. Eine Aussage, die das Publikum wohlwollend schmunzeln ließ. Laut Leven strebt die Jugend nach Sicherheit und will sich frei entfalten. Dabei habe sich das Verhältnis zu den Eltern grundlegend geändert. "Heute ist es mehr ein Aushandeln, ein Bewerten. Früher war dies anders", sagte Leven. Weiter betonte er, dass die Lebensphase "Jugend" sich immer mehr verkürze. "Heute wird die Jugend viel früher in die Arbeit geführt." Der Optimismus der Jugendlichen in die Zukunft sei ungebrochen. "Die Zuversicht variiert aber mit der sozialen Herkunft."

Im Steigen sei zudem das Interesse an der Politik. "Dieser Trend hält jetzt seit 2002 an." Allerdings: Die Lust in einer Partei aktiv zu werden, ist nur wenig ausgeprägt. Die meisten Ängste (62 Prozent) haben die Jugendlichen vor einem Krieg in Europa und vor Terroranschlägen (73 Prozent). Ebenfalls Sorge bereitet soziale Ungerechtigkeit (62 Prozent).

Ein weiteres Thema in der Shell-Studie war die Werteorientierung. Dabei wurde festgestellt, dass das soziale Engagement und das Umweltbewusstsein wieder stärker im Kommen sind. Zudem wurde herausgestellt, dass die Jugend mit der Demokratie als Lebensform zufrieden ist. Sind es im Westen Deutschlands rund drei Viertel der Jugendlichen, so ist es im Osten der Republik nur gut die Hälfte. "Die Tendenz ist aber im steigen", beruhigte Leven.

Gleichzeitig stellte der Sprecher heraus, dass sich Jugendliche nicht daran stören, wenn andere gesellschaftliche Gruppen in der Nachbarschaft leben. Weiteres Thema war das Internet. Interessant dabei, dass 99 Prozent der Jugendlichen einen Zugang zum Internet haben. Leven sprach deshalb schon fast von einer Vollversorgung. Für Jugendliche ist der Umgang in den Sozialen Medien etwas ganz selbstverständliches. Umso erstaunlicher die Tatsache, dass nur rund zwei Prozent der Jugendlichen Facebook auch voll und ganz vertrauen.

25 Stunden online

Leven wusste, dass Jugendliche pro Woche rund 25 Stunden online sind. Viele nützen die Sozialen Netzwerke auch für sich als Selbstdarsteller, wenngleich dies durchaus Gefahren hat. Zum Schluss betonte Leven, wichtigstes Ziel der Jugendlichen ist ein sicherer Arbeitsplatz mit einem sicheren Einkommen. "Für mehr als 90 Prozent der Jugendlichen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr wichtig." (Angemerkt)
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