Aufwand ist gerechtfertigt

Lokales
Tirschenreuth
16.02.2015
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278 Asylsuchende haben aktuell im Landkreis Tirschenreuth eine sichere Bleibe gefunden. Unterstützung bieten neben den Behörden vor allem Vereine und engagierte Helfer.

Die Psychosozialen Einrichtungen der Nordoberpfalz beschäftigten sich auf ihrer Vollversammlung mit der Situation von Flüchtlingen in den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt und der Stadt Weiden.

Julia Zeitler von der Asyl- uns Sozialberatung in Tirschenreuth beschrieb anschaulich die die Unterstützung für die derzeit 278 Asylbewerber im Landkreis: durch die enge Kooperation mit dem Sozialamt, der AWO und den vielen Ehrenamtlichen könne auch in den dezentralen Unterkünften eine gute Hilfestruktur gewährleistet werden. Deutschkurse, Begleitung zu Ämtern und Ärzten, Freizeitgestaltung und Kinderbetreuung nannte Zeitler als Beispiele für eine unerlässliche Hilfe für die Asylsuchenden, die anstatt des im Gesetz festgelegten Zeitraums von sechs Monaten bis zu 28 Monate auf einen Entscheid ihres Asylantrags warten. Bis dahin hätten sie mit Beschäftigungsverboten und zumindest in den Gruppenunterkünften engen räumlichen Verhältnissen zu kämpfen. "Die Übergänge in das für sie ungewohnte deutsche System werden durch psychische Traumatisierungen durch Krieg, Lebensgrundlagen unterhalb des Existenzminimums im Heimatland und Fluchterfahrungen erschwert."

Kein Geld für Förderung

In den Schulen gebe es zum Teil extra "Asylklassen", jedoch keine Fördermittel für extra Lehrerstunden oder Sprachförderung. Auch die Möglichkeit einen Schulabschluss zu erreichen sei sehr begrenzt. Julia Zeitler bedankte sich für die große Bereitschaft der Ehrenamtlichen und warb für die Mitarbeit.

Johanna Meier vom Landratsamt Neustadt stellte die Zunahme der Asylanfragen seit 2011 dar: die Zunahme von 100 auf 400 Plätze aktuell stelle die Behörde vor eine Herausforderung. Die vier bayerischen Erstaufnahmeeinrichtungen verteilen die neuankommenden Asylbewerber auf die Landkreise und orientieren sich dabei an der Einwohnerzahl und dem Steueraufkommen). 65 Prozent der Flüchtlinge müssten jedoch aufgrund eines negativen Asylverfahrens wieder ausreisen und bekommen weder Asylanerkennung noch "Duldung". Jost Hess vom AK Asyl aus Weiden verdeutlichte eindrücklich die Schicksale hinter den Zahlen. Laut UNHCR sind derzeit 57 Millionen Menschen auf der Flucht aus der wachsenden Zahl an Krisengebieten. Davon erreichen nur 12 Prozent Westeuropa. 3700 Flüchtlinge auf eine Millionen Einwohner in der Oberpfalz seien keine unbewältigbare Herausforderung. "Auch vor dem Hintergrund deutscher Geschichte und persönlicher Fluchtgeschichten unserer eigenen Verwandten ist Menschlichkeit eine Selbstverständlichkeit", so Jost Hess. Nicht nur die tragischen Beispiele von Roma, die auf dem Balkan in Ghettos leben müssen, skrupellosen Schleusertaktiken und der Unbeweglichkeit und fehlender Flexibilität im Asylrecht riefen bei den Vertretern der psychosozialen Einrichtungen große Betroffenheit hervor. "Jeder Fluchtgrund ist legitim - ohne Weiteres verlässt man nicht seine Heimat, vor allem nicht mit der ganzen Familie." Der Aufwand für das deutsche Sozialsystem sei zweifellos vorhanden, aber auch gerechtfertigt. Wichtig seien unkomplizierte Hilfenetzwerke, die den Flüchtlingen sichere Lebensbedingungen verschaffen. Hier mangelt es an einer finanziellen Entschädigung.

AOK neues Mitglied

Die PSAG Nordoberpfalz hat sich das Thema für ihr nächstes Treffen im Juni auf die Tagesordnung gesetzt, um einen gemeinsamen Appell zu verabschieden, den Dialog zwischen Praxis und Politik wieder aufleben zu lassen und die Vernetzung von Hilfen für Flüchtlinge zu verbessern. Weiterhin wurde in der Sitzung der sogenannte Prüfungsausschuss für die nächsten drei Jahre neu gewählt und als neues Mitglied die AOK Tirschenreuth in die PSAG aufgenommen.
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