Barfuß in die Sicherheit

Froh, endlich in Sicherheit zu sein, ist diese Familie aus Syrien. Zusammen mit über 160 anderen Flüchtlingen kam sie am Sonntag in der Notunterkunft in Wiesau an. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
07.09.2015
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Regina Kestel steckt diese Nacht noch in den Knochen. Bis weit nach Mitternacht waren die Oberregierungsrätin und Traudl Bulawa in der Notfallunterkunft in Wiesau. Nicht weil der Umzug der Flüchtlinge aus Tirschenreuth Probleme bereitet hätte. Drei Busse mit Neuankömmlingen mussten untergebracht werden.

Die dramatische Zuspitzung der Lage in Ungarn und der dann folgende Zustrom von mehr als 15 000 Zuflucht suchenden Menschen allein an diesem Wochenende war schnell auch im Landkreis Tirschenreuth zu spüren. Sonntagnachmittag erreichte die am Landratsamt Tirschenreuth zuständige Sachgebietsleiterin der Anruf der Regierung, dass weitere Flüchtlinge kommen werden.

Bis zum Abend wurden es dann 164, die nach Wiesau gebracht wurden. Ein Bus kam direkt vom Hauptbahnhof München, zwei weitere aus anderen Auffanglagern. Da war es schon gut, dass es Kestel und ihren Mitarbeitern in der vergangenen Woche gelungen war, 93 Frauen, Männer und Kinder aus der Notfallunterkunft in Tirschenreuth dezentral im Landkreis unterzubringen.

Mit nur noch 26 Personen aus dem Erstkontingent verlief so der seit Tagen geplante Umzug in die Dreifachturnhalle am Beruflichen Schulzentrum in Wiesau ohne Probleme. "Wir sind hier aber schon wieder proppenvoll", erzählt Regina Kestel am Montag. Sehr viele Männer sind es diesmal, weniger Frauen und Kinder.

Während im Juli die Ankömmlinge bereits "gescreent" waren, mussten am Sonntag die Tirschenreuther die Erfassung und Registrierung selbst erledigen. "Die hatten nichts dabei, keine Ausweise oder sonstige Legitimation", schildert Kestel. Fast vier Stunden lang hat sie zusammen mit Traudl Bulawa die Angaben der Ankömmlinge notiert.

Überwiegend Syrer und Afghanen sind es diesmal, aber auch aus dem Irak, Pakistan und von der Elfenbeinküste kommen die Menschen, die es trotz der dramatischen Zustände in Ungarn bis nach Wiesau geschafft haben. Sie alle waren müde und erschöpft. Viel hatten sie nicht bei sich. Einer kam sogar barfuß. Eine ausgezeichnete Hilfe war dem Landratsamt in den vergangenen Tagen ein Syrer, der seit geraumer Zeit dezentral in Bärnau untergebracht ist. "Der war uns als Dolmetscher fast unentbehrlich."

Wie's weitergeht? Da wagt niemand eine Prognose. "Schauen, wo im Landkreis die Flüchtlingsfamilien unterkommen können", heißt es aus dem Sozialamt.
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