Besinnliche Lehrstunde

Der ehemalige Kreismusikschul-Leiter Maximilian Schnurrer hat die Heilige Nacht ins Stiftländische "übersetzt" und auch die passende Musik dafür geschrieben. Bild: kro
Lokales
Tirschenreuth
12.12.2014
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Die "Heilige Nacht" ist wohl eine der beliebtesten Einstimmungen auf Weihnachten. Wenn die Erzählung dann noch in Stiftländisch daher kommt, wird daraus ein Dokument regionaler Dialekt-Vielfalt. Und die Herbergssuche zur Parallele der Flüchtlingssituation.

Den bekannten Ludwig-Thoma-Text bearbeitet und die Gesänge-Musik komponiert hat Maximilian Schnurrer. Vier Mal führten Ingrid Leser als Sprecherin, Marianne Schnurrer mit Akkordeon und Sopran sowie Elfriede Dietrich (Alt) in den vergangenen Wochen das Stück auf.

Der Zweck war nicht nur die Einstimmung in die vorweihnachtliche Zeit, sondern auch eine helfende Absicht steckte dahinter. Die jeweiligen Veranstalter bestimmten die Spendenadressen.

So wurde für die Aktion "Lichtblicke" (Sengerhof Neualbenreuth), "Feuerkinder Tansania" (Pfarrkirche Beidl), Kinderkrebshilfe (Filialkirche Reuth) sowie Flüchtlingshilfe, Missionswerk der Steyler Missionare und Kinderschutzbund (St.-Peter-Kirche Tirschenreuth) gesammelt. Insgesamt kam für alle diese Einrichtungen ein Betrag von 1550 Euro zusammen, über den sich die Veranstalter wie das Künstlerensemble freuten.

Maximilian Schnurrer ging in seiner Dialekt-Vorrede auf die Parallelen der Herbergssuche von Maria und Josef zur heutigen Flüchtlings-Situation ein. Achmad und Gylbaha waren seine aktuellen "Gschundenen". Schnurrers Textvariante mit Begriffen aus allen Ecken des Stiftlandes, so zum Beispiel "daat" (täte) für das Zentralstiftland gegenüber "diat" (täte) für das Waldershoferische, oder für "Laterne" das alte Bärnauerische "Loddaarn" gegenüber dem bekannten "Laddäan": Es stellt auch ein Dokument unseres reichhaltigen Dialekts dar, der im Begriff ist, zu verarmen.

Ingrid Leser war eine Sprecherin mit Sinn für Dramatik, wobei sie geschickt Sprechtempo, Lautstärke sowie Klangfarbe und Klanghöhe nützte, um die im Stück auftretenden Rollen auf's Publikum zu projizieren. Die keifende "Basl" machte ebenso tiefen Eindruck wie der bemessene "Herrgott".

Zwei Musik-Fassungen des früheren Kreismusikschul-Leiters passen zu dem Stück. Die eine ist auf die CD gebannt mit dem "Stiftland-Gesangsvierer" und verschiedenen Instrumenten einschließlich oberpfälzer-egerländer Bock (Dudelsack), die auch vom Digitalsender Bayern plus am 25. Dezember, 18.05 Uhr, und ausschnittsweise mehrfach abends am 21. Dezember vom OTV gesendet wird. Die andere ist quasi die Tourneebesetzung mit dosiert eingesetztem Akkordeon und zwei Gesangsstimmen, die durch Marianne Schnurrer und Elfriede Dietrich eindringlich und klangrein rüberkamen.

Die sechs Hauptstücke werden durch je einen Gesang gegliedert, der der Sprecherin auch zu einer Erholpause verhilft. Das Schlussstück ist dreigeteilt: Der erste Mollteil soll die Beschwernisse der Herbergssuchenden ausdrücken. Der zweite Teil ist ein ausgelassener bäuerlicher Tanz der Freude über das neugeborene Jesuskind. Den Ausklang bildet ein kleiner Kanon im Fünftonraum als Wiegenlied für das schlafende Neugeborene, im Pianissimo endend und in die Stille hinübergleitend.

Langer Applaus nach einer kleinen Nachwirkungspause verabschiedete dieses fähige Frauentrio. Bereits in 2015 steht für den 13. Dezember (3. Adventssonntag) eine Aufführung im Kloster Speinshart für eine vom Goldene-Straße-Spezialisten Rainer Christoph geplanten Ausstellung fest. Die produzierte CD wie das separate Text- und Notenbuch sind im Bücherhaus Rode in Tirschenreuth erhältlich.
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