Bilder schöner als die Realität

Berndt Fischer ist gebürtiger Amberger und lebt bei Erlangen. Er sagt: "Mein Dilemma ist es, dass ich mit der Kamera Landschaften hinterher renne, die es gar nicht mehr gibt, die ich aber als Kindheitserinnerung in mir bewahrt habe. In meiner Biografie hat der Niedergang der Natur ungeahnte Schnelllebigkeit und Dimensionen angenommen. Daraus resultiert die Leidenschaft, mit der Kamera zurückzuholen was unwiederbringlich verloren ist." Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
19.06.2015
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Luchse und Wölfe in seinem Multivisionsvortrag hat Berndt Fischer im Gehege fotografiert. Alle anderen Tierbilder entstanden in der freier Wildbahn. Und das sieht man ihnen auch an. Mit 300 Naturaufnahmen begeisterte er im Tirschenreuther Museumsquartier die 75 Zuschauer.

Berndt Fischer ist sicher einer der besten deutschen Naturfotografen. Passend zur Bilderpräsentation, die bereits seit mehreren Wochen unter dem gleichen Titel läuft, präsentierte er "Das Grüne Dach Europas" als Multivisionsschau auf einer Großleinwand im Alois- Hörmann-Saal.

Bilder vom Hermelin im späten finnischen Winter, halb weiß halb braun gefärbt, das um den Fotografen herumtollt, Porträts wilder Braunbären, aufgenommen in Finnland, und deren kleinere Vettern in der Slowakei fotografiert, beeindruckten dabei genauso, wie der heimische Gartenrotschwanz oder die Mosaikjungfer im Flug.

Enormes Fachwissen

Tierfotografie setzt enormes Wissen über die Protagonisten voraus. Wo ist die Einflugschneise, die der kleine Waldvogel auf dem Weg zu seinem Nest nutzt? Wann kommt das Habichtweibchen zum ausgelegten Aas? Und wann ist der richtige Zeitpunkt für die Auer- und Birkhahnbalz? Fragen die richtig beantwortet sein müssen, will man nach dem Shooting erfolgreich nach Hause gehen. Vom fliegenden Gartenrotschwanz zeigte Fischer zwei perfekte Bilder. Sie sind die "Best of" aus 3000 Belichtungen. Ein weiterer Höhepunkt im Vortrag waren die Eisvögel beim Liebesakt. So hat das wohl noch keiner der Zuschauer in freier Wildbahn miterlebt.

Nicht von ungefähr ist Fischer einer der bekanntesten in der Szene und von den einschlägigen Bildagenturen und Buchverlagen geschätzten Fotografen. Sieben Bildbände hat er veröffentlicht, darunter zwei im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz.

Fischer hebt sich deutlich von der Masse der vielen oberen Mittelklasse-Naturfotografen ab. Sicher ist das der Grund dafür, dass kaum eine der maßgeblichen Naturpublikationen ohne seine Meisterwerke auskommen will. Zwar nennt er eine etwa 35 000 Euro teure Ausrüstung sein Eigen. Aber das allein ist nicht ausschlaggebend für seine außergewöhnlichen Arbeiten. Er hat den Blick für das Wesentliche, das, was den Unterschied zwischen normal und überdurchschnittlich ausmacht.

Vor Morgengrauen

Die Fischadlerfamilie im Horst hat Berndt Fischer ebenfalls in Skandinavien fotografiert. Dort sind sie noch "Allerweltsvögel" und im Bestand gesichert. Ein Freund hat ihm in einem etwa 20 Meter entfernten Baum in Augenhöhe zu den Vögeln eine Kanzel hineingebaut.

Wenn er die Adler fotografiert, erklimmt er den Baum vor Morgengrauen. Sein Versteck verlässt er erst, wenn es wieder dunkel ist. Manchmal übernachtet er auch im Tarnzelt, "denn die letzten Abend- und die ersten Morgenstunden sind die besten", weiß er. Nicht als Störenfried dringt er in die Lebensräume seiner Hauptdarsteller ein. Behutsam ist sein Vorgehen. Und er ist dankbar, dass ihm die Tiere die außergewöhnlichen Einblicke in deren Leben gewähren.

Seit frühester Jugend befasst sich der ehemalige Gymnasiallehrer mit der Naturfotografie. Heute geht er immer mehr mit einem "weinenden Auge" hinaus in die Natur. "Ich laufe ständig Landschaften und Tieren hinterher, die es gar nicht mehr gibt." Eine ernüchternde Erkenntnis. "Der Mensch lässt kaum noch Natürlichkeit zu in seiner grenzenlosen Gier nach Macht und Geld", resümiert Fischer, den nicht die Fotografie an sich hinaustreibt in die Natur.

Eher die intimen Begegnungen mit Tieren, die er als besonderes Glücksgefühl, als einen anderen seelischen Zustand, als eine Welt, in der es keine Zeit gibt, eine Welt der Poesie beschreibt, sind Motivation dafür. Viel habe der Mensch bereits zerstört. Die Tirschenreuther Teichpfanne und ein großes Weihergebiet bei Budweis wertete Fischer in seinem Live-Kommentar als "kleinen Genpool." Von hier aus habe sich zum Beispiel der Schwarzstorch wieder ausgebreitet. Die großen Prädatoren wie Luchs, Bär und Wolf könnten bei uns längst wieder Grenzgänger sein, "wenn wir es zuließen". Aber allzu schnell ereile sie das gleiche Schicksal wie "Problembär Bruno".

Sorgsamerer Umgang

"Deshalb sind meine Bilder schöner als die Realität", sagt der Sprecher und fordert einen sorgsameren Umgang mit der Natur. Vor allem die Jagd und die Landwirtschaft sieht er dabei in der Pflicht.

Die Ausstellung im Museumsquartier ist noch bis 28. Juni, dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.berndtfischer.de/
http://www.buch-und-kunstverlag.de/
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