Brillengläser direkt von Gott

wFür die Heimatvertriebenen in Deutschland zuständig ist Weihbischof Reinhard Hauke (Mitte) aus Erfurt. Den Wallfahrtsgottesdienst in Plana zelebrierte er unter anderem mit Regionaldekan Georg Flierl (rechts) und dem Planer Pfarrer Jaroslav Sasek. Bilder: hfz (2)
Lokales
Tirschenreuth
29.07.2015
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Die Jubiläumswallfahrt wäre beinahe die letzte im alten Stil gewesen. Aber dann war die 26. Prozession von Mähring nach Plana doch gesichert - dank guter deutsch-tschechischer Zusammenarbeit.

Fast 50 Wallfahrer machten sich um 5.45 Uhr auf den 17 Kilometer langen Fußweg nach St. Anna. Die Tradition wäre beinahe am hohen Sicherheitsrisiko für die Pilger auf öffentlichen Straßen gescheitert. Das Team um den neuen Wallfahrtsführer Dr. Max Schön hatte aber alles unternommen, um die Standards auf höchstes Niveau zu bringen. So setzte sich zum Beispiel Polizeioberrat Klaus Müller von der PI Weiden bei seinem Amtskollegen in Tachov, Oberst Ludék Svoboda, dafür ein, dass die Prozession von der tschechischen Polizei in vorbildlicher Weise abgesichert wurde.

Stärkung in Broumov

In Broumov an der kleinen Kirche versorgten Frauen die Pilger mit Kaffee und Selbstgebackenem. So ging es frisch gestärkt nach einer kleinen Andacht auf den zweiten Abschnitt. Am Bahnübergang bei der Pension St. Anna vereinigten sich die Pilgerzüge aus Plana und Mähring, angeführt von der Blaskapelle Plana und Weihbischof Reinhard Hanke aus Erfurt. Neben dem Ehrengast, der von der Bischofkonferenz den Seelsorgeauftrag für die Heimatvertriebenen übernommen hat, feierten Regionaldekan Georg Flierl aus Tirschenreuth, Pfarrer Jaroslav Sasek aus Plana, Prälat Helmut Wanka aus Limburg, Seelsorgern aus Klingenthal und Tachov mit zahlreichen Gläubigen die Wallfahrtsmesse. Der St.-Peter-Chor aus Tirschenreuth unter der Leitung von Edwin Langheinrich und Edmund Reindl an der Orgel übernahm die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes.

Der Vorsitzende des Fördervereins St. Anna, Herbert Konrad, begrüßte besonders die tschechischen Gäste und hob die gute Partnerschaft hervor. Im Gottesdienst wurden die Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, deren Ankunft am selben Abend in Tirschenreuth erwartet wurde, ins Gebet eingeschlossen.

Tiefensicht durch Glaube

In seiner beeindruckenden Predigt verglich Weihbischof Dr. Reinhard Hauke den christlichen Glauben mit einer Brille. Der Glaube ermögliche eine Tiefensicht, Christen bewerteten ihr Leben anders als die Nichtglaubenden. "Christen vertrauen darauf, dass sich ihr Blick mit der Zeit schärft und man eine tiefere und neuere Sicht auf die Dinge bekommt", sagte der Prediger.

Bei der Wallfahrt zu Ehren der Mutter Anna schaue man auf eine Frau, die Maria, die Mutter Jesu, auf den Weg des Glaubens gebracht habe. "Die Eltern von Maria hatten die besondere Brille, die ihnen durch den Glauben an den gerechten und barmherzigen Gott geschenkt wurde." Die Antwort Marias auf den Anruf Gottes sei nur vorstellbar, wenn es eine tiefe Sicht des Lebens aus dem Glauben im Elternhaus gebe.

Verkünder als Optiker

Vom besonderen Sehen und Hören spreche Jesus auch im Evangelium zu den Jüngern. Mit dem Gleichnis vom Sämann wollte er die Jünger im Glauben stärken und sagen, dass die Saat nicht immer gleich aufgehe. Natürlich müsse der Seelsorger dafür sorgen, dass die Bedingungen für den Glauben möglichst gut seien, aber er sei nicht der Herr, der alles in den Herzen bewirken könne. "Der Verkünder ist zu vergleichen mit dem Optiker, der den Brillenrahmen herstellt. Die Gläser selbst kommen von Gott, aber die Gläser brauchen den Rahmen, sonst hätten sie keinen Halt", sagte der Prediger. Die Brille der Liebe öffne die tiefere Sicht, die Liebe sei die eigentliche Brille des Glaubens.

Auf die Probe gestellt

Das Glaubenszeugnis der aus ihrer Heimat Vertriebenen sei von großer Bedeutung, sagte der Weihbischof. Der Glaube sei durch Flucht und Not auf die Probe gestellt worden, doch die Brille mache es möglich, mit anderen Augen zu sehen. Hanke machte den Anwesenden Mut, an der Glaubensentwicklung des 21. Jahrhunderts mitzuarbeiten. "Wir Christen tragen eine Botschaft in uns, die für alle Menschen hilfreich sein kann. Die Botschaft, dass es allen Menschen und der Schöpfung gut tut, zu glauben, zu hoffen und zu lieben!"
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