Bringt Regen den Segen?

Den akuten Wassermangel in der Landwirtschaft erkennt der Fachmann an den Maispflanzen. Stellvertretender Kreisobmann Martin Härtl, Ludwig Peter von der Erzeugergemeinschaft Oberpfalz sowie Stephan Poersch (von links) vom Amt für Landwirtschaft und Ernährung Tirschenreuth zeigen die Schadbilder. Bild: jr
Lokales
Tirschenreuth
23.07.2015
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Sorgenfalten treibt die Hitze der vergangenen Wochen auf die Stirn der Landwirte. "Wir brauchen jetzt mindestens 50 Liter schönen Landregen", sagt stellvertretender Kreisobmann Martin Härtl. Da bekommen wohl die Badbetreiber Angstschweiß.

Die hohen Temperaturen, lauen Nächte und geringen Niederschlagsmengen heuer kommen in der Bevölkerung sich gut an. Seit Jahresbeginn sind mehr als 100 Liter pro Quadratmeter weniger als im langjährigen Vergleich gefallen. "Für die Landwirte ist ein solcher Sommer oft mit hohen Einkommensverlusten verbunden", sagt Stephan Poersch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Tirschenreuth.

Damit die Pflanzen den fehlenden Wasserbedarf wieder auffüllen können, erhofft sich Martin Härtl jetzt Nachschub von oben. Sein Maisfeld bei Kleinbüchlberg leidet unter akutem Wassermangel. Je nachdem, wo die Gewitterregen der vergangenen Wochen niedergegangen sind - der klassische Landregen mit lange andauernden, ergiebigen Regenfällen ist in den letzten Jahren selten geworden - zeigen die bisherigen Ernteergebnisse im Landkreis ein sehr unterschiedliches Bild,

Während sich die Bauern in einigen Ortschaften über teils hervorragende Druschergebnisse bei der bereits geernteten Wintergerste freuen, konnten etwa im Raum Mitterteich oder Falkenberg keine 60 Dezitonnen je Hektar geerntet werden. Im Kemnather Gebiet müssen die Bauern seit jeher mit Vorsommertrockenheit und entsprechend niedrigeren Erträgen leben.

Auch beim Futterbau ist die Lage durchwachsen. Während der erste Grünlandaufwuchs erfreuliche Mengen und Qualitäten brachte, steht derzeit auf den "verbrannten" Wiesen so gut wie nichts da. Und der wärmeliebende Mais konnte zwar seit der Aussaat Ende April schnell und stetig wachsen, aber auch er leidet seit etwa zwei Wochen sehr unter der Trockenheit, wie an der blass-grauen Farbe und den eingerollten Blättern gut zu erkennen ist.

Und selbst wenn sich die Niederschlagssituation entspannen sollte - der Mais hat wohl auf den leichten, trockenheitsanfälligen Standorten bereits "seinen Schaden weg", wie sich die Berater Stephan Poersch, Erzeugerringberater Ludwig Peter und der stellvertretende Kreisobmann Martin Härtl einig sind.

Und wie geht's weiter? Auch bei Hafer und Sommergerste und den feuchteliebenden Raps und Weizen sieht man je nach Bodengüte sehr unterschiedliche Bestände: "Die Kornfüllung ist mancherorts abrupt beendet worden", wie Ludwig Peter in seinen Beratungen häufig feststellen muss. "Da werden manche Getreidebauern noch eine böse Überraschung erleben."

"Vielleicht sollten die Landwirte gerade auf den sandigen Granitstandorten doch mal wieder über den lange Zeit wenig beachteten, früher aber hier sehr verbreiteten Roggen nachdenken. Der steckt nämlich nicht nur die Trockenheit am besten weg, auch Kahlfröste im Winter übersteht er im Unterschied zur Wintergerste problemlos", schlägt Poersch vor. Und das "Korn" sei nicht nur als Brotgetreide zu vermarkten, auch im Futtertrog könne es die Gerste zum Teil gut ersetzen und sei besser als ihr Ruf.
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