Dankbare "Feuerkinder"

Der Dank, der dem Feuerkinder-Team in Ifunda entgegengebracht wurde, war überwältigend. Dem Team wurden von dem im Vergleich zum Norden Tansanias deutlich ärmeren Menschen etwa 15 lebende Hühner (Bild), säckeweise Mais und Reis, Eier und selbst gefertigte Korbwaren geschenkt. Da die Temperaturen nachts bis nahe an den Gefrierpunkt sanken, waren die von vielen Frauen in Tirschenreuth, Waldsassen, Freiburg und Stuttgart gefertigten Wollmützen, Socken und Decken eine enorme Hilfe. Bilder: hfz (2)
Lokales
Tirschenreuth
27.11.2015
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Die äußeren Umstände sind schwieriger geworden. Dennoch waren beim Abschluss-Essen der Mitarbeiter und der Patienten im Nkoaranga-Krankenhaus alle glücklich: Fast 200 Kinder und Jugendliche sind erfolgreich operiert worden.

"Viele, gerade die ,Klumpfußkinder' wurden mit orthopädischen Hilfsmitteln versorgt", berichtet Dr. Annemarie Schraml. "Sehr vielschichtig" sei der Einsatz in Tansania in diesem Jahr gewesen, sagt die Initiatorin der Aktion "Feuerkinder" und erwähnt die Situation im Nkoaranga-Krankenhaus. Personal war wegen finanzieller Probleme reduziert worden; die vor 10 Jahren gebauten Warmwassersolaranlagen seien teils defekt und das Dach des OP-Vorraumes undicht gewesen.

Behindert worden sei die Arbeit auch durch täglich stundenlangen Stromausfall und der erschwerten Versorgung mit Wasser. "Aber die verbliebenen Schwestern sowohl im OP als auch auf Station mühten sich enorm." Außerdem versagte der Sterilisator des Krankenhauses etwa acht Wochen vor dem Einsatz seinen Dienst; kurzfristig musste über eine Spezialfirma in München für 36 000 Euro Ersatz gekauft und nach Tansania eingeflogen werden.

Aufwendige Operationen

"150 teils sehr aufwendige Operationen konnten durchgeführt werden", berichtet Dr. Schraml. Am ersten Wochenende besuchte das Team die Schweizer Franziskanerinnen Sr. Blasia und Sr. Verona in Rhotia. Mittlerweile ist dort in der Krankenstation der neue Operationssaal fertiggestellt. Nächstes Jahr sollen dort bisher ins 200 Kilometer entfernte Nkoaranga-Krankenhaus gebrachten Kinder operiert werden. Im Reha-Zentrum Usa River behandelt ein mittlerweile 6-köpfiges Team täglich Klumpfußkinder mit Gipsen und Orthesen und bereitet sie mit Korrekturgipsen auf die anstehende Operation vor. Eine neue tansanische Ärztin führt kleine Operationen am Ende der Gips-Behandlung durch.

Fragwürdige Kontrollen

Zwischen den beiden Einsätzen besuchten Dr. Heinz Giering und Dr. Annemarie Schraml die vom Ehepaar Blaser aus Bad Waldsee aufgebaute Station in Ifunda im Süden Tansanias. Nach einer 18-stündigen anstrengenden Autofahrt - oft unterbrochen durch fragwürdige Polizeikontrollen - war das Ziel erreicht. Dort unterstützt Familie Blaser eine katholische Missionsstation mit Krankenhaus und kleinem Schulzentrum und hat in den letzten Jahren einen vorbildlichen Operationssaal gebaut. Um den Eltern mit ihren Kindern den fast nicht zumutbaren Weg über 1000 Kilometer ins Nkoaranga-Krankenhaus zu ersparen, vor allem den Rückweg mit operierten und eingegipsten Beinen, plant Dr. Schraml ab 2016 auch dort die Kinder, die den weiten Weg in den Norden Tansanias zurücklegen müssten, zu operieren. Eindrucksvoll war, dass dort einheimische Handwerker angelernt waren, einfache und preisgünstige Öfen herzustellen. Damit können Verbrennungen und Verbrühungen von Kindern reduziert werden.

"Fluchtverhinderung"

Dr. Schraml betont, dass dies der Weg ist, die Menschen in ihrer Heimat zu halten, quasi "Fluchtverhinderung" betreiben. "Es hilft nicht, den afrikanischen Ländern Geld zu geben, dieses fließt nur zu wenigen." Echte und gute Entwicklungshilfe sollte etwa Gesundheitsvorsorge und Behandlung, Schulausbildung- und Berufsausbildung ermöglichen.
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