Dem Leben dienen bis zuletzt

Lokales
Tirschenreuth
04.12.2015
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Auch wenn es viel um Seelsorge geht: "Wir sind keine Betschwestern", sagen Marianne Dietl und Beate Wiedemann. Die beiden leiten die Einsätze des Hospizdienstes. Und der begleitet Menschen das letzte Stück des Weges.

Darauf legen Marianne Dietl und Beate Wiedemann großen Wert: "Mit Sterbehilfe hat das nichts zu tun." Hospizhelfer sind eher Zuhörer und Ratgeber, Trostspender und Lebensvermittler. Freilich hören auch sie immer wieder mal den Satz "Ich will nicht mehr." Vor allem dann, wenn es eine Krise im Krankheitsverlauf gibt, die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind oder die Patienten in das sprichwörtliche Loch fallen.

"Da wird in den Palliativ-Stationen aber schon viel abgefangen", sagen die erfahrenen Helferinnen. Sie sind eher zufällig zu diesem besonderen Ehrenamtsdienst gekommen. Die eine hat "nach einem Todesfall in der Familie die Nachbarin zu einem Vorbereitungskurs mitgeschleift". Die andere eben auch von diesem Kurs in der Zeitung gelesen und ist hängengeblieben.

Fast alle Menschen wollen Zuhause sterben, tatsächlich sind 85 Prozent der Einsätze aber im Altenheim und Krankenhaus. Wenn Hospizhelfer gerufen werden, bedeutet das nicht schon, dass das letzte Stündlein geschlagen hätte. Einmal hat sich eine Begleitung über fast vier Jahre hingezogen. "Da ist in den Gesprächen auch gelacht und geblödelt worden."

Meist aber geht es um andere Dinge. Etwa den Selbstzweifel eines Weltkrieg-Soldaten, der sich fragt, ob er selbst auch getötet hat. Oder einen Familienstreit, der längst bereinigt werden sollte. "Viele Sterbende wollen ihren Angehören nicht zur Last fallen. Dann sind wir da." Hinsetzen und Zuhören ist meist die erste Aufgabe der Hospizhelfer. Auch wenn es oft um kirchliche Rituale geht, Lieder gesungen oder ein Rosenkranz gebetet werden sollen: "Wir stülpen niemand etwas über, sind frei und offen für alle Religionen."

Und wo sprechen nicht mehr möglich ist? "Kleine Zuckungen am Körper, Regungen im Gesicht - da sind wir Seismographen auch für die betreuenden Schwestern." Einfache Berührungen, ein Streicheln der Hand können so viel bewirken. Marianne Dietl und Beate Wiedemann sprechen von einer Nähe und Stille am Krankenbett, von einer Intensität, ja fast schon Intimität. "Das ist immer wieder auch für uns selber eine Bereicherung." Und sie sind auch fasziniert von der Offenheit, der sie auch immer wieder bei den Angehörigen begegnen. "Manchmal bekommen wir auch den Schlüssel zur Wohnung in die Hand gedrückt, wenn die Angehörigen dringend etwas zu erledigen haben." (Hintergrund)
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