Depressionen im Griff

Viele leben Jahre und Jahrzehnte mit ihren Depressionen oder Süchten, ohne dass es erkennbar ist.
Lokales
Tirschenreuth
07.11.2015
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Der tägliche Umgang mit depressiven Menschen und Suchtkranken ist immer eine Herausforderung. Um dafür gut gerüstet zu sein, informierten sich hauswirtschaftliche Fachkräfte in einem Seminar beim Ärztlichen Leiter des Bezirkskrankenhauses Wöllershof.

Auf besonderen Wunsch der hauswirtschaftlichen Fachkräfte organisierte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth ein Seminar zum Thema "Umgang mit Depressionen und Sucht in Familien". Direktor Dr. Heribert Fleischmann gab den 16 Teilnehmerinnen des Hauswirtschaftlichen Fachservices Tirschenreuth und Weiden interessante Tipps für ihre Einsätze mit auf den Weg.

Christiana Enslein vom Landwirtschaftsamt erklärte: "Viele hauswirtschaftliche Fachkräfte arbeiten in Familien, die von Depressionen oder verschiedenen Süchten betroffen sind." Die Fortbildung soll den Dienstleisterinnen helfen, den Familien mehr Einfühlungsvermögen entgegenzubringen und mögliche Hinweise auf Depressionen oder Süchte besser deuten zu können.

Ebenso ging es darum, Depressionen in der Schwangerschaft zu erkennen und darauf zu reagieren. Die Teilnehmerinnen tauschten Erfahrungen aus und erfuhren, wie sie die erworbenen Kenntnisse in der Praxis anwenden könnten.

Über 3000 Patienten

Fleischmann bekam für seinen Vortrag eine Spende in Höhe von 200 Euro. Die will er für Kinder verwenden, die mit ihren Müttern stationär im Bezirksklinikum behandelt werden. Fleischmann gab einen Einblick in die Geschichte des Krankenhauses, zudem stellte er einzelne Fachbereiche vor. Seit 1978 ist Wöllershof eine Psychiatrie. Versorgt werde ein großes Gebiet, rund 3000 Patienten werden jedes Jahr stationär behandelt, etwa 8000 ambulant betreut.

"Der Versorgungsbedarf ist da." Es gibt eine Reha für Alkohol- und Medikamentenabhängige sowie für Suchtkranke. Die Ambulanz, die seit 1998 besteht, werde gut angenommen. Durch die bessere Vernetzung der Bereiche Ambulanz, teilstationäre Aufenthalte, stationäre Aufenthalte und Hausbesuche der Pflegekräfte könnten Patienten schneller entlassen werden. Hauptthemen seines Vortrages waren Depressionen wie Wochenbettdepressionen und Süchte. Er stellte die Schwerpunkte der psychiatrischen Therapie vor, ging auf Behandlungsansätze und Hilfestellungen ein und verwies auf das Netzwerk mit Jugendamt oder Suchtberatungstellen, mit denen unterstützend zusammengearbeitet werde. Er sprach Präventionen und Möglichkeiten der Weiterbehandlung an und gab den hauswirtschaftlichen Fachkräften viele Ratschläge für den Umgang in den Familien, mahnte aber vor falschen Schlüssen. "Man sieht als Laie nicht, welche Erkrankung jemand hat - viele leben Jahre und Jahrzehnte mit ihren Depressionen oder Süchten, ohne dass es erkennbar ist."

Jede Hilfe müsse individuell geplant werden, man müsse von Fall zu Fall schauen, welche Hilfestellungen benötigt würden. Zudem sollten Broschüren die Betroffenen nicht "überinformieren", besser sei es, sich im persönlichen Gespräch austauschen. Indem man sich Zeit nehme und offen miteinander rede, könnte schon helfen. "Wir dürfen niemanden an den Pranger stellen."

Keine Tabu-Themen

Bei den vielen Fragen, die die Teilnehmerinnen an den Fachmann hatten, kamen auch die Themen Suizid, Burn Out und Altersdepressionen sowie die Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankungen ins Gespräch. Den Frauen lagen vor allem Informationen über den Umgang mit betroffenen Familien, denen sie bei ihren Einsätzen begegnen, am Herzen.
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